Unter den vielen Städten der Welt
hat jeder eine, die ihm gefällt.
Die erste ist voll von alten Palästen,
in die andere locken Dich schöne Museen.
Die dritte erlebst Du bei Nacht nur am besten,
in der vierten musst in die Oper Du gehen.
Doch da gibt's eine Stadt,
die das alles hat.
Kennst Du sie, gibt sie Dir niemals mehr Ruh'.
Denn bei ihr kommt noch was Besond'res dazu:
Nur in Berlin kann so vieles geschehen,
denn - Berlin steckt voll von Ideen.
Ja, Berlin steckt voll von Ideen.
Eduard Grosse, Charlottenburg-Wilmersdorf
Das Gedicht "Berliner Ideen" entstand vor 50 Jahren: Der bald 80-jährige Werbefachmann und Verleger Eduard Grosse schrieb es zum Geburtstag der kürzlich verstorbenen Reporterlegende "Mr. Rias", Jürgen Graf. Mit seinem Geschenk an den überzeugten Berliner Graf, dieser Liebeserklärung an Berlin, wollte Grosse etwas für Berlin tun "in einer Zeit, in der durch die Teilung große Firmen die Stadt verließen". Grosse, dem "Amerikaner aus Berlin", dem es als erstem Deutschen gelang, in die Spitze des weltweiten Werbegeschäfts aufzusteigen, hatte sich immer für die Stadt und ihre Zukunft stark gemacht - für die Stadt "voll von Ideen", von der "Stadt, die alles hat".
Die Stationen seines bewegten Lebens: Als Mitbegründer des anti-nationalsozialistischen "Freiheitsverbandes höherer Schüler Deutschlands" wurde er 1944 zum Tode verurteilt. Sein Vater befreite ihn im Februar 1945 durch Bestechung eines Funktionärs aus dem KZ Schwetig/Oder. Von 1945 bis 1948 arbeitete Grosse für die freie, demokratische Monatszeitschrift für junge Menschen mit dem Titel "Horizont", die sein Vater, der Verleger Eduard Grosse sen., herausgab. Der Horizont-Verlag war der erste Berliner Verlag, der von der amerikanischen Besatzungsmacht eine Lizenz erhalten hatte. Grosse, der in dieser Zeit auch Beiträge für den Rias erarbeitete (der damals noch "Dias" hieß), vermittelte den "Horizont"-Mitautoren Graf an die Rundfunkanstalt.
Grosse studierte in Frankfurt, Oxford und Minnesota und startete seine berufliche Karriere bei einer Werbeagentur in Minneapolis. Anfang der siebziger Jahre wurde er Vorstandsvorsitzender des Werberiesen Foote, Cone & Belding International in Chicago, 1978 zum Präsidenten der Europäischen Vereinigung der Werbeagenturen gewählt. 1983 übernahm Grosse den Verlag des Vaters, 2003 hat er das Familienunternehmen weitergegeben: "Mein Sohn Douglas ist jetzt mein Chef."
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