Als gewaltbereiter Demonstrant und Provokateur hat sich Hauptkommissar Klaus Kluge selbst bereits vor dem 1. Mai betätigen müssen - rein dienstlich und mit dem Segen seiner Vorgesetzten. "Es gehört zu unserer Ausbildung bei den Anti-Konflikt-Teams, im Rollenspiel auch mal den Part der Gegenseite zu übernehmen." Gestern jedoch blieb Kluge in seiner eigentlichen Rolle. Erkennbar durch die inzwischen berühmten schwarzen Basecaps und durch leuchtend gelbe Westen, machten sich er und rund 100 weitere Anti-Konflikt-Beamte ans Werk, um eskalierende Situationen zu verhindern.
Seit 1999 gibt es die Basecap-Truppe. Für Klaus Kluge war bei der "Revolutionären 1. Mai-Demonstration" Premiere. Einschlägige Erfahrungen hat er aber in den vergangenen Wochen am Rande von Protestaktionen gegen den Irak-Krieg sammeln können. "Den Rest des Jahres arbeite ich im Lagedienst der Direktion 6. Die Kollegen aus den Anti-Konflikt-Teams kommen aus allen möglichen Bereichen der Polizei, von der Kripo bis zum normalen Streifendienst auf den Abschnitten. Wir haben uns alle freiwillig gemeldet."
Die Motivation ist entsprechend hoch. Ergebnisse und Erfolge sind allerdings schwer messbar. Kluge: "In der Walpurgisnacht waren wir am Boxhagener Platz in Friedrichshain unterwegs. Dort ist es ruhig geblieben, und ich hoffe, wir haben dazu beigetragen." Vor zwei Jahren war es bei brennenden Barrikaden an gleicher Stelle heiß hergegangen.
Im Gespräch sollen die Anti-Konflikt-Teams erhitzte Gemüter kühlen. Dies beginnt schon bei den Vorkontrollen zu Kundgebungen, wenn Teilnehmer von der Polizei auf Waffen und andere gefährliche Mitbringsel durchsucht werden. "Wir versuchen zu erklären, warum etwas geschieht, und treffen dabei oft auf Erstaunen und Akzeptanz. Es ist aber zuweilen mühsam. Und es gibt auch Gruppen, die von vornherein nicht mit uns reden wollen", sagt Kluge.
tz

