Millionen Menschen in Deutschland sind auf staatliche Grundsicherung angewiesen, ein erheblicher Teil von ihnen bereits seit Jahren. Rund 1,4 Millionen Menschen – etwa zwei von fünf Beziehern staatlicher Unterstützung – bekamen mindestens fünf Jahre lang Bürgergeld, wie eine Datenauswertung der Bundesagentur für Arbeit für die AfD im Bundestag zeigt, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Den höchsten Anteil dieser Langzeitbezieherinnen und -bezieher an den Menschen mit Bürgergeld gab es demnach Ende 2025 in Berlin (rund 45 Prozent) und Bremen (43 Prozent).

Auch interessant

AfD kritisiert Langzeitbezieher von Bürgergeld – fordert „Bürgerarbeit“

Der AfD-Arbeitsmarktpolitiker René Springer sagte: „Es kann nicht sein, dass so viele Menschen auf Kosten der Steuerzahler Bürgergeld beziehen, obwohl sie arbeiten gehen könnten.“ Springer bekräftigte die AfD-Forderung nach einer Bürgerarbeit in gemeinnützigen Bereichen von 15 Wochenstunden für alle Erwerbsfähigen, die länger als sechs Monate Bürgergeld beziehen. Wer sich verweigert, soll demnach nur noch Sachleistungen oder als letzte Option gar keine Leistungen mehr erhalten. 

Mit entsprechenden Anträgen hatte die AfD im Bundestag bei den anderen Fraktionen heftige Kritik hervorgerufen. Etwa der CSU-Sozialpolitiker Peter Aumer hielt dem das „Grundversprechen unseres Sozialsystems“ entgegen – wer Hilfe brauche, müsse Hilfe bekommen.

Die Regierungskoalition hatte mit ihrer jüngsten Reform den Namen «Bürgergeld» gestrichen und strengere Regeln für die Grundsicherung eingeführt: Wer nicht mitwirkt, soll empfindliche Kürzungen hinnehmen müssen. 

Hintergründe zur AfD – für Sie recherchiert

Zahl der Langzeitarbeitslosen steigt wieder

Nach einer Phase sinkender Arbeitslosigkeit war die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland seit 2023 aufgrund einer wirtschaftlichen Schwächephase wieder gestiegen, seit 2024 auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen. Die lang positive Entwicklung am Arbeitsmarkt hatte zu einem Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit von 1,8 Millionen 2005 auf 700.000 im Jahr 2019 geführt, wie das Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) feststellte. 2025 waren es mehr als eine Million Langzeitarbeitslose.

Im September gab es laut Bundesagentur für Arbeit insgesamt 3,7 Millionen erwerbsfähige Empfänger von Grundsicherung, 145.000 weniger als im Vorjahresmonat. Nach den von der AfD angefragten Zahlen waren von den Menschen mit mindestens fünf Jahren Bürgergeld zuletzt 62,2 Prozent Deutsche und 37,8 Prozent Ausländer. 199.229 der Betroffenen waren erst unter 25 Jahre alt.

Bei den Langzeitbeziehenden der Leistungen liegen laut IAB „häufig Vermittlungshemmnisse wie eine niedrige formale Qualifikation oder gesundheitliche Einschränkungen“ vor. Geförderte Beschäftigung könne ihre Perspektiven bis hin zu einem Job auf dem ersten Arbeitsmarkt steigern, allerdings müsse Unterstützung „passgenau und individualisiert“ sein, so das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

os/dpa