Rotlicht-Gerüchte

Klage gegen Jauch und Google – Bettina Wulff wehrt sich

Lange hat Bettina Wulff die Gerüchte um sie ertragen. Nun kämpft sie dagegen. Und veröffentlicht auch noch ein Buch.

Sie haben darüber debattiert. Sie haben versucht, den ganzen Schmutz wegzudrücken aus ihren Köpfen, ihn wenigstens halbwegs zu ignorieren. Abgehakt haben Bettina und Christian Wulff die Geschichten nie.

Wie soll das auch gehen, wenn man selbst, wenn die eigene Frau derart rücksichtslos und, wie man jetzt sieht, derart grundlos diffamiert wird. Im Internet, schwarz auf weiß, verziert mit zum Teil entwürdigenden Fotomontagen aus Deutschlands Halbwelt. Es gab kaum einen Platz in dieser Republik, an dem man über Monate, Jahre hinweg nicht angetuschelt wurde, sobald der Name Bettina Wulff fiel.

Bettina Wulff hat nicht. Sie ist offenbar das Opfer einer üblen Rufmordkampagne geworden, wie sie das Land noch nicht erlebt hat. Die PR-Fachfrau und Ex-First-Lady war nicht Angestellte eines „Escort-Service“. Sie hat auch sonst nicht in einem Rotlicht-Etablissement gearbeitet. Sie wird das in ihrem voraussichtlich noch in dieser Woche erscheinenden Buch – voraussichtlicher Titel: „Jenseits des Protokolls“ – schriftlich und für jeden lesbar festhalten. Nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ hat sie der Justiz auch eine entsprechende Eidesstattliche Erklärung übergeben.

30 Unterlassungserklärungen

Bettina Wulff hat sich entschlossen, gegen die dumpfen Gerüchte anzugehen, die sich in den vergangenen Jahren ausgebreitet haben wie ein fieses, nicht mehr zu stoppendes Krebsgeschwür. Belege für derlei ehrabschneidende Behauptungen hatte dagegen niemand vorzulegen. Mehr als 30 Unterlassungserklärungen, das hat der Anwalt von Bettina und Christian Wulff, Gernot Lehr, am Freitagabend der deutschen Presseagentur bestätigt, liegen seiner Mandantin inzwischen vor. Sie alle seien von den betroffenen Journalisten und Freizeitbloggern ohne Zögern und „ohne auch nur zu versuchen, die falschen Darstellungen zu rechtfertigen“, abgegeben worden, berichtet Lehr. Außerdem sei in einigen Fällen bereits Schmerzensgeld durchgesetzt worden. Als Ausgleich für die erlittene Rufschädigung.

Günther Jauch allerdings, Deutschlands prominentester Journalist, der die Rotlichtgerüchte auf dem Höhepunkt der Präsidentenaffäre in seiner Sonntags-Talkshow unter Bezugnahme auf einen Zeitungsartikel aufgegriffen hatte, wollte eine solche Unterlassungserklärung offenbar zunächst nicht unterschreiben. Er hatte den stellvertretenden Chefredakteur der „Bild“-Zeitung, Nikolaus Blome, in seiner Sendung ziemlich unverblümt gefragt, ob es denn wohl stimme, dass das Blatt eine Geschichte über das Vorleben der damaligen First Lady in der Schublade habe. Blome hatte diese These brüsk ins Reich der Fantasie verwiesen. „Das ist kompletter Quatsch.“ Im Internet schossen die Klickzahlen für Bettina-Wulff-Storys dennoch einmal mehr in die Höhe.

Auch deshalb, so hieß es am Freitag, habe Bettina Wulff gegen Jauch wegen der öffentlichen Thematisierung ihres angeblichen Vorlebens Klage bei der Pressekammer des Hamburger Landgerichts eingereicht. Jauch habe die Gerüchte mit seiner Sendung geadelt. Erst nach diesem spektakulären Schritt lenkte Jauch ein Stück weit ein. Sein Anwalt Christian Schertz teilte am Sonnabend mit, dass man Bettina Wulffs Anspruch auf Unterlassung anerkennen werde – allerdings „ohne ein Fehlverhalten damit einzuräumen“. Jauch selbst erklärte schriftlich, dass er „niemals über Frau Wulff eine falsche Tatsachenbehauptung aufgestellt, sondern lediglich aus einem Artikel der ,Berliner Zeitung' zitiert“ habe. „Wer daraus eine Herabsetzung von Frau Wulff konstruiert, liegt daneben.“

