Gewalt in Syrien

Zwei westliche Journalisten in Homs getötet

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Foto: dpa / dpa/DPA

Die syrischen Truppen haben offenbar den Beschuss der Protesthochburg Homs weiter verstärkt und dabei zwei ausländische Journalisten getötet – einen französischen Fotografen und eine US-Journalistin.

In der syrischen Protesthochburg Homs sind ein französischer Fotograf und eine US-Journalistin getötet worden. Die beiden Reporter wurden am Mittwoch nach Angaben von Oppositionsaktivisten von einer Granate getroffen, die durch die syrische Armee abgefeuert wurde. Seit Beginn der Proteste gegen Staatschef Baschar al-Assad vor knapp einem Jahr sind Menschenrechtlern zufolge bereits mehr als 7600 Menschen getötet worden.

Die französische Regierung teilte mit, bei den getöteten Journalisten handele es sich um den französischen Fotografen Remi Ochlik und die amerikanische Kriegsreporterin Marie Colvin, die für die Londoner „Sunday Times“ arbeitete.

Die Namen wurden von der Pariser Außenamtssprecherin Valerie Pecresse mitgeteilt. Staatspräsident Nicholas Sarkozy erklärte: „Das reicht, das Regime muss weg.“ Außenminister Alain Juppé sagte, die Angriffe seien ein Beleg für eine „zunehmend nicht hinnehmbare Repression“ der syrischen Sicherheitskräfte. Von der „Sunday Times“ und Ochliks Fotoagentur gab es zunächst keine Stellungnahme zu dem Vorfall.

Schaker sagte, die Journalisten seien getötet worden, als mehrere Raketen in den Garten eines Hauses im Stadtteil Baba Amr einschlugen, in dem sich Aktivisten und Journalisten aufhielten. Seit Wochen liegt der Stadtteil unter schwerem Beschuss der Regierungstruppen. Aktivisten zufolge wurden am Mittwoch dabei 13 Menschen getötet.

Die USA erklärten angesichts der andauernden Gewalt in Syrien, „zusätzliche Maßnahmen“ würden nicht ausgeschlossen. Bisher hat Washington etwa Waffenlieferungen an die syrischen Oppositionskräfte ausgeschlossen. „Wir schließen zusätzliche Maßnahmen nicht aus, falls die internationale Gemeinschaft zu lange warten sollte und nicht die Maßnahmen ergreift, die ergriffen werden müssten“, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Garner.

In Tunesien findet am Freitag ein Treffen des „Freundeskreises des syrischen Volkes“ teil, an dem neben anderen Bundesaußenminister Guido Westerwelle und US-Außenministerin Hillary Clinton teilnehmen. Es wird erwartet, dass dieser von Westerwelle mit initiierte Freundeskreis das weitere internationale Vorgehen angesichts der Veto-Blockade durch China und Russland im Weltsicherheitsrat diskutiert.

Das in London ansässige Observatorium für Menschenrechte berichtet, in der nordwestlichen Provinz Idlib hätten syrische Kampfhubschrauber ein Dorf mit Maschinengewehren beschossen. Idlib ist Hauptbasis der Rebellen der Freien Syrischen Armee.

Homs steht seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss

Den Oppositionsaktivisten in Homs zufolge starben die Journalisten, als eine Granate in einem von der Protestbewegung eingerichteten Pressezentrum im Stadtteil Baba Amr einschlug. Drei oder vier weitere ausländische Journalisten seien dabei verletzt worden, hieß es. Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy reagierte empört auf den Tod der beiden Journalisten: „Jetzt reicht es, das Regime muss gehen.“ In Paris wurde die syrische Botschafterin einbestellt.

Mitte Januar war in Homs der französische Fernsehjournalist Gilles Jacquier getötet worden, als eine Granate nahe einer Gruppe von Journalisten einschlug. Er war der erste westliche Journalist, der seit Beginn der Gewalt in Syrien Mitte März 2011 getötet wurde.

Homs steht seit Anfang Februar unter Dauerbeschuss der syrischen Armee. Am Mittwoch wurden dort nach Angaben der in London ansässigen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte allein am Vormittag mindestens 13 Zivilisten getötet. Bereits am Dienstagabend war der syrische Bürgerjournalist Rami al-Sajed von einer Granate getroffen und tödlich verletzt worden, wie ein Freund des 26-Jährigen sagte.

Die humanitäre Lage hat sich in Homs dramatisch verschlechtert, wie Aktivisten aus der Stadt berichten. Desertierte Soldaten würden versuchen, die Versorgung der im besonders betroffenen Stadtteil Baba Amr lebenden Menschen sicherzustellen, sagte der Aktivist Omar Schaker. Dies sei aber sehr schwierig. „Die Soldaten des Regimes schießen auf alles, was sich bewegt“ In Baba Amr befinden sich nach Angaben eines anderen Aktivisten noch 90.000 Menschen.

7636 Tote in Syrien

Russland stellte sich am Mittwoch hinter einen Aufruf des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), in Homs und anderen umkämpften Gegenden eine tägliche zweistündige Kampfpause zur Versorgung der Bevölkerung einzuhalten. Die Bemühungen des IKRK würden „aktiv unterstützt“, sagte ein Sprecher des russischen Außenministeriums.

Zugleich wies Russland einen Vorschlag Frankreichs zur Einrichtung humanitärer Korridore zur Versorgung der Bevölkerung zurück. Dies wäre „kaum effektiv“, sagte Vize-Außenminister Gennadi Gatilow. Zudem könne die Einrichtung solcher Hilfskorridore zu „schweren militärischen Zusammenstößen“ führen und die Lage verschlimmern.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab die Zahl der seit Beginn der Proteste in Syrien getöteten Menschen mit 7636 an. Die meisten der Opfer – 5500 – waren demnach Zivilisten. Zudem seien fast 1700 Soldaten und Sicherheitskräfte sowie fast 400 Deserteure getötet worden.

( dapd/AFP/nbo )

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