Eigentlich hatte Alice Weidel die Sache mit den Spenden abgehakt. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen sie persönlich sind längst eingestellt, die Strafe von fast 400.000 Euro, die die AfD an die Bundestagsverwaltung entrichten musste, ist gezahlt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Affäre aus dem Jahr 2017, die der heutigen Parteichefin damals bedrohlich wurde, ruhte aus Sicht der Partei in der Vergangenheit. Bis jetzt. Denn E‑Mails aus dem AfD-Daten-Leak, das Anfang der vergangenen Woche öffentlich geworden ist, legen nahe, dass Weidel doch mehr gewusst haben könnte, als sie bisher öffentlich zugegeben hat.

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AfD-Leak: Neue Details zu 132.000 Euro illegalen Parteispenden

Es geht um Vorgänge aus dem Sommer 2017. Damals stand die AfD kurz vor ihrem ersten Einzug in den Bundestag. Und auf einem Konto des AfD-Kreisverbands Bodensee, dem Alice Weidel angehört, gingen in dieser Zeit Spenden aus der Schweiz ein: 132.000 Euro in mehreren Tranchen, laut Verwendungszweck ausdrücklich für Weidels Social-Media-Wahlkampf. Nach dem Parteiengesetz waren die Spenden illegal. Als die Geldflüsse 2018 durch Medienrecherchen öffentlich wurden, erklärte Weidel, erst hinterher von den Spenden erfahren zu haben.

Doch mit dem ZDF, dem „Spiegel“ sowie WDR und NDR berichten jetzt mehrere Medien über E-Mails aus dem Jahr 2017, die mit Weidels Absenderkennung verschickt wurden und die diese Darstellung infrage stellen. Sie zitieren etwa aus einer Nachricht aus dem Juli 2017, in der Weidel die Schatzmeisterin ihres Kreisverbandes anweisen soll, das Konto „2x wöchentlich im Blick [zu] haben für eventuelle Spendeneingänge“. Denn: Ihr seien Spenden „avisiert“ worden, „mit denen ich meinen Social Media Wahlkampf bestreiten muss“.

In den Berichten wird auch eine weitere E‑Mail aufgegriffen, in der Weidel geschrieben haben soll, ein Mitarbeiter werde „die an mich gerichteten Spenden auf unserem KV-Konto ausschließlich für Facebook aufwenden“. „KV“ steht hier für „Kreisverband“.

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AfD-Mails: Nicht nur Weidels Konto ist betroffen

Die AfD kommentiert die Berichte nicht. Die Partei will keine Fragen dazu beantworten, ob ein vermeintlicher Leak-Inhalt echt oder gefälscht ist, da die Daten illegal kopiert worden seien. Man appelliere „eindringlich an alle, dass sie Inhalte, die dem Daten-Diebstahl zugeordnet werden, weder nutzen noch verbreiten“.

Der „Spiegel“ zitiert darüber hinaus Weidels Sprecher mit den Worten, dass sie „keine ihrer Aussagen in der Causa“ revidiere. Weder habe Weidel konkrete Summen erwartet, noch sei sie sich sicher gewesen, dass einzelne Personen tatsächlich spenden würden. Eine Anfrage dieser Redaktion blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

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Weidels E‑Mail-Konto ist nicht das einzige, das von dem Datenleck betroffen ist. Auch aus den Konten von Ex-Parteichef Alexander Gauland, von Leif-Erik Holm, dem AfD-Spitzenkandidaten bei der vergangenen Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern im September, und aus mehreren Funktionsadressen wie der Bundesgeschäftsstelle sind Daten abgeflossen. Insgesamt geht es um 280 Gigabyte Daten, darunter rund 400.000 E‑Mails. Zahlreiche Medien, darunter auch diese Redaktion, arbeiten seit vergangener Woche an der Auswertung.

tma