Der Friedensnobelpreis 2026 geht an die Südafrikanerin Navanethem „Navi“ Pillay. Das teilte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit. Die Juristin mit indischen Wurzeln werde für ihren mutigen Einsatz für das Völkerrecht und ihren Einsatz gegen Kriegsverbrechen und Genozid gewürdigt, sagte der Komiteevorsitzende Jorgen Watne Frydnes.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Entscheidung gilt als Überraschung – Pillay war nicht unter den zuvor gehandelten Favoriten für die Auszeichnung. Die in Durban geborene Tochter indisch-tamilischer Eltern wurde 1995 die erste nicht weiße Richterin am Obergericht der Provinz Natal. Fünf Jahre später wurde sie Richterin und Vorsitzende des Internationalen Tribunals für Ruanda. Von 2008 bis 2014 war sie UN-Hochkommissarin für Menschenrechte.
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Friedensnobelpreis 2026: Stiller Widerspruch zu Trump
Die Verleihung des Friedensnobelpreises an Pillay kann auch als stiller Widerspruch zu den Aussagen von US-Präsident Donald Trump interpretiert werden. Denn das Völkerrecht ist dem 80-Jährigen nicht so wichtig. Er hält internationale Vorgaben und Absprachen vor allem für lästig. Ein Gegenentwurf zu Pillays Arbeit.
Trump bekundet seit Langem, dass er mit dem Preis ausgezeichnet werden will. Noch am Mittwoch sagte er in Washington: „In der ganzen Geschichte des Friedensnobelpreises hat es niemals jemanden gegeben, der ihn mehr verdient hätte als ich. Ich habe acht Kriege beendet. Ich habe die vollständige Vernichtung der Welt verhindert.“
Letzteres war ohnehin kein akutes Szenario, und die Beendigung von acht Kriegen kann Trump nicht für sich verbuchen. Sein Versprechen, den Ukraine-Krieg binnen 24 Stunden zu beenden, konnte er nicht einlösen. Auch im Konflikt zwischen Israel und der Hamas ist die Waffenruhe brüchig, und die Umsetzung der vereinbarten nächsten Schritte lässt auf sich warten. Ganz zu schweigen vom Krieg gegen den Iran, den Israel und die USA am 28. Februar gemeinsam begonnen haben.
Welche diplomatischen Erfolge Trump tatsächlich vorweisen kann, lesen Sie hier.
Trump: "There's never been anybody in the history of the Nobel Prize that deserves it more. I settled eight wars. I stopped the total obliteration of the world." pic.twitter.com/QuDSg52Wac
— Aaron Rupar (@atrupar) 7. Oktober 2026
Friedensnobelpreis: Navi Pillay erfuhr in Deutschland von der Auszeichnung
Julia Duchrow, Generalsekretärin von Amnesty International in Deutschland, sagt zu der Entscheidung des Nobelpreiskomitees: „Die Auszeichnung für Navi Pillay ist das richtige Signal zur richtigen Zeit. Sie hat sich nie gescheut, Verbrechen beim Namen zu nennen – ganz gleich, wer sie begangen hat.“ Dieser Mut fehle vielen Regierungen, die „das Völkerrecht nur dann verteidigen, wenn es ihnen politisch passt“, kritisierte Duchrow.
Navi Pillay traf die Auszeichnung ohne Vorwarnung. Das Nobelkomitee hatte die 85-Jährige telefonisch vorab nicht erreichen können. Die Generalsekretärin von Amnesty International, Agnes Callamard, verbreitete ein Video auf X, das Pillay im historischen Justizpalast in Nürnberg zeigt. „Wir sind im Gericht in Nürnberg“, schrieb Callamard. „Mir fällt kein stärkeres Symbol für ihren Nobelpreis ein.“ Im Hintergrund ist Beifall zu hören. Im Nürnberger Justizpalast fanden von 1945 bis 1949 die Prozesse gegen die Kriegsverbrecher des Dritten Reiches statt.
Amazing moment.
— Agnes Callamard (@AgnesCallamard) 9. Oktober 2026
Navi Pillay has received the Nobel Peace Prize ! https://t.co/HL3r1PJzLO
We are at the Nuremberg Court; I cannot think of a stronger symbol for her Nobel prize.
We are all so thrilled!
This is her first reactions upon hearing the news: pic.twitter.com/Crbj6XdiyQ
Friedensnobelpreis 2026: Zwölf Millionen schwedische Kronen für Navanethem Pillay
Der Friedensnobelpreis gilt als die weltweit wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Abrüstung, Friedenssicherung und Menschenrechte. Der Preis wird vom norwegischen Nobelkomitee vergeben, das vom Parlament in Oslo eingesetzt wurde. Gestiftet wurde der Preis vom schwedischen Unternehmer und Erfinder des Dynamits, Alfred Nobel (1833–1896).

In diesem Jahr ist der Friedensnobelpreis mit zwölf Millionen schwedischen Kronen (etwas über eine Million Euro) dotiert. 287 Kandidatinnen und Kandidaten waren nominiert, darunter 79 Organisationen. Im vergangenen Jahr wurde die venezolanische Oppositionspolitikerin María Corina Machado ausgezeichnet. Bei ihrem späteren Besuch im Weißen Haus überreichte sie ihre Auszeichnung Donald Trump. Formal ist es allerdings nicht möglich, den Friedensnobelpreis eigenmächtig einer anderen Person zu übergeben.
epd/bee/mja





