Neuwahl

NRW-CDU rügt Seehofers "neunmalkluge Ratschläge"

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Robin Alexander

Dass der bayerische Ministerpräsident den CDU-Spitzenkandidaten Norbert Röttgen angegriffen hat, stößt dessen Parteifreunden übel auf. Seehofer solle sich nicht einmischen.

Die CDU verbittet sich die Einmischung von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CDU) in den nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf: "Norbert Röttgen kämpft mit vollem Einsatz um die Pole Position. Da brauchen wir keine neunmalklugen Ratschläge aus dem Süden" sagte der Bundestagsabgeordnete Jens Spahn (CDU) Morgenpost Online.

Spahn fügte hinzu: "Wir mischen uns auch nicht in bayerische Wahlkämpfe ein, auch wenn es manchmal viel zu sagen gäbe." Spahn vertritt im Bundestag den münsterländischen Wahlkreis Steinfuhrt/ Borken im Bundestag und steht dem Landesvorsitzenden Norbert Röttgen politisch nahe.

Zuvor hatte der CSU-Vorsitzende Seehofer Röttgen öffentlich aufgefordert, auch im Falle einer Wahlniederlage als Oppositionsführer nach Düsseldorf zu wechseln. "Wenn ich mich einer Aufgabe verschreibe, dann ohne Rückfahrkarte", hatte Seehofer gesagt. Er selbst habe in seiner politischen Karriere ebenfalls Sicherheiten aufgeben müssen, das gehöre nach seinem Verständnis dazu. "Ich bin der Meinung – voll für NRW", hatte Seehofer gesagt.

Der nordrhein-westfälische Landtag hatte sich am Mittwoch überraschend aufgelöst. Neuwahlen sind für den 13. Mai geplant.

Streit über Röttgens Unentschlossenheit im Landesverband

Dass sich Röttgen noch nicht über seine Zukunft im Fall einer Niederlage festgelegt hat, soll aber auch in seinem Landesverband zu Missstimmung geführt haben. Laut Teilnehmerangaben eskalierteder Streit darüber bereits am Mittwoch in einer Sitzung des Landesvorstandes der NRW-CDU.

Im Jahr 2010 noch hatte sich Röttgen in der Mitgliederbefragung gegen seinen Gegenkandidaten, den Landespolitiker Armin Laschet, durchgesetzt, indem er versprach: "Wenn meine Partei das möchte, nach einem entsprechenden Wahlausgang, mich mit der Führung der Opposition zu betrauen, dann werde ich selbstverständlich diese Aufgabe annehmen."

An der Basis war das weitgehend als Versprechen aufgefasst worden, im Falle eines Wahlkampfes ganz auf Düsseldorf zu setzten.

"Ein Kandidat muss bereit sein, in Düsseldorf zu bleiben"

Außerhalb von NRW äußern auch CDU-Politiker ihre Bedenken: "Eine Chance, in Nordrhein-Westfalen zu gewinnen, hat nur ein Kandidat, der sich ganz und gar der Sache verschreibt", sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der CDU-Bundestagsfraktion, Joachim Pfeiffer. Röttgen müsse nicht sofort als Minister zurücktreten.

"Aber es bedeutet, dass ein Kandidat bereit sein muss, auch nach der Wahl in Düsseldorf zu bleiben." Der Kernkraft-Anhänger Pfeiffer gilt allerdings als geschworener innerparteilicher Gegner von Umweltminister Röttgen.

Interessant ist die Einlassung von Julia Klöckner. Sie hatte vor einem Jahr den Posten einer parlamentarischen Staatssekretärin und ein Abgeordnetenmandat im Bundestag für die Spitzenkandidatur in Rheinland-Pfalz aufgegeben. Heute ist sie dort Oppositionsführerin. Zu Röttgen erklärte Klöckner nur: "Röttgen ist klug genug, selbst zu wissen, wie er vorgehen muss".

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