Bundeswehr

Jeder vierte Soldat bricht Dienst wieder ab

Viele Freiwillige bleiben nicht lange bei der Bundeswehr. Verteidigungsminister de Maizière sieht die Abbrecherquote gelassen

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Nach der Aussetzung der Wehrpflicht tut sich die Bundeswehr schwer mit der Rekrutierung von Nachwuchs. Ein Viertel der Freiwilligen, die zum 1. Juli ihren Dienst in der Bundeswehr angetreten haben, ist inzwischen nicht mehr bei der Truppe.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière sieht das gelassen. Die Zahlen seien besser als erwartet, sagte der CDU-Politiker am Mittwoch bei einem Truppenbesuch im nordafghanischen Masar-i-Scharif. Der Bundeswehrverband rief die Regierung dagegen zum Handeln auf.

Die Wehrpflicht war zum 1. Juli ausgesetzt worden. Die Bundeswehr wurde damit zur Freiwilligenarmee. Von den 3459 Freiwilligen, die im Juli angetreten waren, haben 27,7 Prozent den Wehrdienst bereits wieder abgebrochen. In den ersten sechs Monaten dürfen Rekruten ohne Angaben von Gründen ihren Dienst quittieren.

Bei seinem Blitzbesuch in Afghanistan mahnte de Maizière, die Zahlen nicht überzubewerten. Die Quote bewege sich im Rahmen dessen, was in der Wirtschaft üblich sei. „Früher haben wir Lehrstellen gesucht, heute suchen wir Lehrlinge“, sagte der CDU-Politiker. Das gelte auch für die Streitkräfte.

Insgesamt laufe die Anwerbung von Nachwuchs bei der Bundeswehr sehr gut, sagte de Maizière. Seit Aussetzung der Wehrpflicht im Sommer habe die Bundeswehr mehr als 8800 Freiwillige gewonnen, rechnete er vor. Im Januar würden die nächsten 2800 Freiwilligen kommen. Diese Zahlen seien „besser als erwartet“. Doch dies sei „keine Gewähr, dass das auf Dauer gut bleibt. Wir haben jetzt noch geburtenstarke Jahrgänge. Wir haben Doppeljahrgänge, die die Schule verlassen. Wir können uns darauf nicht ausruhen.“

Viele tauschen Wehrdienst gegen Studienplatz

Der „Berliner Zeitung“ sagte der Minister, Hintergrund für den Abschied vom freiwilligen Wehrdienst sei in vielen Fällen ein anderes Stellenangebot. Viele Abiturienten hätten nach dem Eintritt in die Bundeswehr doch noch einen Studienplatz bekommen. Andere Abbrecher hätten private Gründe für ihren Rückzug angegeben. „Nur wenige sagten, dass der Ton in der Truppe sie abgeschreckt habe oder dass sie sich über- oder unterfordert fühlten“, sagte er dem Blatt. Ein Fünftel der Abbrecher habe die Bundeswehr selbst nach Hause geschickt, weil sie den körperlichen Anforderungen nicht entsprochen hätten.

Der Bundeswehrverband sieht die Zahlen weniger gelassen. Seit der Aussetzung der Wehrpflicht stehe die Bundeswehr im Wettbewerb mit vielen anderen guten Arbeitgebern, sagte der Vorsitzende Ulrich Kirsch im Deutschlandradio Kultur. Er rief die Regierung auf, die Arbeit bei der Bundeswehr attraktiver zu gestalten. Es gehe vor allem darum, mehr für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu tun und die Soldaten angemessen zu bezahlen.

Die Umwandlung der Bundeswehr in eine Freiwilligenarmee ist Teil einer umfassenden Reform, die auch Standorte und Strukturen umfasst. Nach den Vorstellungen de Maizières sollen der Bundeswehr künftig 5000 bis 15.000 freiwillig Wehrdienstleistende angehören. Die Zahl der Berufs- und Zeitsoldaten soll bei etwa 170.000 liegen. Die Soll-Stärke der Bundeswehr vor der laufenden Reform lag bei 250.000 Soldaten, davon mehr als 50.000 Wehrpflichtige.