Am 19. Dezember 2012 betritt ein unmaskierter Mann eine Volksbank-Filiale im Duisburger Stadtteil Rumeln. Aus seiner Jacke zieht er eine vermeintliche Pistole, bedroht damit die Kassiererin und fordert Bargeld. Die Frau händigt dem Mann das Geld aus, der Täter flüchtet zu Fuß.

Montag, Mittwoch, Freitag

Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

Hinter den Kulissen der Politik - meinungsstark, exklusiv, relevant.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Duisburger Polizei veröffentlicht noch am gleichen Tag ein Foto des Täters. Er habe „eine gepflegte Erscheinung und kurze Haare mit einem Ansatz von Geheimratsecken“, heißt es in der Öffentlichkeitsfahndung. Über den Banküberfall berichtet vor fast 14 Jahren auch die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, die wie diese Redaktion zur FUNKE Mediengruppe gehört.

Übereinstimmende Medienberichte zeigen nun, dass es sich bei dem Mann um den heute 41 Jahre alten AfD-Politiker Sascha Gläser aus Rostock handelt. Gläser ist stellvertretender Kreisvorsitzender und Direktkandidat für die bevorstehende Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.

Hintergründe zur AfD – für Sie recherchiert

Banküberfall: AfD-Politiker räumt Tat ein

Gegenüber der „Ostsee-Zeitung“ räumte Gläser den Banküberfall ein: „Rückblickend war die Tat Ausdruck einer persönlichen Krise und einer Flucht aus meinem Lebensumfeld“, so der AfD‑Politiker. Er habe damals in einer „toxischen Beziehung“ gelebt und wollte „radikal“ aus den für ihn „schädlichen Strukturen“ ausbrechen. Die Schusswaffe sei keine echte gewesen, sagt er. Laut „Bild“-Zeitung handelte es sich um ein Feuerzeug in Pistolenform.

Gläser wurde demnach wegen schwerer räuberischer Erpressung zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die Strafe verbüßte er im offenen Vollzug. Den Überfall sehe er heute „als den größten Fehler meines Lebens“, so Gläser. „Ich habe seit diesem Ereignis mein Leben komplett umgekrempelt.“ Heute führe er ein „unbescholtenes Leben“, so der AfD-Politiker.

251668_1833_251668_cover.jpg
Warum eskaliert unser Gespräch, Herr Tillschneider? (Abbruch nach knapp 50 Minuten)
Amann [un]framed
 

AfD in Mecklenburg-Vorpommern erwartet Mandatsverzicht

Der AfD in Mecklenburg-Vorpommern sei der Banküberfall nicht bekannt gewesen. Juristische Auswirkungen auf seine Kandidatur hat der damalige Überfall keine mehr. Der AfD-Co-Landeschef Enrico Schult sagte der „Bild“: „Da Herr Gläser nicht mehr vom Wahlzettel gestrichen werden kann, erwarten wir, dass er im Erfolgsfall auf das Mandat verzichtet, was er uns gegenüber bereits angekündigt hat.“ Gläser sei juristisch zwar resozialisiert. „Aber für Politiker gelten ganz klar andere Maßstäbe“, so Schult. Am Samstag war Gläsers Kandidatenprofil auf der Seite der Lands-AfD nicht mehr verfügbar. In Mecklenburg-Vorpommern wird am 20. September ein neues Landesparlament gewählt.

Daniel Peters, CDU-Chef in Mecklenburg-Vorpommern, schrieb bei X zu dem Fall: „Es zeigt sich, dass die AfD keine konservativ-bürgerliche Partei ist, sondern problematische Mitglieder duldet.“ Julian Barlen, Generalsekretär der SPD in Mecklenburg-Vorpommern, richtete sich bei Instagram an AfD-Landeschef Leif-Erik Holm: „Es reicht, räumen Sie auf in ihrem eigenen Laden.“

bee