Die USA haben angesichts der wütenden Proteste in arabischen Ländern Standhaftigkeit beschworen. „Wir werden standhalten angesichts der Gewalt gegen unsere diplomatischen Missionen“, sagte US-Präsident Barack Obama bei einer Trauerfeier für die beim Angriff auf das US-Konsulat in Bengasi getöteten Diplomaten. Im Zuge der Proteste war am Freitag auch die deutsche Botschaft im Sudan angegriffen worden.

Bei einer Demonstration gegen einen islamfeindlichen Film aus den USA hatten Angreifer am Dienstag das US-Konsulat im libyschen Bengasi attackiert. Sie töteten den US-Botschafter, drei weitere Diplomaten sowie libysche Sicherheitskräfte. Bei der Trauerfeier auf dem Luftwaffenstützpunkt Andrews sagte Obama: „Ihr Opfer wird niemals vergessen werden, wir werden diejenigen, die sie uns genommen haben, zur Rechenschaft ziehen.“

„Demonstrationen könnten außer Kontrolle geraten”

Die Regierung werde weiterhin „alles in ihrer Macht“ tun, um US-Bürger im Ausland zu schützen, versicherte der Präsident. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte dem Magazin „Foreign Policy”: „Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass diese Demonstrationen außer Kontrolle geraten.“

Schon jetzt jagen das US-Militär und Geheimdienste in Libyen die Hintermänner des Angriffs in Bengasi. Auch in den Jemen, wo Demonstranten am Donnerstag die US-Botschaft gestürmt hatte, sandten die USA Marineinfanteristen. Laut „Foreign Policy“ erwägen die USA zudem, 50 Marines zum Schutz der Botschaft im Sudan zu entsenden.

UN-Sicherheitsrat verurteilt Gewalt

Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen verurteilte die Gewalt gegen diplomatische Einrichtungen in der arabischen Welt scharf. Die Angriffe seien „nicht zu rechtfertigen“, kritisierten die 15 Mitglieder des höchsten UN-Gremiums in einer am Freitagabend beschlossenen Erklärung. Sie zeigten sich „zutiefst beunruhigt“ über die Lage. Das Gremium erinnerte die Gastgeber-Länder der diplomatischen Vertretungen an ihre Pflicht, die ausländischen Einrichtungen zu schützen. Die EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton verurteilte „jene, die Religion nutzen, um Extremismus anzustacheln“.

Die wütenden Proteste in der islamischen Welt richten sich mittlerweile auch gegen Deutschland. Tausende Demonstranten steckten am Freitag die deutsche Botschaft in Sudans Hauptstadt Khartum in Brand. Botschaftsmitarbeiter kamen aber nicht zu Schaden. Das Auswärtige Amt riet deutschen Staatsbürgern, das Gebiet um die Botschaft in Khartum bis auf weiteres zu meiden. Das Ministerium mahnte auch grundsätzlich zur Vorsicht bei Reisen in muslimische Länder.

Westerwelle verurteilt islamfeindliches Schmäh-Video

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) äußerte angesichts der Übergriffe „große Sorge“ „Ich verurteile die Angriffe auf die deutsche Botschaft in Khartum sowie auf mehrere amerikanische Botschaften in aller Schärfe“, erklärte Merkel am Freitagabend. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) verurteilte das Video erneut in aller Schärfe. Das „Schmähvideo“ sei eine „Beleidigung von vielen Millionen Menschen, aber auch dieses törichte und schreckliche Video rechtfertigt keine Gewalt“, sagte er am Freitag in den ARD-Tagesthemen.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, sieht in den Tumulten gezielte Versuche von radikalen Islamisten, Demokratisierungsprozesse zu torpedieren. „Extreme Gruppen instrumentalisieren das Video, um zu provozieren, Hass zu sähen und die jungen Demokratien zu destabilisieren“, sagte Mazyek ebenfalls dem Magazin.

Bei den gewaltsamen Protesten in vielen muslimischen Ländern kamen am Freitag insgesamt mindestens sechs Menschen ums Leben. In Khartum gab es zwei Tote, auch in Tunis wurden zwei Menschen getötet. Im Libanon wurde ein Demonstrant erschossen, ebenso in Kairo, wo die Proteste am Dienstag begonnen hatten.

afp/bee