Das Rennen zwischen Barack Obama und Mitt Romney ist so eng wie es schon lange kein Präsidentschaftsduell mehr war. Am Dienstag entscheiden die Amerikaner darüber, wer in den nächsten vier Jahren im Weißen Haus die Geschicke der letzten Supermacht regiert. Das Ergebnis steht frühestens am Mittwochmorgen unserer Zeit fest.

Spielregeln

Immer wieder dienstags Gewählt wird in den USA seit Mitte des 19. Jahrhunderts immer am ersten Dienstag im November – es sei denn, dieser Tag fällt auf den 1. November, dann ist der zweite Dienstag Wahltag. Die Gründe dafür sind, dass nicht am Sonntag gewählt werden soll, dass man früher einen Tag Reisezeit bis zum Wahllokal einrechnen musste und dass die Ernte der Bauern schon eingefahren sein sollte.

Alle Stimmen für den Sieger Wer einen Staat gewinnt, bekommt alle Wahlmännerstimmen. Die Zahl der Wahlmänner wird durch die Bevölkerungszahl eines Staates bestimmt. Das kann dazu führen, dass der Kandidat Präsident wird, der gar nicht die Mehrzahl der Stimmen der Amerikaner erlangt hat. Zuletzt passierte dies im Jahr 2000, als George W. Bush mit 50,45 Millionen Stimmen gewann, obwohl Al Gore mit 50,99 Millionen mehr Wähler hatte.

Die Wackelstaaten 270 Wahlmännerstimmen braucht ein Präsident. Entscheidend sind die sogenannten Swing States, jene Staaten, in denen sich noch keine Mehrheit für den einen oder anderen Kandidaten abzeichnet. Dazu gehören Ohio (18), Virginia (13), North Carolina (15), Florida (29), Colorado (9) und Nevada (6). Als wahlentscheidend gilt dabei Ohio: Sollte Obama dort gewinnen, müsste Romney nach Einschätzung von Experten praktisch alle anderen Swing States für sich entscheiden, um ins Weiße Haus einzuziehen. Noch nie in der amerikanischen Geschichte hat ein republikanischer Kandidat die Präsidentschaft gewonnen, der den Staat im Mittleren Westen am Wahltag verlor. Umfragen zufolge hat Barack Obama dort leicht die Nase vorne.

Mehr Latinos als Afroamerikaner Rund 250 Millionen Amerikaner sind wahlberechtigt. Darunter sind 185 Millionen Menschen, die sich als „weiß“ bezeichnen, 32,5 Millionen Latinos, 27,4 Millionen Afroamerikaner und 11,0 Millionen Menschen asiatischer Herkunft.

Probleme bei der Stimmabgabe Wirbelsturm „Sandy“ könnte den Ablauf der US-Wahl stören. Einige Bürger in den betroffenen Gebieten müssen sich darauf einstellen, ihre Stimme in einem Militärlastwagen oder auch in Zelten abzugeben, denn viele Wahllokale sind weiter ohne Strom. Auch das Eintreffen der Briefwahlstimmen könnte sich verzögern, weil die Post einige Tage lang ausgefallen war. Da bei der Abstimmung in weiten Teilen der USA moderne optische Scanner zum Einsatz kommen, könnte es auch hier technische Probleme geben.

Bis fünf Uhr morgens Die Wahllokale an der Westküste schließen um 20 Uhr Ortszeit, das ist 5 Uhr morgens in Deutschland (MEZ).

Ein Unentschieden Bei einem Gleichstand, wenn also beide Kandidaten je 269 Wahlmänner hinter sich vereinen, entscheidet der US-Kongress. Das Repräsentantenhaus wählt den Präsidenten, doch jeder Staat hat dabei nur noch eine Stimme. Da die Einwohnerzahl eines Staates also keine Rolle mehr spielt, könnte dies zur Folge haben, dass die Demokraten verlieren, obwohl sie in Staaten mit viel mehr Einwohnern vorne liegen. Bislang ist dieser Fall jedoch seit 1824 nicht mehr vorgekommen.

Der Amtsantritt Am 20.Januar 2013 findet die Vereidigung im kleinen Kreis statt, einen Tag später wird die große öffentliche Zeremonie gefeiert.

Wahlkampf

Endspurt Obama will seinen Wahlkampf am Dienstag in den frühen Morgenstunden in Wisconsin beenden. Für Sonntag standen Auftritte in Florida, Colorado und Ohio auf dem Programm. Romney plante weitere Auftritte in Iowa, Ohio und Virginia. Auch in Pennsylvania, das lange als sicherer Obama-Staat galt, wollte er für sich werben.

