US-Präsident Barack Obama und sein republikanischer Herausforderer Mitt Romney absolvierten am Wochenende einen regelrechten Kundgebungsmarathon und attackierten mit scharfen Worten den Kontrahenten. Kurz vor der Wahl am Dienstag konzentrierten sich die beiden Rivalen auf die sogenannten Swing States, jene Bundesstaaten, in denen der Ausgang auf Messers Schneide steht.

Obama startete in Ohio und hatte Auftritte in Wisconsin, Iowa und Virginia. Vor 20.000 Anhängern in Milwaukee (Wisconsin) griff er das Motto seines Wahlkampfes 2008 auf – „change“ (Wandel). Romney verstehe unter „change“, die Fakten zu verdrehen, wenn sie nicht zu seinem Wahlkampf passten, sagte Obama. Er hingegen halte seine Versprechen.

Romney präsentiert sich als Mann des Ausgleichs

Romney sei ein talentierter Geschäftsmann und versucht, „die gleichen alten Ideen, die nicht funktionieren, neu zu verpacken und diese dann als den Wandel darzustellen“, sagte der Präsident. In Bristow in Virginia trat Ex-Präsident Bill Clinton an der Seite von Obama auf und sagte: „Ich habe meine Stimme in den Dienst meines Präsidenten gestellt.“ Der populäre Clinton ist bisher der einzige Präsident der Demokratischen Partei nach dem Zweiten Weltkrieg, der wiedergewählt wurde. Im Wahlkampf absolvierte er 27 Auftritte für Obama.

Romney hatte seinerseits Auftritte in New Hampshire, Iowa und Colorado. Dabei präsentierte er sich als ein Mann des Ausgleichs, der die Nation einen wolle. „Ich werde nicht nur eine Partei repräsentieren, ich werde eine Nation repräsentieren“, sagte Romney am Flughafen von Portsmouth. Obama werde dagegen im Fall seiner Wiederwahl nicht bereit sein, mit den Republikanern im US-Kongress zusammenzuarbeiten.

Umfragen sehen Obama in Ohio vor Romney

Der Republikaner warf Obama vor, seine politischen Gegner zu „dämonisieren“. Obama hatte seine Anhänger aufgerufen, wählen zu gehen, da Wählen „die beste Rache“ sei. In einem neuen Wahlwerbespot nahm sich Romneys Team diese Äußerung vor: „Ich rufe das amerikanische Volk stattdessen auf, aus Liebe zum Land zu wählen“, sagt Romney in dem Spot. In Colorado Springs sagte der Herausforderer, der Dienstag sei der Moment, in die Zukunft zu schauen und sich vorzustellen, „wie wir die vergangenen vier Jahre hinter uns lassen können“.

Ohio im Mittleren Westen gilt als wahlentscheidend: Sollte Obama dort gewinnen, müsste Romney nach Einschätzung von Experten praktisch alle anderen Swing States für sich entscheiden, um noch ins Weiße Haus einziehen zu können. Die Umfragen sehen Obama in Ohio durchweg vor Romney, im Schnitt nach Angaben der Wahlwebsite Realclearpolitics mit einem Abstand von fast drei Prozentpunkten.

Umkämpfte Bundesstaaten werden Zünglein an der Waage

Zu den weiteren Swing States zählen neben Iowa, New Hampshire, Wisconsin, Virginia und Colorado auch Nevada und Florida. Dass ihnen wahlentscheidende Bedeutung zukommt, liegt an den Besonderheiten des US-Wahlrechts. Alle Bundesstaaten stellen ein bestimmtes Kontingent in dem 538 Mitglieder umfassenden „electoral college“, das letztlich den Präsidenten wählt. Für den Sieg ist eine Mehrheit von 270 Wahlmännern erforderlich.

Der Nachrichtensender CNN sieht basierend auf Umfragen derzeit 237 Wahlmännerstimmen in der Hand von Obama. Romney kann demnach nur auf 206 Stimmen setzen. Den Ausschlag dürften am Ende daher die besonders umkämpften Bundesstaaten geben, die bei den vergangenen Wahlen mal demokratisch, mal republikanisch votierten.

AFP/nbo