Der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi will nach seinem Rücktritt bei möglichen Neuwahlen nicht wieder antreten. „Da keine anderen Mehrheiten (im Parlament) möglich sind, sehe ich nur Neuwahlen Anfang Februar, bei denen ich nicht mehr kandidieren werde“, zitiert die Turiner Tageszeitung „La Stampa“ am Mittwoch den Ministerpräsidenten.

Zugleich kündigte Berlusconi an, dass der von ihm ausgewählte Nachfolger Angelino Alfano bei den nächsten Wahlen für seine Partei kandidieren werde. Berlusconi versprach am Dienstagabend, dass er zurücktreten werde, sobald das Parlament die von der Europäischen Union verlangten wirtschaftlichen Reformen beschlossen habe. Es wird einige Wochen dauern, bis die Reformen beide Häuser des Parlaments passiert haben werden. Sobald Berlusconi geht, muss Staatspräsident Giorgio Napolitano Gespräche zur Bildung einer neuen Regierung aufnehmen.

Der deutsche Aktienmarkt reagierte positiv auf die Ankündigungen Berlusconis und startete mit Gewinnen in den Handel. Der Dax zog im frühen Handel um 1,05 Prozent auf 6023 Punkte an. Für den MDax ging es um 1,00 Prozent auf 9155 Punkte aufwärts und auch der TecDax gewann 0,77 Prozent auf 707 Punkte.

„Zwar wird diese personelle Veränderung an der Regierungsspitze Italiens nichts an dem riesigen Schuldenberg des Landes ändern“, kommentierte Roger Peeters, Vorstand von Close Brothers Seydler Research. Allerdings sei dies ein Signal, das eine „Atmosphäre der Veränderung“ verbreite. Das helfe den Märkten.

Trotz Berlusconis Rücktrittsankündigung ist dagegen der Euro am Mittwoch wieder unter die 1,38-Dollar-Marke gefallen. Mit 1,3790 Dollar lag er unter seinem Vortagesschluss von 1,3834 Dollar. Selbst wenn Berlusconi gehe, bleibe die Unsicherheit in Italien groß, sagte Yuuki Sakurai, Chef von Fukoku Asset Management. „Das Austauschen von Politikern garantiert noch nicht, dass sich die finanzielle Situation in Italien verbessert.“

Dass die Anleger weiter verunsichert sind, zeigte sich auch am Rentenmarkt. Die Renditen italienischer Anleihen lagen in der Spitze bei 6,907 Prozent (Vortag: 6,757 Prozent). Deutsche Papiere notierten bei 1,834 Prozent.

dpa/dapd/rtr/bee