Zwei Milliarden Dollar Wie hoch genau die Ausgaben für den Wahlkampf sein werden, ist noch nicht berechnet. 2008 hatte Obama rund 730 Millionen Dollar (583 Millionen Euro) ausgegeben. John McCain zahlte etwa 333 Millionen für seinen erfolglosen Anlauf auf das Weiße Haus. Das Geld wird durch Spenden aufgebracht. In diesem Jahr liegen Obama und Romney auf Rekordkurs, beide dürften jeweils etwa eine Milliarde Dollar (rund 800 Millionen Euro) ausgeben.

Die Sponsoren Einer der größten Wahlkampfspender für Obama ist der Filmproduzent Jeffrey Katzenberg (DreamWorks), der 2,5 Millionen Dollar spendete. Für Romney spendete der Kasinobesitzer Sheldon Adelson 34,2 Millionen Dollar.

Die TV-Duelle Mit 67 Millionen Fernsehzuschauern schalteten die meisten US-Bürger das erste TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney ein, seit sich 1980 Jimmy Carter und Ronald Reagan duellierten (80 Millionen Zuschauer). Zum Vergleich: Die meistgesehenen Sendungen der US-Fernsehgeschichte sind Football-Endspiele oder die Oscar-Verleihungen mit zum Teil mehr als 110 Millionen Zuschauern.

Umfragen

Kopf-an-Kopf-Rennen In der landesweiten Wählergunst liegen Obama und Romney laut einer Umfrage für ABC News und die „Washington Post“ mit je 48 Prozent Zustimmung gleichauf. Auch bei den Wechselwählern sind jeweils 46 Prozent dem demokratischen Präsidenten und seinem republikanischen Rivalen zugeneigt. Vor dem ersten TV-Duell am 3.Oktober hatte Obama noch mit drei Prozentpunkten vorne gelegen.

Deutsche glauben an Obama 85 Prozent der Deutschen würden nach einer YouGov-Umfrage für „Zeit Online“ Obama wählen. Dass er es wieder schafft, glauben 76 Prozent der Deutschen. Acht Prozent räumen Romney bessere Chancen ein. In einer Forsa-Umfrage sehen 81 Prozent Obama vorn. 92 Prozent der Deutschen würden demnach Obama ihre Stimme geben, vier Prozent würden sich für Romney entscheiden.

Online-Wetten Die meisten Online-Wettbüros geben für einen Obama-Sieg eine Quote von gerade mal 4:5. Vier Dollar Einsatz bringen also nur einen Bonus von einem weiteren Dollar, falls auch der nächste Präsident der Vereinigten Staaten Obama heißt. Romneys Quote liegt bei 4:11, ist also schon lukrativer: Vier Dollar Einsatz bringen im Falle eines Romney-Triumphs einen Gewinn von elf Dollar. Dazu gibt es den Einsatz zurück.

Nebenschauplätze

Die Kongresswahlen Am Tag der Präsidentschaftswahl wird auch der Kongress gewählt. Der Wahlausgang hat entscheidenden Einfluss darauf, wie der nächste Präsident agiert. Im Repräsentantenhaus müssen sich alle 435 Abgeordneten den Wählern stellen, im Senat ein Drittel der 100 Senatoren.

Referenden In 37 Bundesstaaten sind die Wähler aufgerufen, an 172 Referenden teilzunehmen. In vier Staaten finden Abstimmungen zum Thema Homo-Ehe statt (Maine, Minnesota, Maryland und Bundesstaat Washington). In Kalifornien wird über die Abschaffung der Todesstrafe abgestimmt. Der Antrag dürfte scheitern. Zudem sollen die Bürger darüber entscheiden, ob gentechnisch veränderte Lebensmittel gekennzeichnet werden müssen. In Massachusetts wird über die Einführung einer Sterbehilfe abgestimmt. In Colorado, Oregon und dem Bundesstaat Washington entscheiden die Bürger über die Legalisierung von Marihuana.

Präsidenten

Rekord-Präsident Viermal wurde Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten gewählt: 1932, 1936, 1940 und 1944. Er starb noch vor Kriegsende 1945. Im 22. Verfassungszusatz von 1951 wurde die Amtszeit auf acht Jahre beschränkt.

Einer zählt doppelt Barack Obama ist der 44. Präsident der USA. Als einziger Amtsinhaber gewann Grover Cleveland zwei nicht aufeinanderfolgende Wahlen. Er amtierte von 1885 bis 1889 und von 1893 bis 1897. Deshalb wird er in den Geschichtsbücher zweimal gezählt, als 25. und 27. Präsident.

