Syrien

Kriegsreporterin stirbt im Granatenhagel

In der syrischen Oppositionshochburg Homs sind eine amerikanische Kriegsreporterin und ein französischer Fotograf ums Leben gekommen. Sie wurden von einer Granate getroffen.

Foto: dapd / dapd/DAPD

In der seit Wochen heftig umkämpften syrischen Oppositionshochburg Homs sind zwei westliche Journalisten gestorben. Die US-amerikanische Kriegsreporterin und der französische Fotograf wurden nach Angaben von Aktivisten der Opposition von einer Granate getroffen, die die syrische Armee abgefeuert hatte. Die beiden hatten im Stadtteil Baba Amro ein Medienzentrum der Regime-Gegner besucht. Zwei weitere Journalisten, ein Brite und eine Französin, seien verletzt worden, hieß es.

Bei den Getöteten handelt es sich um die US-Amerikanerin Marie Colvin (55), die für die britische „Sunday Times“ tätig war, und den für die Agentur IP3 Press arbeitenden französischen Fotoreporter Rémi Ochlik (28). Die französische Tageszeitung „Le Figaro“ bestätigte, dass ihre Reporterin Edith Bouvier unter den Verletzten ist. Ein Journalist aus Großbritannien soll ebenfalls verwundet worden sein. „Das ist absolut erschütternd“, kommentierte der französische Kulturminister Frédéric Mitterrand die Berichte aus Homs.

Der britische Premierminister David Cameron würdigte bei einer Rede im Parlament Colvins Einsatz. Ihr Tod mache erneut die Risiken deutlich, die Journalisten auf sich nähmen, um über die furchtbaren Ereignisse in Syrien zu berichten, sagte er. Oppositionsführer Ed Miliband sagte, die journalistische Gemeinde habe „eines ihrer feinsten und furchtlosesten Mitglieder“ verloren.

Oppositionelle hatten einige Journalisten vor zwei Tagen nach Baba Amro eingeschleust, um ihnen die Berichterstattung aus der Hochburg der Protestbewegung zu ermöglichen. Das Regime von Baschar al-Assad hat seit Beginn der Massenproteste vor fast einem Jahr eine Medienblockade verhängt. Ausgewählte ausländische Journalisten dürfen nur mit Aufpassern des Informationsministeriums durch das Land reisen.

Bereits im Januar war in Syrien der französische Journalist Gilles Jacquier ums Leben gekommen. Er wurde bei einem Mörserangriff in Homs getötet, als er in Begleitung staatlicher Aufpasser ein Viertel von Anhängern Assads besuchte. Die syrischen Behörden machten damals „bewaffnete Terroristen“ für den Angriff verantwortlich. Die Oppositionsbewegung versicherte, dass der Journalist nicht bei einem Angriff von Deserteuren aus der syrischen Armee ums Leben gekommen sei. Die französische Justiz ermittelt wegen vorsätzlicher Tötung.

Homs steht seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss der syrischen Armee. Die humanitäre Lage hat sich dramatisch verschlechtert, wie Aktivisten aus der Stadt berichten. Desertierte Soldaten würden versuchen, die Versorgung der im besonders betroffenen Stadtteil Baba Amr lebenden Menschen sicherzustellen, sagte der Aktivist Omar Schaker. Dies sei aber sehr schwierig. „Die Soldaten des Regimes schießen auf alles, was sich bewegt.“ In Baba Amro befinden sich nach Angaben eines anderen Aktivisten noch 90.000 Menschen.

Das Rote Kreuz bekräftigte noch einmal seine Forderung nach einer Waffenruhe. „Die gegenwärtige Situation macht eine sofortige Entscheidung nötig, die Kämpfe aus humanitären Gründen auszusetzen“, sagte der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz, Jakob Kellenberger, in Genf. In Homs und anderen Gebieten Syriens „sitzen ganze Familien seit Tagen in ihren Häusern fest, ohne nach draußen zu können, um Brot, andere Nahrung oder Wasser besorgen oder medizinische Hilfe bekommen zu können“.

Russland warnte unterdessen davor, die Opposition in Syrien mit Waffen auszurüsten. „Das führt nur zu einer Aufheizung der Lage“, sagte Vizeaußenminister Gennadi Gatilow in Moskau. Russland lehne weiter jede Form von Gewalt ab, sagte er mit Blick auf die Konferenz der Freunde Syriens an diesem Freitag in Tunesien. Ein Beschluss über eine militärische Einmischung des Westens in Syrien sei dort aber nicht zu erwarten. Zugleich kritisierte Gatilow, dass zu dem Treffen keine Vertreter der syrischen Regierung eingeladen seien.

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