Innocence of Muslims

Deutsche Botschaften verschärfen Schutzmaßnahmen

Die Bundesregierung ist besorgt, dass es weitere Ausschreitungen von wütenden Moslems geben könnte. Auch die USA alarmierten ihre Vertretungen.

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Das Auswärtige Amt hat wegen der gewaltsamen Proteste gegen einen Schmäh-Film über den Propheten Mohammed die Sicherheitsvorkehrungen an den deutschen Botschaften und Konsulaten in islamischen Ländern verschärft. Das teilte ein Sprecher von Außenminister Guido Westerwelle am Freitag in Berlin mit. Dabei handelt es sich um „einige ausgewählte Vertretungen“, sagte er. Zu möglichen Botschaftsschließungen wollte sich der Sprecher nicht konkret äußern. Es gehe grundsätzlich darum, „in der jetzigen Situation einen Beitrag zur Mäßigung zu leisten“. Bisher gelte die Anweisung nur für Freitag, wo es im Nahen Osten wegen der Freitagsgebete häufig zu Ausschreitungen kommt. Auch andere deutsche Einrichtungen wie die Büros von Stiftungen und Entwicklungshilfeorganisationen seien aufgefordert worden, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.

Westerwelle warnte erneut davor, den Schmäh-Film als Rechtfertigung für Gewalt zu nutzen. „Ich appelliere an die gesamte arabische Welt, jetzt auch zurückzukehren zu friedlichen Protesten und die Kritik an diesem unsäglichen Video auf friedlichem Wege zum Ausdruck zu bringen“, sagte er der ARD. Der FDP-Politiker nannte den Film verabscheuungswürdig. Die Regierungen im Nahen Osten forderte der Minister auf, die Botschaften und Konsulate der westlichen Staaten, vor allem aber der USA, zu schützen. „Wir teilen die Empörung über dieses schreckliche Pamphlet im Internet“, sagte Westerwelle. „Aber wir sind der Überzeugung, dass auch dieses furchtbare Video, das wirklich geschmacklos ist, dass dieses nicht als Vorwand dienen darf für Gewalt oder – wie wir es gerade gesehen haben – für die Ermordung von Menschen“.

US-Regierung beobachtet Entwicklung

Aufgrund des umstrittenen islamfeindlichen Films „Innocence of Muslims” (”Die Unschuld der Muslime”) fürchten die USA weitere Gewalt in der arabischen Welt nach dem Freitagsgebet. „Wir beobachten die Entwicklungen sehr genau, die zu weiteren Protesten führen könnten“, sagte ein Sprecher des Weißen Hauses in Washington. Zuvor waren bei Protesten im Jemen vier Menschen getötet worden.

Der Film „Innocence of Muslims“ („Die Unschuld der Muslime“), der den Propheten Mohammed verunglimpft, führt seit Tagen zu Ausschreitungen gegen diplomatische Einrichtungen der USA. Die Regierung in Washington rechne damit, dass sich die Proteste fortsetzten, sagte der Sprecher von US-Präsident Barack Obama. Der Freitag sei „traditionell ein Tag von Protesten in der muslimischen Welt“. Die mächtige Muslimbruderschaft in Ägypten rief zu landesweiten Protesten nach dem Abendgebet am Freitag auf. Auch in Jordanien forderten salafistische Prediger die Gläubigen auf, vor die US-Botschaft zu ziehen.

Außenministerin Clinton distanziert sich von Filmemacher

US-Außenministerin Hillary Clinton hob hervor, die Macher des Films hätten keinerlei Verbindungen zum Staat: „Lassen Sie mich sehr deutlich sagen – und ich hoffe, das ist klar -, dass die Regierung der Vereinigten Staaten absolut nichts mit diesem Video zu tun hat.” Der Film sei „geschmacklos und verwerflich“. Auch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte den „Hassfilm“ erneut. Die Macher des Videos strebten offenbar an, „ein Blutbad zu provozieren“.

Die Proteste hatten am Dienstag in der ägyptischen Hauptstadt Kairo begonnen, wo Islamisten die US-Botschaft stürmten. In der libyschen Küstenstadt Bengasi wurden am selben Tag bei einem Angriff auf das US-Konsulat der US-Botschafter Chris Stevens und drei Mitarbeiter getötet, auch libysche Sicherheitskräfte starben. Im Jemen wurden am Donnerstag vier Menschen bei Protesten gegen den Film vor der US-Botschaft getötet. In Kairo wurden bei neuen Ausschreitungen am Donnerstag mehr als 200 Menschen verletzt. Weitere Proteste gab es unter anderem im Iran und Irak, in Israel, dem Gazastreifen, Jordanien, Sudan und Tunesien.

Erneut gewalttätige Proteste in Kairo

Die Krawalle vor der US-Botschaft in Kairo dauerten am Freitag trotz der mahnenden Worte von Präsident Mohammed Mursi weiter an. Demonstranten warfen Steine auf Polizisten, die sie mit Tränengas daran hinderten, bis zum Botschaftsgebäude vorzudringen. Mursi hatte am Donnerstag erklärt, es sei zwar legitim, gegen den Mohammend-Schmähfilm zu protestieren. Dabei dürfe man jedoch keine Gewalt anwenden. Nach Angaben der Polizei wurden bei den Krawallen seit Dienstagabend 40 Demonstranten festgenommen. Die Muslimbruderschaft, in der Mursi seine politische Heimat hat, wollte am Freitagnachmittag vor den Moscheen friedlich gegen den Film protestieren.

Jemenitischer Präsident entschuldigt sich für Ausschreitungen

Der jemenitische Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi entschuldigte sich bei Obama für die Angriffe des „Mobs“ und ordnete eine Untersuchung an. Der am Mittwoch gewählte libysche Regierungschef Abu Schagur sagte zum Tod der US-Bürger in seinem Land, es habe Festnahmen gegeben und weitere würden folgen. Angaben zur Zahl der Festnahmen und zum politischen Hintergrund wollte er nicht machen, „bis wir alle Fakten kennen“. Ein Sprecher des Innenministeriums sagte, die Ermittlungen seien „sehr kompliziert“, weil in der Menge vor dem US-Konsulat sowohl Extremisten als auch gewöhnliche Bürger gewesen seien.

Filmemacher steht unter Polizeischutz

Der mutmaßliche Macher des islamfeindlichen Films steht in den USA derweil unter Polizeischutz. „Wir haben eine Bitte erhalten und wir antworten darauf. Wir sind die Garanten der öffentlichen Sicherheit“, sagte der Sprecher des Sheriffs von Los Angeles. Er machte weder Angaben dazu, wer die Behörden um Hilfe gebeten habe, noch zur genauen Art des Polizeischutzes.Das Haus von Nakoula Basseley Nakoula im Ort Cerritos südlich von Los Angeles stand am Donnerstag unter Bewachung der Polizei. Der 55-Jährige leitet nach eigenen Angaben die Produktionsfirma des Films. Er bestritt, der Autor des Films zu sein, der unter dem Pseudonym „Sam Bacile“ auftritt. Allerdings führte eine Handynummer, unter der „Sam Bacile“ US-Medien ein Interview gab, zu ihm.