Gerichtliche Auseinandersetzung mit Google

Zumindest war die Frage aus der damaligen Zeit heraus ausgesprochen naheliegend. Es ging schließlich um einen ziemlich dicken Bolzen, den Wulff mit seinem Anruf bei „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann geschossen hatte. Bei Google ging es dagegen eher um Nichts. Um „Prostituierte“, „Escort“ oder „Artemis“, Begriffe, die das allgegenwärtige Internet-Suchprogramm jedem ungefragt anbietet, der den Namen „Bettina Wulff“ eintippt. Klickt man die entsprechenden Google-Zeilen an, wird man auf so sympathische Internet-Seiten wie „gehirnfuerze.blogspot“, „derhonigmannsagt“ oder auch „Rentner-News“ verwiesen. Bei „Rentner-News“ zum Beispiel fanden sich an diesem Sonnabend auf der Homepage unter den fünf seit Gründung der Webside meistgelesenen Artikeln vier Bettina-Wulff-Geschichten mit zum Teil mehr als anzüglichen Überschriften. Unter der im Impressum von „Rentner-News“ genannten Mobiltelefonnummer meldet sich nur eine Computerstimme, die darauf verweist, dass der Teilnehmer derzeit leider, leider nicht erreichbar sei.

Auch gegen Googles Multiplikatoren-Funktion, gegen das Verknüpfen mit Ruf schädigenden Vokabeln und Netzseiten klagt Bettina Wulff seit Freitag beim Hamburger Landgericht. Sie stößt damit bei dem Internet-Giganten, anders als bei Jauch, auf Granit. Google nehme nun einmal keinen Einfluss auf die Suchbegriffe, beteuerte Unternehmenssprecher Kay Oberbeck am Sonnabend. Die bei der üblichen Google-Autovervollständigung sichtbaren Suchbegriffe spiegelten aus seiner Sicht „die tatsächlichen Suchbegriffe aller Nutzer wider.“

Allerdings: Google hat nach eigenen Angaben in Deutschland bereits fünf ähnliche Verfahren geführt – und habe am Ende alle gewonnen. Fachjuristen räumen Bettina Wulff deshalb zumindest in dieser Sache nicht allzu große Chancen ein. Es ist ja auch nicht nur das Internet schuld an diesem Rufmord. Spätestens seit der Nominierung Christian Wulffs für das Amt des Bundespräsidenten Anfang Juni 2010 hat das Getuschel sich über die virtuellen Sphären des Internets und die Gerüchteküche um Hannovers Landtag ausgebreitet. Journalisten begannen zu recherchieren – sie fanden allesamt nichts. Das Gerücht blieb dennoch.

Bettina Wulff, so sieht sie es, hat diesen Rufmord lange Zeit verdrängt. Die beiden haben sich nach einigem Hin- und Herüberlegen dagegen entschieden, wohl auch, weil jeder Schritt in dieser Sache ein Riesen-Medienspektakel gegeben hätte. Jetzt, wo diese Bedenken gegenstandslos geworden sind, fühlt sich Bettina Wulff frei genug.

Offensive zum rechten Zeitpunkt

Nicht nur für Auseinandersetzungen vor Gericht. Noch in diesem Monat wird die 38-Jährige deshalb ein Buch über ihre Zeit als First Lady veröffentlichen, indem sie, davon darf man nach diesem Vorlauf ausgehen, auch die Rotlicht-Gerüchte um ihre Person offensiv thematisieren wird. Was diese fiese Stille-Internet-Post bedeutet hat für sie, für ihren Mann, auch für ihre Kinder. Der älteste Sohn, Leander (9), ist ja schon in der Lage das Internet und die Suchmaschine Google zu bedienen. Dass man dagegen angehen will als Eltern, kann man sich vorstellen. Auch dazu soll Bettina Wulffs Buch beitragen. Dessen zügiger Verbreitung wird die an diesem Wochenende gestartete juristische Offensive jedenfalls nicht gerade schaden. Zumal auch gleich ein paar neue Gerüchte in die Welt gesetzt werden. So hat die „Süddeutschen Zeitung“ nach eigener Einschätzung bereits Wulff-kritische „CDU-Kreise in Hannover“ als Quelle für die Gerüchte ausgemacht. Es ist aber, auch das muss man berücksichtigen, Wahlkampf in Niedersachsen.

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