Nach der Rücktrittsankündigung von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi sind die Zinsen auf Staatsanleihen des Landes im frühen asiatischen Handel leicht gefallen. Nach ihrem historischen Hoch von 6,77 Prozent gaben zehnjährige Schuldverschreibungen auf 6,65 Prozent nach. Die Börse in Hongkong gewann nach einer Erholung an der Wall Street als Folge der Ankündigung Berlusconis insgesamt um bis zu 2,05 Prozent hinzu. Tokio verbuchte zum Mittag ein Plus von 0,94 Prozent. Auch der Ölpreis stieg an.

Anleger schöpften Hoffnung, dass das schuldengeplagte Land nun dringend benötigte Reformen vorantreibt und so eine Ausweitung der europäischen Schuldenkrise verhindert wird. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index tendierte 0,9 Prozent im Plus bei 8735 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index legte um 1,2 Prozent zu auf 747 Zähler.

Im Fokus der Investoren stand zudem einmal mehr der von einem Betrugsskandal erschütterte Kamerahersteller Olympus. Die Papiere stürzten um 20 Prozent ab. Das Unternehmen hatte am Dienstag eingeräumt, über Jahrzehnte hinweg Verluste aus Wertpapier-Geschäften verheimlich zu haben.

Um fast sieben Prozent verteuerten sich dagegen die Aktien von Nomura. Das größte japanische Handelshaus wies Medienberichte zurück, in denen spekuliert wurde, es sei in die Vorgänge bei Olympus verwickelt.

Nach dem angekündigten Rücktritt von Italiens Regierungschef Silvio Berlusconi schaut das politische Italien auf Staatspräsident Giorgio Napolitano. Dieser muss jetzt das weitere Vorgehen sondieren. „Erst das Stabilitätsgesetz, dann Neuwahlen“, titelt das Blatt „La Padania“ des bisherigen Koalitionspartners Lega Nord am Mittwoch. Berlusconi hatte am Vorabend seine Bereitschaft zum Rücktritt erklärt, will aber zuerst ein Reformgesetz für mehr Wirtschaftswachstum durchsetzen, das er der EU zugesagt hat. Napolitano hatte den Premier, der zuletzt auch wieder mit Sex-Skandalen Schlagzeilen gemacht hatte, zu einem Krisengespräch getroffen, da Berlusconi im Parlament seine Mehrheit verloren hatte.

Berlusconi räumte nach dem Treffen ein, dass seine Mitte-Rechts-Koalition nach dreieinhalb Jahren am Ende ist: „Die Regierung hat nicht mehr die Mehrheit, die wir zu haben glaubten“, sagte der gescheiterte Regierungschef am Abend dem italienischen Fernsehen. „Wir müssen also diese Situation realistisch zur Kenntnis nehmen und uns um die Lage Italiens kümmern und um das, was auf den Finanzmärkten geschieht“, fügte er an.

Von der Opposition fordert er, dass sie den dringenden Reformmaßnahmen zustimmt, die er im Parlament einbringt. Als Antwort erhielt Berlusconi bereits positive Signale aus der Opposition.

Auslöser des Berlusconi-Rückzugs war ein kritisches Votum im römischen Parlament am Dienstag: Zwar passierte dort sein Rechenschaftsbericht 2010, doch stimmten nur 308 der 630 Abgeordneten dafür. Die absolute Mehrheit wären 316 Stimmen gewesen.

„La Padania“ stellte sich gegen eine Übergangsregierung, wie sie von großen Teilen der linken Opposition angestrebt wird, und hält fest: Napolitano entscheidet darüber. Was den Rücktritt Berlusconis angeht, da vertraue er dem Staatschef, so drückte der Vizechef der größten Oppositionspartei PD, Enrico Letta, weiter anhaltendes Misstrauen den Ankündigungen Berlusconis gegenüber aus. Die Opposition will in jedem Fall, dass Berlusconi seinen Schritt jetzt rasch „formalisiert“.

Italien ist hoch verschuldet, steht im Visier der Finanzmärkte und muss immer mehr Zinsen für frisches Geld bezahlen. Die Europäische Union und der Internationale Währungsfonds IWF überwachen inzwischen die Sanierungsschritte Italiens. Italien weist nach Griechenland den höchsten Schuldenstand der Eurozone gemessen an der Wirtschaftsleistung auf.

Nach einer Abstimmung über die Maßnahmen im Stabilitätsgesetz werde es Konsultationen mit den Parteien geben, hieß es am Abend in Rom. Dabei wolle der Staatspräsident den Vorschlägen und Positionen der politischen Kräfte in Italien „höchste Aufmerksamkeit“ widmen. Nach den Fahrplänen des Parlaments dürfte zunächst der Senat vom

15. bis 18. November das Stabilitätsgesetz mit den Reformzusätzen der Regierung behandeln. Dann geht der Entwurf in das Abgeordnetenhaus.

AFP/dpa/nbo