Die Universität Cornell in den USA ist momentan weltweit in den Schlagzeilen. Grund dafür ist die Massenvergewaltigungsbehauptung einer 20-jährigen Studentin. Sie soll im Oktober 2024 in einem Verbindungshaus unter Alkohol sowie die Droge Ketamin gesetzt und über Stunden von mehreren Männern vergewaltigt worden sein.
Gruppenvergewaltigungen: 751 Fälle wurden 2025 in Deutschland erfasst
Das Thema Gruppenvergewaltigung war jüngst auch Gegenstand einer Kleinen Anfrage der AfD-Fraktion im Bundestag, die die Bundesregierung im Juli 2026 beantwortet hat. Demnach gab es 2025 in Deutschland 751 polizeilich erfasste Gruppenvergewaltigungen. Die Zahlen bewegen sich in den vergangenen Jahren auf einem vergleichbaren, leicht schwankenden Niveau. Zu beachten ist, dass sich die Angaben und der Begriff der „Tatverdächtigen“ auf den Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen beziehen. Erst danach wird gegebenenfalls ein Gerichtsverfahren eingeleitet, sodass die Statistik über die tatsächlichen Verurteilungen keine Aussage trifft.
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Die meisten Opfer gab es in Nordrhein-Westfalen (170), gefolgt von Berlin (118) und Niedersachsen (116). Mit fünf Opfern ereigneten sich die wenigsten Fälle in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei ist die Summe der Opferzahlen höher als die der Fallzahlen. Es kann also sein, dass teilweise ein Fall mehrere Opfer umfasst.
Kriminologin: „Migration allein ist nicht ursächlich“
Der Anteil der nicht deutschen Tatverdächtigen, nach dem die AfD explizit fragte, lag bei 53 Prozent. 509 Tatverdächtige hatten die deutsche Staatsangehörigkeit, 110 die syrische, 64 die afghanische, 46 die irakische und 44 die türkische. „Die AfD versucht zu suggerieren, dass Migration die Ursache für Gruppenvergewaltigungen sei. Das stimmt nicht, Kriminalität ist multifaktoriell. Migration allein ist nicht ursächlich für Kriminalität, sie kann lediglich ein Einflussfaktor sein“, so die Kriminologin und Soziologin Gina Wollinger auf Anfrage unserer Redaktion. „Das politische Narrativ des ‚sexuell übergriffigen fremden Mannes‘ ist schon lange in unserer Kultur verankert. Es gibt aber keine kriminologische Evidenz dafür.“ Die Ausübung sexueller Gewalt stehe häufig in Zusammenhang mit eigenen Gewalterfahrungen, familiären Konflikten oder schulischen Problemen in Kindheit und Jugend sowie mit sozialen Problemlagen wie Arbeitslosigkeit oder Suchtproblemen im späteren Leben und psychischen Auffälligkeiten.
Laut den Angaben der Bundesregierung war im Jahr 2025 in 72 Prozent der aufgeklärten Fälle von Gruppenvergewaltigungen mindestens ein Tatverdächtiger bereits zuvor polizeilich in Erscheinung getreten. In rund neun Prozent der Fälle war mindestens ein Tatverdächtiger als Konsument harter Drogen erfasst. Dabei bedeutet „in Erscheinung getreten“ nicht zwangsläufig, dass die Person vorbestraft war. Es sagt lediglich aus, dass mindestens eine strafrechtlich relevante und nach den datenschutzrechtlichen Vorschriften zulässig gespeicherte Erkenntnis aus dem laufenden oder einem früheren Jahr vorliegt. Ebenso lässt die Erfassung als „Konsument harter Drogen“ keinen Rückschluss darauf zu, dass die Tat unter Drogeneinfluss begangen wurde.
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„Gruppenvergewaltigung“ ist kein fester juristischer Begriff
Bei den Daten handelt es sich um eine Sonderauswertung der Polizeilichen Kriminalstatistik. Die Gruppenvergewaltigung ist kein eigener Straftatbestand, sodass sie in der Statistik nicht speziell erfasst wird. Sie ist juristisch nicht fest definiert und setzt nicht zwingend voraus, dass alle Beteiligten selbst sexuelle Handlungen ausführen. Auch eine gemeinsame Tatplanung oder unterstützende Beteiligung kann umfasst sein. Andererseits kann sie auch als besonders schwerer Fall der Vergewaltigung nach § 177 Strafgesetzbuch gelten, der mit höheren Freiheitsstrafen bedroht ist.

Insgesamt ist die Daten- und Erkenntnislage zu Sexualdelikten nicht sehr ausgeprägt, da es eine extrem hohe Dunkelziffer gibt. Sexuelle Übergriffe werden laut aktueller Lesubia-Studie des Bundeskriminalamtes von lediglich drei Prozent der Frauen und 14,5 Prozent der Männer angezeigt. Insgesamt 17,8 Prozent aller Frauen und knapp fünf Prozent aller Männer sind in ihrem Leben schon einmal von einem sexuellen Übergriff betroffen gewesen, so die Studie.






