Dass mit dem Ende der zweiten Amtszeit von Frank-Walter Steinmeier ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin gefunden werden muss, konnte sich jeder, der wollte, seit Langem in den politischen Kalender eintragen. Ausreichend Zeit also für die schwarz-rote Koalition, sich zu beraten und ausgeruht einen Vorschlag zu machen. Leider hat man sie nicht genutzt.

Bundespräsident: Ob Merz die Suche steuert, ist unklar

Wenige Monate vor der Wahl des nächsten Staatsoberhaupts ist immer noch offen, wer das sein soll. Mehr noch: Inzwischen belastet das Thema das Binnenklima in der Union. Denn die CSU sähe gern die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als Präsidentin. Die CDU sträubt sich dagegen, hat aber offenbar keinen eigenen Vorschlag.

Und über allem steht der Kanzler und will – ja, was eigentlich? Ob und wie der Bundeskanzler die Kandidatensuche steuert, ist völlig unklar. Von Plan B wie Bellevue keine Spur. Stattdessen nimmt die Sache eine unheilvolle Dynamik an.

Theresa Martus / Funke Zentralredaktion
Theresa Martus, Korrespondentin Bundespolitik© FUNKE Foto Services | Reto Klar

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Je länger Aigner als mögliche, aber offenbar nicht wirklich gewollte Kandidatin auf der Bühne steht, umso stärker wird sie beschädigt – selbst wenn die CDU sie am Ende doch mittragen sollte. Umgekehrt würde nach monatelangen Spekulationen jeder andere Kandidat mit der Hypothek starten, erst vorgeschlagen worden zu sein, nachdem alle möglichen Namen einmal genannt und verworfen wurden. Und auch das Verhältnis von CDU und CSU leidet mit jedem Tag, an dem die Frage unbeantwortet bleibt.

Der Bundespräsident hat wenig echte Macht, aber großes symbolisches Gewicht. Ein solches Amt in einer so aufgeheizten Zeit neu zu besetzen, ist eine Chance. Und Friedrich Merz ist auf dem Weg, sie zu verstolpern – wieder einmal.