Syrien

Assads Panzer rücken in Aleppo gnadenlos ein

| Lesedauer: 4 Minuten

Helikopter beschießen in Aleppo Rebellen-Stellungen. Die Opposition fordert vom Ausland Waffen, Westerwelle klagt Kriegsverbrechen an.

Die syrische Regierung hat im Kampf gegen die Aufständischen in der Hauptstadt Damaskus den Sieg für sich reklamiert. In weniger als einer Woche seien die Rebellen geschlagen worden, sagte Außenminister Walid Mualem am Sonntag bei einem Besuch im Iran. Das gleiche werde den Aufständischen auch in der Wirtschaftsmetropole Aleppo widerfahren.

Dort versuchten Regierungstruppen mit einem massiven Einsatz von Kampfhubschraubern und Artillerie die Rebellen zu vertreiben. Der oppositionelle Nationalrat verlangte ein militärisches Eingreifen des Auslands. Zugleich forderte er schwere Waffen.

Die Schlacht der Aufständischen in Damaskus sei gescheitert, verkündete Mualem in Teheran. „Daher zogen sie nach Aleppo weiter, und ich versichere Ihnen, auch dort werden ihre Anschläge scheitern.“ Syrien sei in der Lage, jeden Quadratzentimeter seines Bodens gegen die Verschwörung bewaffneter Terrorgruppen, die israelischen Interessen dienten, zu verteidigen, sagte Mualem.

In der Hauptstadt war es Regierungstruppen gelungen, eine Offensive von Rebellenkämpfern nach einem tödlichen Bombenanschlag auf die Militärführung des Landes zurückzuschlagen.

Panzer rücken in Aleppo vor

In Aleppo berichteten Aufständische am Sonntag in den von ihnen gehaltenen Stadtvierteln von schweren Kämpfen. Kampfhubschrauber eröffneten das Feuer auf mutmaßliche Stellungen von Rebellen. Oppositionsanhänger berichteten, Panzer rückten in Richtung auf den von Assad-Gegnern gehaltenen südwestlichen Bezirk Salaheddine vor.

Das Staatsfernsehen berichtete, Soldaten hätten dort Terroristen zurückgeschlagen und mehrere ihrer Anführer gefangengenommen. Im Westen der 2,5 Millionen Einwohner zählenden Stadt wurde Oppositionsangaben zufolge ebenfalls gekämpft. Gefechte gebe es auch in Innenstadtbezirken. In den vergangenen Tagen hatte die Armee ein massives Aufgebot um Aleppo zusammengezogen.

Die Schlacht um das wirtschaftliche Zentrum des Landes gilt als bislang wichtigste Machtprobe für die Regierung, die große militärische Ressourcen in die Kämpfe um die beiden Metropolen, Aleppo im Norden und Damaskus, gesteckt hat. Eine Niederlage des Regimes in Aleppo würde eine entscheidende Phase für Syrien einläuten, sagte der Chef der in Großbritannien angesiedelten oppositionellen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, Rami Abdulrahman.

Saudis wollen Rebellen unterstützen

Der oppositionelle Nationalrat drängte seine Unterstützer zum Handeln – auch ohne Zustimmung des UN-Sicherheitsrat, in dem Russland und China ein härteres Vorgehen gegen die Regierung verhindern, sagte der Chef des Rates, Abdelbasset Sida. Insbesondere forderte er schwere Waffen für die Kämpfer. „Die Rebellen kämpfen nur mit einfachen Waffen ... wir wollen Waffen, mit denen wir Panzer und Flugzeuge stoppen können.“ Ein Sprecher des saudi-arabischen Außenministeriums erklärte, die Syrer sollten in die Lage versetzt werden, sich selbst zu verteidigen.

Der Chef der Arabischen Liga Nabil Elarabi erklärte, die Lage in Syrien, insbesondere in Aleppo, komme Kriegsverbrechen gleich. Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Bundesaußenminister Guido Westerwelle warf Staatschef Baschar al-Assad in der Zeitung „Bild am Sonntag“ „verbrecherische Akte„ in Aleppo vor. Der internationale Sondervermittler Kofi Annan sagte, die Situation in Aleppo unterstreiche die Notwendigkeit für ein geschlossenes Handeln der Weltmächte. Die internationale Gemeinschaft müsse beide Seiten überzeugen, dass nur eine politische Lösung Frieden bringen könne. Papst Benedikt appellierte an die Nachbarstaaten Syriens, den Menschen zu helfen, die vor der Gewalt in ihrem Land flüchteten.

Frankreichs Präsident Francois Hollande sicherte zu, sich erneut um die Zustimmung Russlands und Chinas im UN-Sicherheitsrat zu härteren Maßnahmen zu bemühen. Auch sie müssten sehen, dass „es Chaos und Bürgerkrieg gibt, wenn Assad nicht bald gestoppt wird“. Nach Ansicht Russlands wiederum würde eine stärkere Unterstützung der syrischen Opposition durch das Ausland nur zu noch mehr Blutvergießen führen.

( Reuters/mim )

Neueste Politik Videos

Neueste Politik Videos