Nach ukrainischen Drohnenangriffen auf Rechenzentren des russischen Technologiekonzerns Yandex mehren sich Hinweise auf Veränderungen in sozialen Netzwerken. Nutzer berichteten zeitweise von einer geringeren Zahl mutmaßlich russischer Bots. Experten warnen jedoch davor, daraus bereits auf einen Rückgang russischer Desinformationskampagnen zu schließen.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach in diesem Zusammenhang von einem „Aufatmen“ in Onlinenetzwerken. Auch der Politikwissenschaftler Ian Bremmer kommentierte die Entwicklung auf LinkedIn mit den Worten: „Social Media ohne russische Bots ist so viel besser“. Solche Beobachtungen passen zu den technischen Ausfällen bei Yandex. Einen eindeutigen Beweis für einen Zusammenhang mit der Reichweite russischer Propaganda liefern sie allerdings nicht.

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Yandex: Drei Rechenzentren von Angriffen betroffen

Innerhalb weniger Tage wurden nach Angaben von Yandex drei Rechenzentren beschädigt oder außer Betrieb gesetzt. Am 8. Oktober traf ein ukrainischer Angriff den Standort Sasowo. Einen Tag später wurde demnach eine Anlage in der Region Kaluga getroffen. Am Sonntag musste Yandex schließlich sein Rechenzentrum in Wladimir nach einem weiteren Drohnenangriff vollständig abschalten.

Die Ausfälle beeinträchtigten nicht nur die eigenen Angebote des Unternehmens. Auch zahlreiche andere Dienste, die auf die Cloudinfrastruktur von Yandex angewiesen sind, hatten zeitweise Probleme. Betroffen waren laut Berichten unter anderem Onlinebanking, E-Mail-Dienste und andere Anwendungen.

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Einbrüche beim Datenverkehr von Yandex — Bots betroffen?

Die Organisation NetBlocks registrierte deutliche Rückgänge beim Datenverkehr. Am Montagnachmittag waren demnach nur noch rund 30 Prozent der Verbindungen zu den Cloud-Servern verfügbar. Der Datenverkehr der übrigen Yandex-Dienste lag bei etwa 80 Prozent des üblichen Niveaus. Auch Cloudflare dokumentierte starke Einbrüche.

Bots sind Programme, die Aufgaben im Internet selbstständig erledigen. Dazu gehören allerdings nicht nur Accounts, die in sozialen Netzwerken politische Inhalte verbreiten, sondern auch Suchmaschinen-Crawler, die Webseiten erfassen und deren Inhalte indexieren.

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Experten warnen vor voreiligen Schlüssen

Ob die technischen Störungen tatsächlich russische Desinformationsaktivitäten einschränken, ist offen. Botfarmen arbeiten jedoch häufig mit zahlreichen Smartphones, die menschliche Nutzer simulieren. Ihre Aktivitäten müssen daher nicht vollständig von den betroffenen Rechenzentren abhängen.

Josef Holnburger vom Center für Monitoring, Analyse und Strategie (CeMAS) verwies gegenüber Netzpolitik.org zudem darauf, dass Desinformationskampagnen am Wochenende grundsätzlich weniger aktiv seien. Erst wenn sich der Rückgang über einen längeren Zeitraum beobachten lasse, könne daraus eine belastbare Schlussfolgerung gezogen werden.

Die Desinformationsexpertin Aleksandra Wojtowicz berichtete gegenüber dem „Standard“, dass Beiträge mit prorussischen Narrativen zwar weiterhin verbreitet würden, ihre Reichweite aber zurückgegangen sei. Das könnte darauf hindeuten, dass bestimmte technische Dienste dazu beitragen, solche Inhalte einem größeren Publikum zugänglich zu machen.

mit dpa