Wie konnte rechtes Gedankengut in Ostdeutschland so viel Raum gewinnen? Dieser Frage geht die zweite Folge des Podcasts „Jung & Ost“, einer Kooperation der Thüringer Allgemeine und Berliner Morgenpost, nach.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Die Rechtsextremismusforscherin Heike Radvan, selbst auf Rügen geboren, ordnet die Entwicklung im Podcast historisch ein. Rechtsextremismus habe es bereits in der DDR gegeben. Die Vorstellung, Rechtsextremismus sei nach 1989 allein aus dem Westen in die ostdeutschen Bundesländer gelangt, weist Radvan zurück: „Das muss man verneinen.“ Beide deutschen Staaten seien postnationalistische Gesellschaften gewesen.

Rechte Mobilisierung in Ostdeutschland: Identität und „Opferdiskurs“

Warum rechte Akteure im Osten bis heute vergleichsweise leicht mobilisieren können, erklärt Radvan auch mit der Geschichte der DDR. Eine demokratische Zivilgesellschaft habe sich dort kaum entwickeln können. Zwar habe es Opposition gegeben, doch die DDR sei „keine Demokratie“ gewesen, sondern eine Diktatur. Zivilgesellschaftliches Engagement sei mit Repressionen verbunden gewesen. Auch während der Transformation nach 1989 seien die Ansätze demokratischer Zivilgesellschaft nicht ausreichend gefördert worden. Das habe langfristige Folgen.

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So haben vor allem rechte Akteure Menschen über Identität und einen „Opferdiskurs“ angesprochen, sagt Radvan. Die AfD mache das bereits seit Jahrzehnten, deutlich sichtbar etwa bei den Landtagswahlen 2019 mit dem Slogan „Vollende die Wende“. Heute würden dafür unter anderem Symbole wie das DDR-Moped Simson genutzt. Solche Angebote könnten vor allem junge Menschen erreichen, die nach Aufwertung oder Orientierung suchen. .

„Wenn es keine Alternativkultur gibt, wird es schwierig“

Auch neue Entwicklungen wie Siedlungsbewegungen, bei denen Menschen gezielt in ostdeutsche Regionen ziehen, beschäftigen Radvan. Mit Blick auf die AfD warnt sie zudem vor einem grundsätzlichen politischen Kurswechsel: Die Partei wolle die demokratische Verfasstheit des Zusammenlebens abschaffen. Dafür gebe es international bereits strategische Vorbilder: „Das haben wir in Ungarn gesehen und das sehen wir gerade in den USA.“

Was also tun gegen den Rechtsruck? Radvan verweist auf politische und gesellschaftliche Verantwortung. Gerade für Jugendliche brauche es attraktive Alternativen: „Wenn es keine Alternativkultur gibt, wird es schwierig.“

Sachsen-Anhalt, Thüringen, Sachsen: Drei Perspektiven

Im Podcast sprechen die Journalistinnen Theresa Montag, Antonia Weber und Albrecht Kaiser außerdem über ihre eigenen Erfahrungen mit dem politischen Wandel seit 1990. Die drei, aufgewachsen in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen, gehören einer Generation an, die die deutsche Teilung nur aus Erzählungen kennt. Persönliche Anekdoten treffen dabei auf historische Einordnung und aktuelle Entwicklungen.

Die zweite Folge von „Jung & Ost“ ist überall dort zu hören, wo es Podcasts gibt oder über unsere Podcast-Seite.