Niedersachsen

Wie Bettina Wulff in ihrem Buch gegen die Gerüchte kämpft

Die CDU in Niedersachsen soll Verleumdungen über die Frau des Ex-Bundespräsidenten gestreut haben. Bettina Wulff wehrt sich.

Die „Bild”-Zeitung hat am Montag Textstellen aus Bettina Wulffs Autobiografie veröffentlicht, die noch in dieser Woche erscheinen soll.

In dem Kapitel „Die Gerüchte” schildert sie demnach auf acht Seiten ihren Kampf gegen die Rotlicht-Verleumdungen.

Unter anderem schreibe sie: „Mein Sohn Leander ist nicht mehr so klein und selbstverständlich geht er auch ins Internet, googelt und wenn er dann meinen Namen eingibt und als Erstes solche Begriffe liest... dann finde ich das einfach so etwas von entsetzlich und beschämend. Für dieses Gefühl fehlen mir die Worte.“

An anderer Stelle schreibe sie: „Man kann gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte.“ Es folge die Erklärung: „Ich habe nie als Escort-Lady gearbeitet.“

SPD fordert rasche Aufklärung

Die SPD hat von Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) Aufklärung über den Ursprung der Gerüchte über Bettina Wulff gefordert. Ministerpräsident David McAllister müsse die Vorwürfe schnell aufklären, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann.

Es besteht der Verdacht, dass 2006 Gerüchte über eine Rotlicht-Vergangenheit der Ehefrau Christian Wulffs, der damals als Ministerpräsident das Land regierte, gezielt aus der CDU in Hannover gestreut worden waren.

2011 geriet Wulff als Bundespräsident dann wegen des Verdachts der Vorteilsnahme in seiner Zeit als Landesregierungschef in die Kritik – und die Gerüchte über die Vergangenheit seiner Frau tauchten wieder in der Öffentlichkeit auf.

Unterlassungserklärungen gegen Blogger

Bettina Wulff geht jetzt mit Unterlassungserklärungen unter anderem gegen zahlreiche Blogger, die das Gerücht verbreitet hatten, und gegen den Fernsehmoderator Günther Jauch sowie den Internetkonzern Google, über dessen Suchmaschine die entsprechenden gerüchte gefunden werden konnten.

Der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl, sagte zu den Unterlassungsklagen: „Wir stehen vor einem hochbrisanten Musterprozess gegen hochgradige Verleumdung und schwerste Verletzung durch das Medium Internet und der Frage, ob das alles ungesühnt hingenommen werden muss.“ Uhl plädierte dafür, diese Fragen juristisch „durchzuexerzieren“. Günther Jauch ließ über seinen Anwalt bereits mitteilen, die Gerüchte nicht mehr weiterzuverbreiten.

Google weigert sich

Der Internetkonzern Google dagegen weist den Unterlassungsanspruch Bettina Wulffs zurück. „Die bei der Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegeln die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider“, sagte Kay Overbeck, Sprecher von Google Nordeuropa. Die angezeigten Begriffe seien „das algorithmisch erzeugte Resultat mehrerer objektiver Faktoren, inklusive der Popularität der eingegebenen Suchbegriffe“.

Oberbeck betonte: „Google schlägt diese Begriffe nicht selbst vor – sämtliche in Autovervollständigung angezeigten Begriffe wurden zuvor von Google-Nutzern eingegeben.“ Es habe in Deutschland bereits fünf Klagen nach dem gleichen Muster gegeben, die alle abgewiesen worden seien, eine auch in zweiter Instanz. Die Autovervollständigungsfunktion von Google zeigt bei der Suche nach Wulff zum Beispiel „Prostituierte“ und „Escort-Service“ an.

Der Leiter und Gründer der Forschungsstelle für Medienrecht an der Fachhochschule Köln, Rolf Schwartmann, nannte die Klage Bettina Wulffs „insofern klug, als die Rechtsprechung nun zu einer Aussage angehalten oder vielleicht sogar gezwungen wird“.

Autobiografie „Jenseits des Protokolls” erscheint diese Woche

Mehr als 30 Unterlassungserklärungen hat Bettina Wulff nach Angaben ihres Anwalts schon erwirkt. In dieser Woche erscheint ihr autobiografisches, 223 Seiten starkes Buch „Jenseits des Protokolls“, in dem sie alle Gerüchte über ihre angebliche Zugehörigkeit zum Rotlicht-Milieu als absurd, unerhört und unerträglich zurückweisen will. Die „Bild“-Zeitung zitiert sie vorab aus dem Kapitel „Die Gerüchte“ mit den Worten: „Ich habe nie als Escort-Lady gearbeitet.“ Eine „Medienschelte“ oder eine Art Abrechnung solle das Buch jedoch nicht werden, sagte Bettina Wulff der „Neuen Presse“: „Das führt ja auch zu nichts.“

Das Erscheinen des Buches hat Wulff vorgezogen, danach will sie in ihren alten Beruf als PR-Frau zurückkehren. Das soll das Ende der Rufmordkampagne sein.