Nach einer Blockade vor der Synagoge in Halle (an der Saale) haben jüdische Studierende nach eigenen Angaben deutlich mehr Hass und sogar Morddrohungen erhalten. Sie hatten dem AfD-Landtagsabgeordneten Hans-Thomas Tillschneider den Zugang zu einer Gedenkveranstaltung verwehrt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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„Wir bekommen seit der Aktion vor der Synagoge in Halle deutlich mehr Anfeindungen und deutlich mehr Hass – bis hin zu Morddrohungen“, sagte Ron Dekel, Vorsitzender der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).
Tillschneider bei Gedankveranstaltung zu antisemitisch motiviertem Anschlag blockiert
JSUD-Mitglieder hatten Tillschneider vor einer Woche mit einer Menschenkette am Betreten der Synagoge gehindert. Dort fand eine Gedenkveranstaltung zum siebten Jahrestag des antisemitisch motivierten Anschlags von Halle statt. Am 9. Oktober 2019 hatte ein Rechtsextremist versucht, während des jüdischen Feiertags Jom Kippur in die Synagoge einzudringen. Nachdem er gescheitert war, erschoss er zwei Menschen in der Stadt.

Dekel verteidigte die Aktion gegen Tillschneider. „Rechtsextremisten haben in einer Synagoge nichts zu suchen. Denn es sind Menschen, die so einen Anschlag erst möglich gemacht haben mit ihrer Rhetorik. Sie gehören vor allem nicht vor die Augen von Überlebenden und Angehörigen von Opfern, wenn diese trauern wollen“, sagte der JSUD-Vorsitzende.
Die Studierenden wollten nach eigenen Angaben verhindern, dass das Gedenken politisch vereinnahmt wird. Tillschneider gehört zur AfD und ist Landtagsabgeordneter in Sachsen-Anhalt. Medienberichten zufolge bezeichneten Teilnehmer ihn während der Aktion als „Nazi“. Die Polizei ermittelt deshalb wegen des Verdachts der Beleidigung.
Antisemitismus-Debatte: Kritik an der Linken in Berlin
Der Studierenden-Vertreter äußerte sich auch zur Antisemitismus-Debatte bei der Regierungsbildung in Berlin. „Wir als Jüdische Studierendenunion haben in den letzten drei Jahren selbst vornehmlich auf den linken Antisemitismus aufmerksam gemacht, der uns tagtäglich an den Universitäten begegnet. Dabei stellt auch die Linkspartei hier in Berlin eine erhebliche Gefahr für jüdisches Leben dar. Sie ist in Teilen antisemitisch.“ Er erwarte von den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grünen, dass sie dies berücksichtigen.
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Dekel betonte auch: „Es ist statistisch belegt, dass rechtsextremer Antisemitismus, wie wir ihn von der AfD erfahren, die größte Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland darstellt.“ Zugleich finde er es „falsch, dass alle Parteien versuchen, den Antisemitismus-Vorwurf für ihre jeweils eigenen politischen Zwecke zu instrumentalisieren“, sagte Dekel dem RND.
Die AfD wird in Sachsen-Anhalt als rechtsextrem eingestuft. Sie gewann die Landtagswahl im September. Tillschneider, der Vizepräsident des neuen Landtags in Magdeburg ist, hatte nach der Aktion die Haltung der Studierenden scharf kritisiert und erklärt, er habe sich niemals gegen jüdisches Leben ausgesprochen. Er habe stets betont, „dass es eine jüdisch-deutsche Kultur gibt, die Teil unserer deutschen Kultur ist“.
dpa/dw







