Berthold Neumann hatte sich auf alles vorbereitet. In der linken Hand hielt er die SPD-Fahne. Mit der Rechten schwang er seinen Besen, den er von zu Hause mitgebracht hatte und an dem ein selbst gebautes Schild befestigt war. "Nazis raus" stand darauf. "Mit gutem Grund", sagte der 65-Jährige.

"Ich habe Furcht und Abscheu, wenn die NPD hier demonstriert. Es ist eine Schande, dass sie unser Ansehen so beschmutzen darf." Schließlich seien sieben seiner Familienmitglieder im KZ gewesen, sagte der Mann aus Westend. Und so zogen Neumann und 500 Gleichgesinnte gestern Mittag vom Raußendorffplatz aus über die Preußenallee zum Steubenplatz - um die Straße nach dem NPD-Aufzug symbolisch "vom braunen Gedankengut zu befreien". Bestaunt von so manchem verwunderten Fußgänger, der die freiwillige Kehraus-Truppe vorbeiziehen sah.

Dem Aufruf der Bezirksbürgermeisterin von Charlottenburg-Wilmersdorf, Monika Thiemen (SPD), der Migrantenbeauftragten und des bezirklichen Bündnisses "Demokratie jetzt!" war auch Berliner Prominenz von SPD, CDU, Grünen und PDS gefolgt. Neben den Bundestagsabgeordneten Eckhardt Barthel, Petra Merkel (beide SPD) und Franziska Eichstädt-Bohlig (Grüne) kam auch der PDS-Landes- und Fraktionsvorsitzende Stefan Liebich. "Man darf der NPD nicht allein die Straße überlassen", sagte der grüne Landesvorsitzende Till Heyer-Stuffer und griff energisch selbst zum Besen.

Der Vorsitzende des Innenausschusses, CDU-Mann Peter Trapp, schloss sich an: "Es ist wichtig, in so einer Situation Gesicht zu zeigen und deutlich zu machen, dass wir hier keine Nazis sehen wollen." Nach 20 Minuten war die Straße gefegt. Dann kam der Platzregen. "Sehen wir es doch so", sagte Bürgermeisterin Monika Thiemen, selbst eifrig mit dem Kehrwerkzeug bei der Arbeit, "nachdem wir ausgekehrt haben, hat der Regen den Rest erledigt."

sz