Syrische Regierungstruppen haben am Samstag eine Offensive gegen Teile der nördlichen Handelsmetropole Aleppo gestartet, die von Rebellen beherrscht werden. Die seit Tagen am Rand der nordsyrischen Stadt zusammengezogenen Truppen bewegten sich zum Viertel Salaheddin, berichteten Aktivisten. Dort hätten sich die meisten Rebellen verschanzt. Mindestens drei Aufständische wurden getötet, teilten die Syrischen Menschenrechtsbeobachter in London mit.
In mehreren Vierteln herrschten die heftigsten Kämpfe seit Beginn des Aufstands, hieß es. Die Aufständischen schlugen nach eigenen Angaben einen Vorstoß der Regierungstruppen zurück. „Unsere mutigen Rebellen haben mindestens fünf Panzer zerstört, was die angreifenden Streitkräfte zum Rückzug zwang“, sagte der Aufständischen-Kommandeur Abu Omar al-Halebi.
Auch die oppositionelle Generalkommission der Syrischen Revolution berichtete von einer Verstärkung der Truppen am Rande der Stadt inmitten heftigen Maschinengewehrfeuers. Die Offensive erfolgt mehr als eine Woche nach Ausbruch der Kämpfe in Aleppo. Zuvor war es der Armee nach blutigen Gefechten gelungen, die Kontrolle über die Hauptstadt Damaskus zurückzugewinnen.
Die Schlacht um Aleppo als möglicher Wendepunkt
Der Kampf um das wirtschaftliche Zentrum des Landes gilt als möglicher Wendepunkt des seit 16 Monaten andauernden Konflikts. Weder die Truppen von Präsident Baschar al-Assad noch seine Gegner haben militärisch die Oberhand gewinnen können. Die USA befürchten, dass Assads Truppen in der Stadt ein Massaker anrichten könnten. Tausende Menschen sind in die Nachbarländer geflohen.
Angesichts der Verstärkung der Truppen in Aleppo äußerten mehrere Staaten ihre Sorge um die Sicherheit der Zivilbevölkerung. Der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdogan forderte arabische Länder und den Sicherheitsrat als Reaktion auf die Kämpfe um Aleppo zur Zusammenarbeit auf. Erdogan zeigte sich zudem besorgt über die Drohung Syriens, chemische Waffen einzusetzen. Bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Erdogan sagte der britische Premierminister David Cameron, beide Länder fürchteten „wirklich entsetzliche Handlungen“ der Regierungstruppen in und um die Metropole.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an die Regierung von Präsident Assad, die Angriffe auf die Stadt einzustellen. „Ich bin über die zunehmende Gewalt in Aleppo sehr besorgt“, sagte Ban nach einem Treffen mit dem britischen Außenminister William Hague in London. Die Regierungstruppen müssten ihre Offensive stoppen.
dpa/AFP/Reuters/ap



