Bundespräsident diskutiert mit Schülern

"Herr Rau, warum hat die Politik es nicht geschafft, den Krieg zu verhindern? Warum ist sie so machtlos?" Ängste, aber auch Zorn waren den jungen Leuten in der Zehlendorfer Schadow-Oberschule während einer Debatte mit Bundespräsident Johannes Rau gestern deutlich anzumerken. Der Besuch des Staatsoberhaupts - seit langem geplant, um miteinander über Politik ins Gespräch zu kommen - nahm angesichts des Kriegsbeginns im Irak einen neuen Verlauf. Die Schüler auf dem Podium ließen nicht locker: Wie ist der Angriff völkerrechtlich zu bewerten? Welche Folgen hat der Krieg?

Für Rau war es ein Heimspiel - seine drei Kinder lernen am Schadow-Gymnasium. Vielleicht klangen seine Antworten deshalb so väterlich bedächtig. "Ich weiß, was Krieg ist", sagte er in Erinnerung an seine Kindheit in Wuppertal.

Er erläuterte, dass jeder Krieg eine Niederlage der Politik bedeute. Und dass sich im Krieg viele Interessen mischen, auch wirtschaftliche. Er hoffe aber, dass die Besonnenheit gewinne, und mahnte Ausgewogenheit auch bei Demonstrationen an. "Nicht der Zorn, sondern die Sorge sollte Anlass für Proteste sein", sagt Rau. Ausdrücklich warnte er vor Aktionen gegen Amerikaner und hier lebende Muslime. Die Stille in der Aula war bedrückend.

kla/dpa