Wer die Demokratie als Staatsform schon totgesagt hatte, wurde am Wochenende eines Besseren belehrt. In Brasilien entschieden sich die Menschen in der Stichwahl für Luiz Inácio Lula da Silva. Sein rechter Kontrahent Flávio Bolsonaro hatte das Nachsehen. In Serbien scheiterte der langjährige Regierungschef Aleksandr Vučić am Votum der Bevölkerung bei der Parlamentswahl. Im April entthronte Péter Magyar Viktor Orbán bei den Parlamentswahlen in Ungarn.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Das macht Hoffnung. Man sieht: Menschen raffen sich auf und gehen auf die Straßen, manchmal jahrelang (wie in Serbien, nach dem dramatischen Einsturz eines Bahnhofsvordaches). Sie wehren sich gegen Missstände. Menschen sehen spontan, dass es jetzt darauf ankommt (wie in Brasilien nach dem ersten Wahlgang), und schließen sich zu einer großen Bewegung zusammen.

Junge Menschen gehen für ihre Demokratie auf die Straßen

Gerade Jugendliche und junge Erwachsene lehnen Korruption, Fake News und autoritäre Machtstrukturen vermehrt ab, wie der Ausgang dieser drei Wahlen zeigt. Eine politikverdrossene Generation ist das schon längst nicht mehr.

Autorenfoto Madeleine Janssen
Madeleine Janssen© privat | Privat

Im Gegenteil. Die Wahlerfolge waren keine isolierten Ereignisse, sondern beeinflussten sich in den Sozialen Netzwerken gegenseitig. Es entstand eine Art internationaler Domino-Effekt. Da die klassischen Massenmedien (Fernsehen, Radio, große Zeitungen) in Ungarn und Serbien stark von der Regierung kontrolliert oder zensiert wurden, verlagerten die Jugendbewegungen ihren politischen Kampf komplett in den digitalen Raum. Inwieweit sich dies auf die aktuellen Protestbewegungen in Frankreich, Spanien und Italien übertragen wird, wird sich in den nächsten Monaten zeigen.