Ausstellungsort

Berliner Technikmuseum wird erweitert

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Markus Falkner

Foto: Massimo Rodari

Ein neuer Teil des Deutschen Technikmuseums in Kreuzberg entsteht auf dem Gelände der ehemaligen Ladestraße des Anhalter Güterbahnhofs. Doch Direktor Dirk Böndel träumt von viel mehr.

Die Technik braucht Platz: Auf dem halb verwilderten Gelände des ehemaligen Anhalter Güterbahnhofs soll ein neues Gebäude aus Stein, Stahl und Glas für das Deutsche Technikmuseum errichtet werden. Jedenfalls wenn es nach dem Direktor des Museums geht. Dirk Böndel würde dort gern das eigentliche Hauptgebäude für das Museum bauen – 25.000 Quadratmeter groß, seit 25 Jahren erträumt, geplant, aber nie gebaut. Nur einen Namen gibt es schon und ein Konzept. Das künftige „Technoversum“ soll buchstäblich ein Museum der Zukunft werden. Sechs Themenforen zu Mobilität, Medien, Architektur, Energie, Produktion und dem Verhältnis von Mensch und Technik sollen die Brücke zwischen gestern, heute und morgen schlagen. Rund elf Jahre hat Museumschef Böndel noch Zeit. Bis zu seiner Pensionierung will er sein Museum fertiggestellt sehen. Doch noch wächst kein Neubau in die Höhe. Noch wuchert Unkraut zwischen Ruinen.

Das Problem: Mindestens 62 Millionen Euro würde das „Technoversum“ wohl kosten. Eine gewaltige Summe. Eine, über die der Senat in dieser Legislaturperiode nicht mehr nachdenken wird, wie Kulturstaatssekretär André Schmitz am Mittwoch bei einem Rundgang auf dem Gelände sagte.

Doch auch 3,5 Millionen Euro können schon sehr viel sein in einer Stadt, die chronisch pleite ist. Deswegen war Schmitz auf das Areal gekommen. Seit Ende 2009 wird dort gebaut – nicht das „Technoversum“, aber doch für die Erweiterung des Technikmuseums. 2,9 Millionen Euro Konjunkturmittel des Bundes und 600.000 Euro von der Europäischen Union machen es möglich. Zwei Hallen der ehemaligen und reichlich heruntergekommenen Ladestraße werden zur Ausstellungsfläche. „Die öde Wüste verschwindet“, sagte Staatssekretär Schmitz. Ein „Herzteil“ der Stadt werde zurückgewonnen.

Um knapp 2000 Quadratmeter wächst das Museum. Bis Ende 2010 muss das Bundesgeld verbaut sein. Ab Mai 2011 wird sich eine Dauerausstellung in den historischen Backsteinbauten Vergangenheit und Zukunft der Mobilität widmen. 1,1 Millionen Euro zahlt die Museumsstiftung für die Gestaltung. Insgesamt werden auf den neuen Flächen mehr als 30 Oldtimer zu sehen sein, aber auch alternative Antriebstechnologien und Verkehrsleitsysteme des 21. Jahrhunderts.

Für das Museum ist das ein Glücksfall. Bevor der Bund wegen der Wirtschaftskrise ein Konjunkturprogramm beschloss, hatten die Verantwortlichen durchrechnen lassen, was die Sanierung der Hallen kosten würde. „Jede mögliche Variante wäre aber für uns unbezahlbar gewesen“, sagte Vize-Museumschef Joseph Hoppe. Und als die Milliarden aus dem Konjunkturprogramm dann zur Verfügung standen, mussten Hoppe und Böndel nur die fertigen Machbarkeitsstudien aus der Schublade ziehen und aktualisieren. Im September war die Bewilligung da, wenig später begannen die Arbeiten.

Auf der Ostseite der Ladestraße sind die langen Backsteinschuppen hinter Baugerüsten verschwunden. Der Schutt füllt viele Container. Arbeiter hämmerten am Mittwoch an der Fassade. Eine Kreissäge kreischte. Neue Steine wurden passend gemacht für alte Lücken. In der noch vor Monaten völlig verfallenen ehemaligen Lagerverwaltung arbeiten Maurer an den Wänden. Alte Backsteine, rot und gelb. Neue Steine, weiß. Im Giebel klaffte ein Loch. Museumschef Böndel drehte sich, zeigte mit dem Finger, erklärte das, was noch nicht zu sehen ist. Dort soll der gemeinsame Eingang für die Mobilitätsausstellung und das angrenzende Wissenschafts-Center Spectrum entstehen, so Böndel. Im Durchgang zwischen neuem Eingangsgebäude und Ausstellung ist ein Bistro samt Außenterrasse geplant.

Noch stapeln sich Zementsäcke dort, wo vielleicht einmal die Kuchentheke stehen wird. Dafür ist das neue Dach schon fast fertig, auf der Lagerverwaltung und auf den Schuppen. Ein Kran hievte die letzten der großen Gauben in die Lücken. „Was da am Haken hängt, ist so teuer wie ein Kleinwagen“, sagte Klaus Gendner von der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die den Bau betreut. Als sich die Gaube passgenau in die Lücke senkte, schaute Museumschef Böndel zufrieden nach oben. Wieder war ein Stück geschafft – ein vier mal fünf Meter großes und 25.000 Euro teures Stück aus Spezialglas, das die wertvollen Exponate vor direktem Sonnenlicht schützen soll.

Und was ist mit der großen Vision, dem Technoversum, dem Museum der Zukunft? Böndel lächelte. Er hat gelernt zu warten. Vielleicht werden erst einmal die anderen Hallen der östlichen Ladestraße errichtet, vielleicht gibt es anschließend einen Architekturwettbewerb für die ruinöse Westseite. Noch ist Zeit.