Tod im Weißen Haus Die kürzeste Amtszeit mit 31 Tagen im Weißen Haus hatte 1841 William Henry Harrison. Harrison hielt eine rekordverdächtig lange Rede zur Amtseinführung im winterlichen Washington – ohne Hut und Mantel. An der Lungenentzündung, die er sich dabei zuzog, ist er verstorben.

Ermordet Acht Präsidenten starben im Amt, vier davon durch Mord: Abraham Lincoln (1865), James Garfield (1881), William McKinley (1901) und John F. Kennedy (1963).

Ohne Gegner Der erste Präsident war der Einzige, der ohne Gegenkandidat einstimmig von den Wahlmännern gewählt wurde: George Washington (Amtszeit von 1789 bis 1797). Ein Präsident muss US-Bürger sein, in den USA geboren und mindestens 35 Jahre alt. Zuletzt gab es bei John McCain eine Debatte darüber, ob der in Panama geborene Kandidat ein Amerikaner nach diesem Verständnis sei.

Im Flugzeug vereidigt Wenn der Präsident stirbt, folgt ihm der Vizepräsident im Amt nach. Zuletzt geschah dies 1963, als Lyndon B. Johnson in der Maschine vereidigt wurde, die ihn vom Schauplatz des Mordes an John F. Kennedy aus Dallas nach Washington brachte.

Potus und Flotus Der Secret Service vergibt den Präsidenten Codenamen. Barack Obama beispielsweise heißt „Renegade“, Abtrünniger. Bei Mitarbeitern heißen Amtsinhaber auch „Potus“, President of the United States, und ihre Gattinnen „Flotus“, First Lady of the United States.

Der doppelte Eid Jeder Präsident muss vor einem Richter des Supreme Court vor der Regierungsperiode den Amtseid ablegen – und zwar in exaktem Wortlaut. Deshalb musste Barack Obama es zweimal tun. Verfassungsrichter John G. Roberts jr. hatte im Januar 2009 einen Satz verdreht. Obama sagte den falsch sortierten Satz nach, stockte und sprach dann weiter. Um den Formalitäten zu genügen, wurde die Zeremonie im Weißen Haus wiederholt. Schon 1923, als Warren Harding starb, wollte Vizepräsident Calvin Coolidge den Eid schnell ablegen. Doch er war auf dem Sommersitz seines Vaters in Vermont. Vater Coolidge war Notar und nahm dem Sohn den Eid ab. Später gab es dann eine Wiederholung im Weißen Haus.

Die längste Wahl Im Jahr 2000 stand erst 35 Tage nach der Wahl durch eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs fest, dass der Republikaner George W. Bush und nicht Al Gore Präsident wird. Mit dem Urteil fielen die Wahlmännerstimmen Floridas an Bush. Es hatte Unregelmäßigkeiten beim Zählen gegeben. Gouverneur von Florida war damals der Bruder von George W. Bush, Jeb Bush.

Wahl in Berlin

Berliner wählen mit Allein in der Hauptstadt können rund 7500 männliche und 6300 weibliche US-Bürger für ihren Kandidaten abstimmen. Deutschlandweit sind es laut Zahlen des Statistischen Bundesamtes und der US-Botschaft in Berlin knapp 160.000 US-Bürger, die ihre Stimme bei der Wahl des nächsten US-Präsidenten abgeben dürfen: rund 94.000 Zivilisten, 50.000 US-Soldaten und 15.000 amerikanische Zivilangestellte.

Wahltalk in der Hauptstadt In die Hauptstadtvertretung der Deutschen Telekom in Berlin-Mitte laden Botschaft, ZDF und der „Tagesspiegel“ am frühen Dienstagabend ein. „Wetten, dass..?"-Moderator Markus Lanz macht dort eine Live-Talkshow mit US-Botschafter Philip Murphy. Auch bei der „Amerika wählt Election Party“ der Sender CNN, RTL und n-tv in der Hauptstadtrepräsentanz des Medienunternehmens Bertelsmann in Mitte tritt Murphy als Interviewgast auf. Seine dritte Station wird die Wahlparty der ARD sein, bei der er im E-Werk in Mitte an einer Live-Talkshow mit Sandra Maischberger teilnimmt.

Party der Demokraten Die Auslandsvertretung der Demokraten, die Democrats Abroad, fiebern den Resultaten im Babylon-Kino in Berlin-Mitte entgegen. Die Veranstaltung ist öffentlich.