Zwei tote Kinder und 14 Verletzte - das ganze Ausmaß der Tragödie auf Schwanenwerder wurde erst gestern bekannt. Berlins Feuerwehrchef Albrecht Broemme verkündete am Morgen tief erschüttert die Hiobsbotschaft. Er selbst hatte am Mittwochabend neben dem 15-jährigen Sascha S. aus Frankfurt am Main gekniet und dem Toten die Augen geschlossen. Der Junge aus Hessen war ebenso wie der 14-jährige Maik G. aus Köpenick von umstürzenden Bäumen erschlagen worden. Zusammen mit 118 Mitgliedern von Jugendfeuerwehren aus verschiedenen Bundesländern hatten die beiden Jungen auf der Zehlendorfer Insel gezeltet, als sie von dem Unwetter heimgesucht wurden.
Maik G. aus der Wendenschlossstraße hatte sich auf tolle Ferien mit seinen Feuerwehr-Kameraden in dem am Wasser gelegenen Zeltlager gefreut. «Jetzt ist mein kleiner Feuerwehrmann tot», sagt seine Mutter Bärbel (40) verzweifelt. Sie befand sich am Tag des Unglücks wegen einer Rückenverletzung im Krankenhaus, verließ es aber gestern, um bei Maiks Zwillingsbruder David und ihrem Mann Mario (38) zu sein. «Schon im Sandkasten hat mein Sohn immer mit Feuerwehrautos gespielt», erzählt dieser. In der Freiwilligen Feuerwehr Müggelheim schätzten die Mitglieder Maik als «Nachwuchstalent». Broemme: «Er war wie das andere Todesopfer ein sehr aktives und engagiertes Mitglied.» Ein Nachbar berichtet, dass Maik schon von zu Hause aus stolz in seiner Uniform nach Müggelheim gefahren sei. Im Freundeskreis wird er als sehr zurückhaltend und schüchtern beschrieben. Mit seinem Bruder David, der zur Zeit des Unwetters zu Hause war, spielte er oft Fußball. Nach der Schule wollte Maik seine Leidenschaft - die Feuerwehr - zum Beruf machen. Das Schicksal hatte andere Pläne.
Seine Träume endeten am Mittwoch um 20.29 Uhr auf Schwanenwerder: Während andere Kinder bereits vor dem Sturm geflüchtet waren - so die ersten Erkenntnisse - eilte Maik in sein Zelt zurück, um etwas aus seiner Tasche zu holen. In diesem Moment riss eine Orkanböe einen Baum aus der Erde und schleuderte ihn auf das Zelt. Der Junge war sofort tot. Sascha S. aus Frankfurt hatte sich bereits auf dem Weg in Sicherheit befunden, als er von einem schweren Ast erschlagen wurde. Broemme verbittert: «Zwei Meter weiter, und er hätte überlebt.» Für den gestrigen Tag war eigentlich eine Party geplant, mit der das Ende des Zeltlagers gefeiert werden sollte. Stattdessen standen die Kinder beim Gottesdienst zusammen - auf der Wiese, auf der ihre Freunde starben.

