Liebe Leserin, lieber Leser,

in dieser Woche hat mich der Tod der Country-Legende Dolly Parton beschäftigt. Ich erinnerte mich an die Sängerin mit blondem Kunsthaar, tiefem Ausschnitt und marionettenhaften Bewegungen. Meine Kollegin Theresa Martus machte uns in der Konferenz auf ihr gesellschaftliches Engagement aufmerksam. Und auf ihre Großzügigkeit. Denn Parton nutzte ihre Millionen und ihren Ruhm, um den Bau von Krankenhäusern zu finanzieren. Sie steckte Geld in die Impfstoffforschung. Sie verteilte Millionen an Opfer von Naturkatastrophen. Vor allem: Sie half mit regelmäßigen Buchgeschenken unzähligen Kindern, lesen zu lernen.

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Dolly Parton steckte ihre Millionen ins Gesundheitssystem und die Förderung von Kindern

„Danke Dolly“, titelte die Kollegin ihren Kommentar. Nachdem ich ihn gelesen hatte, ließ ich mir am Abend von meinem Google Home mehrfach Dolly Partons größten Hit, die Ballade „Jolene“, vorspielen, während Zucchini und Paprika für die Penne-Pfanne dünsteten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Dolly Partons beeindruckendes Lebenswerk, das Ulrike Borowczyk beschreibt, zeigt: Wer viel Geld hat, kann auch viel Gutes damit bewirken. In Zeiten, in denen schnell die Ellenbogen ausgefahren werden, sobald es um persönliche Einschränkungen geht, ist die Singer-Songwriterin ein Vorbild.

Der Ton ist rauer geworden. Doch alles muss sich auch Merz nicht gefallen lassen

Wir sind hingegen dabei, uns zu zerfleischen. Ob es um Migration geht, die Folgen des Klimawandels oder die Sozialreformen: Diskussionen bestehen inzwischen aus maximalen verbalen Angriffen und wirkungsvollen Gegenschlägen. Die „Flachzange“ muss herhalten, wenn AfD-Chefin Weidel über die Köpfe der Bundesregierung herzieht.

RTL-Interview mit Bundeskanzler Merz
Der Bundeskanzler hört bei der RTL-Sendung „Am Tisch mit Friedrich Merz“ einem Studiogast zu. © Sebastian Christoph Gollnow/dpa | Sebastian Christoph Gollnow

Dann wird dem Bundeskanzler eine „menschenverachtende“ Politik vorgeworfen, obendrein breche er seinen Amtseid, weil er unangenehme Einschnitte für unser Gesundheitswesen plant. So eine Kinderärztin in einem Social-Media-Post, den sie im TV-Talk auf RTL gegenüber dem Bundeskanzler wiederholt. Bei allem Verständnis für kritische Argumentation: „Das geht zu weit“, kontert Merz. Ich finde, zu Recht. Bei einem so heftigen persönlichen Angriff darf auch der Bundeskanzler auf ein Pokerface verzichten und seine Emotionen zeigen, schreibe ich in meinem Kommentar.

Mir ist klar, dass viele Menschen in Deutschland das anders sehen. Mir geht es auch gar nicht um den Inhalt. Ich kann den Ärger der Ärzte und Psychotherapeuten angesichts der massiven Einschnitte verstehen, denn auch uns Versicherten, die eine Menge Geld in das System pumpen, wird eine Menge zugemutet: von Krankschreibungen ab Tag 1 über Zuzahlungen für Medikamente bis zur Einschränkung der freien Arztwahl. Doch mir gefällt nicht, dass Debatten nur noch mit möglichst viel Krawall geführt werden. Oder hört sonst niemand mehr zu?

Birgitta Stauber-Klein Newsletter Bild
Birgitta Stauber, Textchefin © Montage | FMG/Reto Klar/FFS

Yayoi Kusama machte ihre Halluzinationen zu Kunst

Aber bleiben wir bei den Künstlerinnen und Künstlern. Auch die japanische Avantgarde-Künstlerin Yayoi Kusama starb – im hohen Alter von 97 Jahren. Sie litt unter Kindheitstraumata und Halluzinationen, floh nach New York und wurde zur Hippie-Ikone. 1977 kehrte sie nach Japan zurück, um dauerhaft in einer psychiatrischen Klinik zu leben. Mit ihren endlosen Punktmustern, den „Polka Dots“, feierte sie ein grandioses Comeback und wurde zur teuersten lebenden Künstlerin. Ich erinnere mich an eine Ausstellung im Berliner Gropius-Bau, wo ich ihr Konzept der Selbstauflösung im Universum erleben konnte. Unser Korrespondent Felix Lill beschreibt ihr Lebenswerk.

