Für Pete Hegseth gehörte das Feuern lange zum politischen Programm. Generäle, Admiräle, Militärjuristen, Pentagon-Beamte: Wer nach Ansicht von Donald Trumps Verteidigungsminister nicht zur neuen Marschrichtung passte, konnte schnell verschwinden.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Inzwischen hat sich die Blickrichtung gedreht. In Washington wird zunehmend darüber geredet, wie lange Trump sich seinen Verteidigungsminister noch leisten will. Es laufen Wetten, dass der ehemalige Fox-News-Heißsporn-TV-Moderator Thanksgiving im Amt nicht überlebt. Hieße Ende November. Spätestens.
Exklusiv aus den USA – für Sie recherchiert
Das jüngste Warnsignal kommt aus der militärischen Spitze. Nach Recherchen der „Washington Post“ haben vier hochrangige Stellen einer weiteren Belastung ihrer Verbände durch den Iran-Krieg formell widersprochen: European Command, Pacific Command, Southern Command und der oberste Admiral der Navy. Ihre Stellungnahmen im geheimen „Secretary of Defense Orders Book“ vom 14. August sind als „non-concur“ vermerkt.
Das ist keine Befehlsverweigerung. Die Offiziere führen Hegseths Anweisungen aus, dokumentieren aber ausdrücklich, dass sie diese militärisch für falsch oder zu riskant halten. Eine Art Misstrauensvotum, wie es so geballt selten vorkommt.
Trump distanziert sich von Hegseths Personalpolitik
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Für Hegseth trifft diese Kritik einen neuralgischen Punkt. Trump hatte ihn Anfang August in Camp David wegen der geschrumpften Munitionsreserven zur Rede gestellt. Nach Informationen von US-Medien verlangte der Präsident Antworten darauf, warum ihm offenbar vermittelt worden war, das Problem sei behoben. Trump habe Hegseth vorgehalten, er sei davon ausgegangen, der Engpass sei „in Ordnung gebracht“. Tatsächlich sind Patriot- und THAAD-Abfangraketen sowie Tomahawk-Marschflugkörper knapp; rund ein Viertel der amerikanischen Reaper-Drohnenflotte ging nach US-Medienberichten im Konflikt verloren.
Damit wird aus einem Ressourcenproblem ein Vertrauensproblem. Hegseth hatte im März versichert: „Das ist nicht Irak. Das wird kein endloser Krieg.“ Sechs Monate später stehen mehr als 50.000 US-Soldaten für mögliche weitere Iran-Operationen bereit, einzelne Verbände sollen bis 2027 bleiben. 18 US-Soldaten wurden bislang getötet, mehr als 750 verwundet.
Nur noch fünf Vier-Sterne-Generäle
Noch heikler ist, dass Trump selbst Distanz zu Hegseths Personalpolitik erkennen lässt. Im April feuerte Hegseth den hoch anerkannten Generalstabschef der Armee, Randy George, praktisch über Nacht und ohne öffentliche Begründung. Als die republikanische Senatorin Joni Ernst (Iowa) anschließend bei Trump intervenierte, rückte der Präsident nach Recherchen der „New York Times“ von der Entscheidung ab. Er habe Ernst gebeten, George auszurichten: „Sagen Sie dem General, es tut mir leid.“

Der Fall steht für ein größeres Muster. Nach US-Medien-Recherchen hat Hegseth mindestens ein halbes Dutzend hochrangige Army-Offiziere gefeuert oder aus dem Amt gedrängt. Die Zahl aktiver Vier-Sterne-Generäle des Heeres sank seit Anfang 2025 von zehn auf fünf. Die Army hat seit Georges Entlassung keinen regulären Stabschef. Mehrere mögliche Nachfolger wurden ebenfalls ausgeschaltet oder intern blockiert.
Hinzu kommen ältere Belastungen. Hegseth hatte 2025 sensible Angaben über bevorstehende Angriffe auf Huthi-Stellungen über Signal verbreitet, darunter in einer Gruppe mit seiner Frau, seinem Bruder und seinem Anwalt. Der Pentagon-Generalinspekteur stellte später fest, er habe damit Sicherheitsregeln verletzt und US-Soldaten gefährdet.
Das bedeutet noch nicht, dass Hegseths Entlassung unmittelbar bevorsteht. Hegseth kennt Trumps politische Instinkte, trägt dessen Kulturkampf im Militär mit und präsentiert sich als loyaler Vollstrecker.
Influencer sollten Hegseth loben
Doch seine Position hat sich in den vergangenen Tagen sichtbar verschlechtert. Trump soll irritiert reagiert haben, als bekannt wurde, dass Hegseth mehrere MAGA-nahe Militär-Influencer heimlich in zivile Pentagon-Posten gehievt hat – damit sie online für Hegseths Kurs trommeln; darunter Rob Maness und Kurt Schlichter.
Ihre Regierungsfunktionen legten sie öffentlich nicht offen, während sie Hegseths Kulturkampf-Kurs verstärkten, Kritiker attackierten und seine Entscheidungen verteidigten.
Auch der ganz frische Rücktritt von Dan Driscoll dürfte hohe Wellen schlagen. Driscoll ist kein demokratischer Kritiker, sondern Trump-Mann, enger Freund von Vizepräsident J. D. Vance und wurde zeitweise sogar als möglicher Hegseth-Nachfolger gehandelt. Noch im April hatte das Weiße Haus ihn ausdrücklich gestützt. Nun geht er nach monatelangen Konflikten mit Hegseth über Personal, Beförderungen und die strategische Ausrichtung der Army. Driscolls Abgang kann deshalb das Bild verfestigen, dass nicht Illoyalität, sondern Hegseths Führungsstil das eigentliche Problem ist. Entscheidend wird sein, ob Vance und republikanische Senatoren daraus dieselbe Schlussfolgerung ziehen. Dann könnte aus einem Pentagon-Streit eine Frage von Hegseths eigener Haltbarkeit werden.
Früher war die Frage, welchen General Hegseth als Nächstes entlässt. Heute geht es darum, wie viel Vertrauen Trump seinem Verteidigungsminister noch entgegenbringt.
Gefährlich wird es, wenn ein langer Krieg Munition verbraucht, militärische Optionen schrumpfen, Spitzenkommandeure schriftlich Alarm schlagen – und der Präsident den Eindruck gewinnt, sein eigener Minister habe ihn über die Lage im Unklaren gelassen. Bei Donald Trump ist das manchmal der Anfang vom Ende.









