Der Streit über den Umgang mit dem Protestlager gegen die Macht der Banken vor der Londoner St. Paul's Cathedral hat ein drittes Opfer gekostet: Nach dem Domherrn Giles Fraser und einem weiteren Geistlichen legte jetzt auch der Dekan der Kathedrale, Graeme Knowles, sein Amt nieder.
„Ich glaube, dass ich nicht mehr der Richtige bin, um das Kapitel dieser großartigen Kathedrale zu leiten“, erklärte Knowles. Die vergangenen zwei Wochen seien für das Domkapitel und ihn persönlich eine schwere Prüfung gewesen, und es sei immer deutlicher geworden, dass er in seinem Amt „unhaltbar“ geworden sei. Knowles war zuvor für seinen Plan heftig kritisiert worden, das Protestlager vor der Kathedrale zu beenden. Bis ein Nachfolger gefunden wird, übernimmt der Bischof von London, Richard Chartres, die Leitung des Domkapitels.
Seit Mitte Oktober campieren die Demonstranten mit mehr als 200 Zelten vor dem Gotteshaus nahe der Londoner Börse. Wegen des Lagers wurde die berühmte Kathedrale am 21. Oktober erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg für eine Woche geschlossen, wodurch pro Tag 20.000 Pfund (23.000 Euro) an Spenden und Eintrittsgeldern verloren gingen. Aus Solidarität mit den Demonstranten traten daraufhin Domherr Fraser und Kaplan Fraser Dyer zurück. Auch die anglikanische Kirche ist in ihrer Haltung gegenüber dem Protest zunehmend gespalten.
In einer ersten Reaktion bedauerte der oberste Bischof der anglikanischen Kirche, Rowan Williams, Knowles' Entscheidung. Die Ereignisse der vergangenen Tage hätten gezeigt, dass unter ungewöhnlichem Druck getroffene Entscheidungen trotz bester Intentionen „unvorhersehbare und unwillkommene Konsequenzen“ haben können, erklärte der Erzbischof von Canterbury und warb um Verständnis für die Priesterschaft von Saint Paul's. Er forderte, Kirche und Gesellschaft müssten sich gemeinsam mit den Problemen auseinandersetzen, die von den Demonstranten angesprochen worden seien.
AFP/smb