Yayoi Kusama
Yayoi Kusama vor ihrem Werk. Sie starb mit 97 Jahren. © Ota Fine Arts, Victoria Miro & David Zwirner | YAYOI KUSAMA, Courtesy Ota Fine Arts, Victoria Miro & David Zwirner

Mit ihrer Kunst brach Kusama aus den engen Grenzen der japanischen Gesellschaft aus und lebte ihren Freiheitsdrang. Ein anderer sehr einflussreicher zeitgenössischer Künstler ist Ai Weiwei. Wenn man einen Vergleich zu Kusama wagen möchte: Auch er arbeitet mit unzähligen Wiederholungen, mit monumentalen Räumen. Doch es sind keine Punkte, sondern Alltagsgegenstände, etwa Fahrräder und Stühle. Oder die 100 Millionen handgefertigten Porzellan-Sonnenblumenkerne, die er im Tate Modern in London auslegte. Die Kerne sind das Volk, doch das Volk hat nichts zu essen.

Ai Weiwei spricht im Interview über Alice Weidel

Kusamas Rebellion ging nach innen, in die menschliche Psyche. Ai Weiwei ist nicht nur ein heftiger Regimekritiker, der 2011 inhaftiert wurde. Er setzt sich auch mit politischen Realitäten und gesellschaftlichen Problemen außerhalb seiner Heimat auseinander. Philipp Hedemann hatte die Gelegenheit, den Künstler, der nach Jahren in Deutschland und Großbritannien inzwischen in Portugal lebt, zu interviewen. Lesen Sie hier, was er von Alice Weidel und der AfD in Sachsen-Anhalt hält, wie es zur spektakulären Installation mit 14.000 Rettungswesten vor dem Konzerthaus Berlin im Jahr 2015 kam und was er heute über seine Mittelfingergeste denkt, mit der er berühmt wurde.

AI WEIWEI
Der chinesische Künstler Ai Weiwei denkt auch über deutsche Politik nach. © picture alliance / MAXPPP | Martin ROCHE

Ich hoffe, ich habe Ihnen nicht zu viel Kunst zugemutet. Tatsächlich habe ich mich aber diese Woche regelrecht auf die Themen gestürzt und den Trump-Irrsinn ausgeblendet. Ich kann mich auch gar nicht mehr darüber aufregen, dass er den Lake Ontario in Lake America umbenennt, um Kanada zu provozieren. Falls Sie es nachlesen möchten: Unser Korrespondent Dirk Hautkapp berichtet wie immer zuverlässig.

Eine Genmutation zwingt diese junge Frau zu einer radikalen Operation

Nun ein ernstes Thema: Bei mir steht wieder eine Krebsvorsorge an. Lust habe ich dazu nicht, aber der Termin steht. Bei der jungen Frau Matea ist es mit Abstrich, Ultraschall und Mammografie nicht getan: Sie hat wie ihre Mutter eine Genmutation, die die Wahrscheinlichkeit von Brust- und Eierstockkrebs massiv erhöht. Weil ihre Mutter daran starb, hat sie sich vorsorglich mit 24 Jahren Brust und Eierstöcke entfernen lassen.

Matea Tadic (BCRA-Mutation)
Matea lebt mit vorzeitiger Menopause. © FUNKE Foto Services | Reto Klar

Meiner Kollegin Marta Ways hat sie erzählt, wie es ihr damit geht, bereits in so jungen Jahren in der Menopause zu sein, was die Hormonersatztherapie mit ihr macht und wie der drastische Schritt ihre Lebensplanung beeinflusst. „Ich habe den Weg gewählt, der mir die größte Chance auf ein langes Leben gibt“, sagt Matea.

Eine Wärmepumpe, die bei Hitze kühlt? Die gibt es tatsächlich

Während ich diesen Newsletter schreibe, ist mir mal wieder ganz schön warm. Dabei geht doch in diesen Tagen der August zu Ende, trotzdem klettert das Thermometer wieder über 30 Grad. Und womöglich wird es im September noch mal richtig heiß. Wer jetzt eine neue Heizung einbauen will oder auch muss, denkt vielleicht auch über eine passende Kühlung nach.

Familie Ganster vor ihrem Haus
Familie Ganster aus Bochum hat sich eine Wärmepumpe eingebaut, die auch kühlt. © FUNKE Foto Services | Socrates Tassos

So geht es den Eltern meiner Kollegin Jennifer Ganster. Sie haben in ihr Haus in Bochum eine Wärmepumpe eingebaut, die im Sommer auch kühlen kann. Meine Kollegin nimmt Sie mit in ihr Elternhaus, in dem trotz Photovoltaikanlage und Wärmedämmung der Keller feucht und der Flur kalt war. Lesen Sie hier, was hinter der Entscheidung der Eltern steckt, so eine moderne Anlage einzubauen. Kann sie auch bei Hitzenächten das Schlafzimmer erträglich kühl halten? Und wird sie im Winter warm genug? Wie funktioniert sie und was kostet sie? Gibt es Förderungen und was sagt der Klimaexperte?

Mich begeistern jedenfalls derartig neue Techniken, und ich wünschte, wir würden mit der Entwicklung von modernen Technologien unsere alte wirtschaftliche Größe zurückerlangen, statt Verbrennermotoren und Ölheizungen hinterher zu jammern. Wir werden sehen, was sich die nächsten Jahre tut. Die Politik sollte jedenfalls dafür die Weichen stellen.

Genießen Sie den letzten August-Sonntag! Es grüßt Sie herzlich

Ihre Birgitta Stauber