Knapp 2000 Anhänger der rechtsextremen NPD haben gestern Mittag in Charlottenburg demonstriert. Die Veranstalter sprachen sogar von mehr als 2500 Teilnehmern, die Behörden wollten diese Zahl nicht bestätigen. Am Rande des Aufzugs kam es zu einigen Zusammenstößen mit linken Gegendemonstranten. Die Polizei sprach dennoch von einem ruhigen Verlauf.
Bereits vor Beginn des NPD-Aufzuges hatten etwa 50 Gegendemonstranten gegen 10 Uhr an zwei nahe gelegenen S-Bahnhöfen die Türen mehrerer Waggons blockiert, der Verkehr war dadurch mehr als 45 Minuten unterbrochen. Beamte des Bundesgrenzschutzes beendeten die Protestaktion, zu Festnahmen kam es nicht.
Während des NPD-Aufzuges, der sich gegen 12 Uhr vom Bahnhof Heerstraße Richtung Olympiastadion in Bewegung setzte, versuchten immer wieder kleinere Personengruppen, sich den Neonazis in den Weg zu stellen. An der Bayernallee/Ecke Preußenallee gelang es etwa 50 Linken, an den Polizeiketten vorbei auf die Fahrbahn zu gelangen. Sie wurden schließlich von Einsatzkräften zur Seite geschoben. Der NPD-Aufmarsch wurde immer wieder von lautstarkem Protest begleitet, minutenlang war das Kreischen von Trillerpfeifen zu hören.
Anwohner hatten zudem Plakate aus den Fenstern gehängt, auf denen Parolen wie "Nazis raus" geschrieben standen. Besonders ältere Menschen standen fassungslos auf den Gehwegen. "Diese gefährlichen Wirrköpfe haben uns den Zweiten Weltkrieg beschert. Es gab Millionen Tote. Es ist eine Schande, dass diese braunen Truppen wieder marschieren", machte eine 73-jährige Frau ihrem Unmut Luft. Die Hassparolen der Neonazis, die die Gegendemonstranten als "rote Pest" bezeichneten, beeindruckten sie nicht. "Ich bleibe hier stehen", sagte die alte Dame trotzig. Auch wenn es nur ein kleiner Widerstand ist. Aber irgendwas muss ich doch tun."
mb

