GfK-Index

Diesen Berufen vertrauen die Deutschen am meisten

Die Schuldenkrise hat dem Ansehen des Bankers schwer geschadet. Beamten und Politikern vertrauen die Deutschen aber noch weniger.

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Krisengipfel am laufenden Band, ganze Staaten am Abgrund – und die Banker im Fegefeuer der Kritik. Immer und immer wieder. Weil sie trotz Lehman-Crash und Weltfinanzkrise, die längst eine Staatsschuldenkrise geworden ist, scheinbar immer nur an die eigene Gewinnmaximierung denken. Die heile Welt der Banken? Gibt es nicht mehr. Auch das Image des Bankers leidet.

Das Vertrauen in die Berufsgruppe hat seit Beginn der Finanzkrise im Jahr 2008 deutlich abgenommen. Das geht aus Studienergebnissen des Marktforschungsunternehmens GfK hervor. Im laufenden Jahr 2011 vertrauen nur noch 57 Prozent der befragten Bundesbürger dem Berufsstand, das sind 15 Prozentpunkte weniger als noch 2008.

Allerdings genießen Banker der GfK zufolge in Deutschland noch ein vergleichsweise hohes Ansehen. Das Bild des vertrauensvollen Bankdirektors sei schon länger passé, sagen hingegen Anhänger der internationalen „Occupy“-Bewegung, die die Macht der Kreditinstitute anprangert.

Ihr Tenor: Die Schuldenkrise habe das Ansehen weiter beschädigt. Matthias Berger vom „Occupy Frankfurt“-Presseteam setzt zur Fundamentalkritik an: „Die Banken haben eine sehr große Mitschuld an der jetzigen Situation, sie stellen sich der Verantwortung nicht“, kritisiert er. Und darum leide zunehmend auch das Bild des traditionell als seriös geltenden Bankers. „Durch Ignoranz und ein gewisses Maß an Habgier“ einzelner Banker sei ein System aufgebaut worden, das zur Schuldenkrise geführt habe: „Die Banken haben sich den Imageschaden selbst zugefügt, das wird Jahrzehnte dauern, bis das ausgebügelt sein wird.“

Das Image des Bankers als seriöse Instanz hat sich nicht erst seit der Finanzkrise, sondern bereits seit Ende der 80er-Jahre gewandelt, wie Armen Simon, Partner der Personalberatung Spencer Stuart in Deutschland, erklärt. Grund dafür seien die Veränderungen des internationalen Bankensektors durch die Einflüsse aus den USA und Großbritannien.

Bonusorientiertes Denken und Kurzfristigkeit

„Was seitdem verstärkt zu kurz kommt, ist die Loyalität als auch das Wertebewusstsein gegenüber der eigenen Bank.“ Nach und nach habe sich ein bonusorientiertes Denken ausgebreitet, sagt Simon. Das Geschäftsmodell der Investmentbanken neige stark zur Kurzfristigkeit. „Sorgfaltspflicht und das gesprochene Wort – das sind Grundprinzipien, die sich in den vergangenen Jahren in der Branche stark reduziert haben“, analysiert Simon. Sein Wunsch? Die Wiederbelebung dieser Wertevorstellungen könnte das Ansehen des Bankers wieder verbessern, meint der Personalberater.

Trotz allem genießt die Ausbildung zum Bankkaufmann bei jungen Menschen nach wie vor einen exzellenten Ruf, die Zahl der Lehrverträge ist stabil. Dem Industrie- und Handelskammertag zufolge gab es in Deutschland im vergangenen Jahr 35.500 Ausbildungsverträge. Zum Vergleich: 2009 waren es 35.457. Das Image der Ausbildung in puncto Qualität ist spitze, wie aus dem Ausbildungsreport 2010 des Deutschen Gewerkschaftsbunds hervorgeht.

Ihren Ruf konnte die Banklehre sogar noch verbessern: Von Rang zwei im Jahr 2009 auf Platz eins im vergangenen Jahr. Auffallend ist aber auch, dass Auszubildende vor allem die Vergütung im Vergleich zu anderen Berufen positiv bewerten.

Dennoch macht sich die Finanzkrise auch im Ausbildungsbereich bemerkbar. „Jugendliche orientieren sich stark an allgemeinen Entwicklungen“, sagt die Sprecherin der Bundesagentur für Arbeit, Ilona Mirtschin. Die Krise habe verunsichert und den Ruf des Bankers verschlechtert.

Die Folge: Weniger junge Menschen interessierten sich für eine entsprechende Ausbildung. Nach 2008 sei die Zunahme der Bewerber mit 1,1 Prozent deutlich geringer ausgefallen als der Anstieg der Lehrstellen, sagt Mirtschin. Im Herbst 2010 seien 400 Ausbildungsplätze sogar als unbesetzt gemeldet worden. Und das sei bei einem traditionell beliebten Beruf wie dem des Bankers doch eher ungewöhnlich.