Auf den Schildern steht das Gebot der Nächstenliebe. Vor James Talarico jubeln die Menschen bei seiner letzten Wahlkampfkundgebung vor den Midterms. „Wir werden die Nation überraschen“, verspricht er. Einen Abend später hat der 37-Jährige geliefert – und wie: Texas, jahrzehntelang republikanisches Stammland, schickt einen Demokraten in den Senat nach Washington. Und wählt eine Demokratin zur Gouverneurin. Eine politische Doppelsensation. Alle News zu den Midterms finden Sie in unserem Liveblog.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Talarico besiegt Generalstaatsanwalt Ken Paxton nach den Projektionen großer Sender deutlich. Bei Decision Desk HQ lag er gegen Mitternacht nach rund 84 Prozent erfassten Stimmen mit 55,1 zu 43,2 Prozent vorn: fast eine Million Stimmen Abstand. Der letzte demokratische Senatswahlsieger aus Texas war Lloyd Bentsen 1988. Seit 38 Jahren hat niemand mehr diese Mauer durchbrochen. Selbst Beto O’Rourke scheiterte 2018 trotz nationaler Begeisterung.

Zwischenwahlen 2026: Talarico schimpfte auf Korruption

Talarico fand einen eigenen Zugang zum konservativen Texas. Der frühere Lehrer und presbyterianische Theologiestudent überließ den Republikanern weder die Bibel noch den Begriff der Moral. Seinen Glauben übersetzte er in Forderungen nach bezahlbarer Gesundheitsversorgung, guten öffentlichen Schulen und Schutz für Benachteiligte. Christliche Nächstenliebe statt christlichem Nationalismus: Das gab seiner Kampagne ein Profil, das über gewöhnliche Parteiparolen hinausging. Das Wahlergebnis bei den Midterms in den USA finden Sie hier.

Voters Across The U.S. Go To The Polls For The Midterm Elections
James Talarico am Wahltag: Nächstenliebe statt Nationalismus.© AFP | Brandon Bell

Er war kein politisch unbeschriebenes Blatt. Seit 2019 sitzt er im texanischen Bundesstaatsparlament. Der jugendlich wirkende Kandidat verband einen ruhigen Dauerton mit scharfen Angriffen auf Korruption. Gegenüber stand ihm ein Mann, dessen juristische und persönliche Skandale selbst Republikaner an seiner Wählbarkeit zweifeln ließen. Die Wahl wurde zum Vergleich von Charakter und Glaubwürdigkeit.

Bürgerrechtsorganisationen warnten vor einer möglichen Einschüchterung von Wählern durch ICE. Nun postet die Behörde am Wahltag Bilder angeblicher Wahlbetrüger.© DPA

Midterms: Texas bekommt demokratische Gouverneurin

Donald Trump hat diese Konstellation mit herbeigeführt. Er unterstützte Paxton vor der republikanischen Stichwahl gegen Amtsinhaber John Cornyn. Der erfahrene Senator, den die Parteiführung für den stärkeren Kandidaten hielt, verlor. Trump bekam seinen Loyalisten – und die Partei verlor den Sitz. Auch die massive republikanische Wahlkampfhilfe konnte Paxtons Schwächen nicht überdecken.

Fast noch größer ist das Beben im Gouverneurspalast: Gina Hinojosa schlägt Greg Abbott, verhindert dessen vierte Amtszeit und wird erste Latina an der Spitze von Texas. Zuletzt gewann mit Ann Richards 1990 eine Demokratin die Gouverneurswahl; seit 1995 regieren Republikaner.

Texas: Keine uneinnehmbare Festung mehr

Die 52-jährige Abgeordnete setzte auf Lebenshaltungskosten, öffentliche Schulen und den Widerstand gegen stromhungrige Rechenzentren. „Die Menschen sind es leid, die Kulturkämpfe auszutragen“, sagte sie der „Texas Tribune“. Sie griff Abbotts Nähe zu Konzernen und Milliardären an, statt sich von dessen Radikalismusvorwürfen den Wahlkampf diktieren zu lassen.

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