Innocence of Muslims

Neue gewalttätige Proteste nach Freitagsgebeten

In mehreren Ländern haben erneut Tausende gegen einen islamfeindlichen Film protestiert. Im Jemen eskalierte die Situation erneut.

Foto: AFP

Nach den Freitagsgebeten haben in mehreren muslimischen Ländern erneut Tausende Menschen gegen einen in den USA produzierten islamfeindlichen Film protestiert. In der jemenitischen Hauptstadt Sanaa eskalierte die Situation erneut, als Hunderte Demonstranten zur US-Botschaft marschieren wollten. Sicherheitskräfte gaben Warnschüsse ab und setzten Wasserwerfer ein, wie ein AFP-Korrespondent berichtete.

Die Demonstranten in Sanaa versammelten sich etwa 500 Meter von der Botschaft entfernt. Sie forderten die Ausweisung des US-Gesandten und verbrannten die US-Flagge. Am Donnerstag waren vier Menschen bei Protesten vor der US-Botschaft in der jemenitischen Hauptstadt getötet worden.

In Bangladeschs Hauptstadt Dhaka versammelten sich vor der größten Moschee des Landes, der Baitul-Mokarram-Moschee, etwa 10.000 Demonstranten. Sie verbrannten israelische und US-Flaggen und riefen Parolen wie „Wir werden keine Beleidigungen unseres Propheten hinnehmen“ oder „Zerschmettert die schwarzen Hände der Juden“.

„Exemplarische Bestrafung der Filmemacher” gefordert

Hunderte Polizisten und Elite-Sicherheitskräfte hielten die Demonstranten mit Wasserwerfern davon ab, zur mehrere Kilometer entfernten US-Botschaft vorzudringen. Die Proteste seien „friedlich“ geblieben, sagte Polizeichef Golam Sarwar. Der oberste Geistliche der Baitul-Mokarram-Moschee, Maolana Mohammad Salahuddin, hatte den US-Film „Unschuld der Muslime“ über den Propheten Mohammed in seiner Ansprache an die Gläubigen verurteilt und eine „exemplarische Bestrafung der Filmemacher“ gefordert. Zugleich rief er die Gläubigen auf, von Gewalt gegen Menschen oder Dinge abzusehen.

In der indonesischen Hauptstadt Jakarta versammelten sich am Freitag fast 500 muslimische Fundamentalisten mit ihren Angehörigen zu einer Demonstration vor der US-Botschaft. Ein Sprecher der für ein Kalifat kämpfenden Organisation Hizb ut-Tahrir, die die Proteste organisiert hatte, nannte den Film „eine Kriegserklärung“. Die indonesische Polizei stationierte nach eigenen Angaben bis zu 400 Beamte rund um die US-Botschaft.

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo gab es am Vormittag immer wieder Zusammenstöße zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten vor der US-Botschaft. Die mächtige Muslimbruderschaft, der früher auch der jetzige Staatschef Mohammed Mursi angehörte, rief zu weiteren Protesten nach den Freitagsgebeten auf. In Jordanien kündigten sowohl die fundamentalistischen Salafisten als auch die Muslimbrüder Demonstrationen an.

Deutsche Botschaften verschärfen Sicherheitsmaßnahmen

Das Auswärtige Amt hat wegen der gewaltsamen Proteste gegen einen Schmäh-Film über den Propheten Mohammed die Sicherheitsvorkehrungen an den deutschen Botschaften und Konsulaten in islamischen Ländern verschärft. Das teilte ein Sprecher von Außenminister Guido Westerwelle am Freitag in Berlin mit. Dabei handelt es sich um „einige ausgewählte Vertretungen“, sagte er. Zu möglichen Botschaftsschließungen wollte sich der Sprecher nicht konkret äußern. Es gehe grundsätzlich darum, „in der jetzigen Situation einen Beitrag zur Mäßigung zu leisten“. Bisher gelte die Anweisung nur für Freitag, wo es im Nahen Osten wegen der Freitagsgebete häufig zu Ausschreitungen kommt. Auch andere deutsche Einrichtungen wie die Büros von Stiftungen und Entwicklungshilfeorganisationen seien aufgefordert worden, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.

Auch die US-Botschaften verstärkten ihre Sicherheitsvorkehrungen.