Distanzunterricht, Wechselunterricht, zum Teil war die Schule einfach ganz zu: Die Corona-Maßnahmen im Bildungsbereich stellten in den Pandemiejahren viele Familien vor große Probleme. Gelöst haben diese vor allem Mütter – auf Kosten ihrer Erwerbstätigkeit. Das zeigt jetzt eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin), die dieser Redaktion vorliegt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Basierend auf den Befragungen des Sozioökonomischen Panels zwischen Januar 2019 und Dezember 2021 haben die Forscherinnen und Forscher untersucht, welche Auswirkungen Schulschließungen auf die Lohnarbeit von Eltern hatten. „Das ließ sich gut machen, weil unterschiedliche Landkreise zu unterschiedlichen Zeiten Einschränkungen im Präsenzunterricht hatten“, sagt Markus Grabka, einer der Autoren der Studie. Das Team konnte also vergleichen zwischen Gegenden, wo die Kinder bereits zu Hause betreut werden mussten, und anderen – und so den Effekt der Schließungen herausarbeiten.
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Dabei zeigte sich: Vor allem bei Familien, die ausschließlich Kinder im Grundschulalter hatten, waren es die Mütter, die als Reaktion auf weniger Präsenzunterricht ihre Arbeitszeit reduzierten. In dieser Gruppe sank die Wahrscheinlichkeit, dass die Frauen in Vollzeit arbeiteten, mit der Einführung von Schulschließungen um 4,8 Prozent. Die Beschäftigung insgesamt, also Vollzeit- und Teilzeitbeschäftigte zusammengenommen, blieb dabei laut DIW gleich. Die Mütter arbeiteten also weniger in ihren Berufen, legten die Erwerbsarbeit aber nicht vollständig nieder.
Die Mütter reduzierten ihre Arbeitszeit – die Väter arbeiteten mehr
Unter den Vätern dagegen stieg die Wahrscheinlichkeit, in Voll- oder Teilzeit beschäftigt zu sein, sogar um 5,2 Prozent – mutmaßlich, um die Einkommensverluste des Haushaltes auszugleichen, wie das DIW schreibt. Die Zahlen zeigen dabei auch einen Unterschied nach Familienstand: Unter verheirateten Paaren, die nur Kinder im Grundschulalter hatten, war der Effekt deutlicher als unter nicht verheirateten Paaren. „Wir interpretieren das so, dass verheiratete Paare eher noch als unverheiratete sich an einem klassischen Rollenbild orientieren“, sagt Mitautor Grabka.
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Bei Familien, die auch ältere Kinder hatten, waren vergleichbare Effekte laut DIW nicht zu beobachten – möglicherweise, weil ältere Kinder in Betreuungsaufgaben eingebunden wurden. Wie lange der Effekt anhielt – ob die betroffenen Mütter also nach Ende der Schulschließungen ihre Arbeitszeit wieder erhöhten –, wurde nicht untersucht.
Im DIW-Team fürchtet man, dass die Pandemie und vergleichbare Krisensituationen so bestehende Ungleichheiten verstärken können. Frauen seien schon jetzt in vielen Dimensionen im Erwerbsleben benachteiligt, etwa wenn es um Lohnungleichheit oder geringere Rentenansprüche gehe, sagt Grabka. „Wenn vor dem Hintergrund der höheren Löhne der Männer überwiegend Frauen in Ausnahmesituationen ihre Erwerbstätigkeit reduzieren, dann hat das eine strukturelle Dimension.“ Wenn beide Elternteile arbeiten wollten, sollten die Rahmenbedingungen so sein, dass beide auch in Krisensituationen ihre Erwerbstätigkeit im gewünschten Umfang aufrechterhalten können, sagt er.








