Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat nach Angaben des Kreml an der Geburtstagsfeier des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Moskau teilgenommen. Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien von der Anwesenheit Schröders in der russischen Hauptstadt erfahren, teilte der Kreml bei Telegram mit. „Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“, hieß es weiter. Schröder sei bei Putin gewesen, als der Kremlchef am Mittwoch seinen 74. Geburtstag feierte. Das sorgte in Deutschland parteiübergreifend für heftige Kritik.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen, Jochen Ott, wirft Schröder vor, mit seinem Besuch russischer Propaganda zu dienen. „Wir brauchen diplomatische Initiativen, um den furchtbaren russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu beenden“, sagte Ott dieser Redaktion. „Dabei könnte auch Gerhard Schröder eine Rolle spielen. Die Bilder seines Russland-Besuchs sind allerdings nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems.“

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SPD-Spitzenkandidat: „Solche Bilder helfen nicht dem Frieden, sondern vor allem der russischen Propaganda“

Ott kritisierte: „Während Russland die Ukraine weiter mit Raketen angreift und zivile Infrastruktur zerstört, lässt sich Schröder anlässlich Putins Geburtstag in freundschaftlicher Pose mit ihm ablichten. Solche Bilder helfen nicht dem Frieden, sondern vor allem der russischen Propaganda.“ Ein ehemaliger Bundeskanzler müsse sich bewusst sein, welche Wirkung solche Auftritte entfalten, fügte der SPD-Fraktionschef im nordrhein-westfälischen Landtag hinzu.

Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt bezeichnete den Besuch als Schande. Göring-Eckardt schrieb zu Schröders Besuch bei Putin auf der Plattform X: „Eine Schande für Deutschland. Ein Verrat an Europa. Ein Bärendienst für Frieden.“ Aber leider habe sie schon nichts anderes mehr von ihm erwartet. 

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Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Europaparlaments, Marie-Agnes Strack-Zimmermann, bezeichnete Schröder auf X als Deutschlands frechsten Rentner. „Zu krank für Untersuchungsausschüsse (ganz schlimmer Burnout), aber für gut dotierte Mandate in Russland und Geburtstagsparty zuhause bei Kriegsverbrecher Putin reichts dann doch noch. Eine Schande sondergleichen.“ Der Chef des CDU-Sozialflügels, Dennis Radtke, kritisierte auf X ebenfalls, Schröder sei für einen Untersuchungsausschuss zu krank, aber fit genug für Moskau, Putin und „eine frische Ladung Rubel“. Er fügte hinzu: „Wunderheilung à la Rasputin bei Gerhard Schröder“.

Schröders entzog sich Untersuchungsausschuss

Zum Hintergrund: 2025 hatte Schröder Zeugenaussagen vor einem Untersuchungsausschuss zur Klimastiftung Mecklenburg-Vorpommern im Kontext des Baus der Erdgasleitung Nord Stream 2 mehrfach wegen einer Burnout-Erkrankung abgesagt.

Vor der Party hatte Schröder am Morgen eine Filiale des russischen Ablegers der deutschen Supermarktkette Globus in der russischen Hauptstadt besucht und eine Begrüßungsrede vor den Mitarbeitern des Unternehmens gehalten. Zuvor war er in den Aufsichtsrat des Unternehmens berufen worden.

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Schröder war von 1998 bis 2005 Bundeskanzler. Der 82-Jährige ist mit Kremlchef Wladimir Putin eng befreundet und steht unter anderem wegen dieser engen Verbindung und seines Engagements für russische Energieunternehmen seit Jahren in der Kritik. Auch seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine hat sich Schröder wiederholt mit Putin getroffen.

dpa/jdö