- Die AfD hat gute Chancen, bei der Wahl in Sachsen-Anhalt stärkste Kraft zu werden
- Insgesamt kann sie in Ostdeutschland besonders viele Wählerinnen und Wähler überzeugen
- Gründe gibt es dafür viele – das sind die wichtigsten
Rund 40 Prozent der Wählerinnen und Wähler wollen in Sachsen-Anhalt ihre Stimme der AfD geben. Das zeigen die Umfragen kurz vor der Wahl. Wenn es für die in Teilen rechtsradikale Partei gut läuft, ist sogar die absolute Mehrheit drin – Deutschland hätte zum ersten Mal einen AfD‑Ministerpräsidenten.

In Thüringen hatte die AfD 2024 ebenfalls ein starkes Ergebnis eingefahren. 32 Prozent der Wähler gaben der Partei ihre Stimme, die von Partei-Rechtsaußen Björn Höcke angeführt wurde und wird. Zudem wurde die AfD in Sachsen (30,6 Prozent) und in Brandenburg (29,2 Prozent) je zweitstärkste Kraft im Landtag. In Mecklenburg-Vorpommern, wo wie in Sachsen-Anhalt und Berlin noch in diesem Jahr gewählt wird, liegt die AfD in Umfragen deutlich vorn. Die Ergebnisse zeigen: In Ostdeutschland ist die Partei inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Lediglich im Westen kommt sie bislang nicht aus der Schmuddelecke.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Das zeigt sich auch in der Forschung. Besonders erfolgreich ist die AfD dort, wo Menschen ökonomisch abgehängt werden. „Im Westen scheint die AfD vor allem dort zu punkten, wo die Wähler ein unterdurchschnittliches Haushaltseinkommen aufweisen und/oder einer Tätigkeit in der Industrie nachgehen. Im Osten ist sie in ländlichen Regionen stark, die unter Abwanderung leiden und ökonomisch abgehängt zu werden drohen“, heißt es etwa bei der Bundeszentrale für politische Bildung.
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Gehälter, Vermögen, Rente: Ostdeutsche müssen mit weniger haushalten
Dass die AfD im Osten besser abschneidet, legen somit die ökonomischen Verhältnisse nahe. Mehr als 35 Jahre nach dem Mauerfall sind die Gehälter im Osten im Schnitt niedriger als im Westen. Auch Rentner im Osten müssen durchschnittlich mit weniger Geld auskommen. Und die Vermögen, die mitunter vererbt werden, sind im Westen größer, im Osten oftmals inexistent. Auch beim Länderfinanzausgleich zeigt sich: Die Geberländer liegen allesamt im Westen.
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Neben den ökonomischen Verhältnissen gibt es allerdings noch eine Reihe weiterer Erklärungen für den Rechtsruck, etwa die Demografie. In Ostdeutschland leben deutlich mehr Männer als Frauen. Die Bevölkerung altert zunehmend; junge Menschen mit guter Ausbildung ziehen häufiger weg. Die Geburtenrate ist niedrig. In der Folge wird in strukturschwachen Regionen weniger investiert. Auch das spielt rechtspopulistischen Parteien mit ihrer Verfallserzählung in die Karten, zeigt etwa eine Studie der Soziologin Katja Salomo. Daraus kann ein Teufelskreis entstehen. Denn der Aufstieg der Rechten verschreckt wiederum Frauen und gut ausgebildete Menschen, wodurch noch mehr Menschen abwandern.

Ostdeutschland: Wirkt das Trauma der Wendejahre nach?
Daneben gibt es auch kulturhistorische Erklärungsversuche für den Aufstieg der AfD im Osten. Eine These, die in verschiedenen Versionen immer wieder kontrovers diskutiert wird: Der Osten habe das Trauma aus DDR-Diktatur und Wendejahren nie überwunden. Insbesondere in den Jahren 1990 bis 1995 machte sich im Osten Arbeitslosigkeit breit, Betriebe wurden unter der Treuhand abgewickelt, etliche junge Menschen wanderten ab. Nach dieser Erzählung ist der Ostdeutsche zum Bürger zweiter Klasse degradiert worden. Die Zustimmung zur AfD und anderer rechter Parteien wirkt da wie eine späte Rache.
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Gegen diese auf der ostdeutschen Erfahrung basierende Erklärung spricht jedoch, dass der Aufstieg rechtspopulistischer und rechtsextremer Parteien kein rein ostdeutsches Phänomen ist. Im Gegenteil: Rechte Parteien verzeichneten in den vergangenen Jahren in Italien, Frankreich, Polen, den USA und selbst in Teilen Asiens Erfolge. Was die rechten Parteien neben ihrer Verfallserzählung eint, ist die Ablehnung von Migration. Und genau wie Migration ist der Aufstieg der Rechten ein globales Ereignis – das in einigen Ländern seinen Zenith auch bereits überschritten zu haben scheint.









