Präsident im Wahlkampf

Medwedjew droht Nato mit Stationierung von Raketen

Russland Präsident Medwedjew hat den USA mit Raketen an der Grenze zu Nato-Ländern gedroht. Vermutlich will er mit diesem überraschenden Vorstoß bei den Wählern punkten.

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Mitten im russischen Wahlkampf hat der Kremlchef und Spitzenkandidat Dmitri Medwedjew den USA mit der Stationierung von Raketen nahe der Grenze zur Nato gedroht.

Sollten die USA wie geplant ein Raketenabwehrsystem in Europa aufbauen, werde Russland moderne Offensivwaffen aufstellen, die den Schutzschild durchbrechen und zerstören könnten.

Das kündigte Medwedjew nach Angaben der Agentur Interfax am Mittwoch an, rund eineinhalb Wochen vor der Parlamentswahl.

Präsident rüstet bei Königsberg auf

Zudem drohte der Präsident damit, aus dem Vertrag mit den USA über atomaren Abrüstung auszusteigen. Das international begrüßte Start-Abkommen war erst im Februar 2011 in Kraft getreten.

Auf seinen Befehl sei bereits ein radargestütztes Warnsystem in der Ostsee-Exklave Königsberg (Kaliningrad) rund um das ehemalige Königsberg in Betrieb genommen worden, sagte Medwedew.

Er ordnete zudem an, die Atomwaffenanlagen des Landes stärker zu schützen. Zuvor hatte Moskau unter anderem mit der Stationierung von Raketen in Königsberg an der Grenze zur Europäischen Union gedroht.

Markige Worte für Abstimmung im Dezember

Mit seinen markigen Worten will der oft als schwach kritisierte Medwedjew nach Einschätzung von Beobachtern vor der Abstimmung am 4. Dezember Punkte sammeln.

Der Kremlchef ist Spitzenkandidat der Regierungspartei Geeintes Russland und will im kommenden Jahr Ministerpräsident werden. Auch 20 Jahre nach dem Ende des Kalten Krieges sehen viele Russen noch immer in den USA ihren größten Feind.

Russland verlangt seit langem, in das geplante Raketenabwehrsystem in Europa eingebunden zu werden. Ein Alleingang der USA und ihrer europäischen Partner bedrohe die Sicherheit des Landes, wiederholt Moskau stets.