Lange galt als gesetzt, dass erstmals eine Frau das Amt des Bundespräsidenten übernehmen soll. Neben Ilse Aigner (CSU) oder Karin Prien (CDU) wurde auch Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) als mögliche Nachfolgerin für Frank-Walter Steinmeier (SPD) gehandelt. Doch schon seit einigen Wochen scheinen auch Männernamen für das ranghöchste Amt diskutiert zu werden. Vom CDU-Mann Boris Rhein war bereits vor einigen Wochen die Rede als mögliches Staatsoberhaupt. Nun scheint ein neuer Name auf dem Tableau zu liegen: In der Union wird offenbar der Hochschullehrer und Verfassungsrechtler Udo di Fabio in Erwägung gezogen. Das berichtet „Table.Briefings“ und beruft sich auf CDU-Kreise.

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„Im Umfeld des Kanzlers und in einer CDU-geführten Landes-Regierungszentrale“ kursiere der Name di Fabios. Für ihn spreche unter anderem, dass der Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ihn schätze. Und das schon seit Jahrzehnten: Im Jahr 2005 hielt Merz eine Laudatio auf di Fabio, als die Wirtschaftslobbyorganisation Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) ihm einen Preis als „Reformer des Jahres“ verliehen hatte. Merz hatte die Auszeichnung im Jahr zuvor erhalten. Auch vor der Bundestagswahl setzte Merz auf di Fabio und beauftragte ihn mit einem Gutachten zur Reform der Schuldenbremse.

CDU: In Parteikreisen kursiert Udo di Fabio als möglicher Kandidat für das Bundespräsidentenamt

Udo di Fabio ist parteilos. Der Jurist wurde 1954 geboren und ist heute somit 72 Jahre alt. Der Sohn italienischer Einwanderer studierte Rechtswissenschaft an der Ruhr-Universität Bochum und ist heute Seniorprofessor für Öffentliches Recht an der Universität Bonn. Di Fabio war von Dezember 1999 bis Dezember 2011 Richter am Bundesverfassungsgericht – auf Vorschlag der CDU. Außerdem führt er zwei Doktortitel: Eine Dissertation schrieb er zum Rechtsschutz im parlamentarischen Untersuchungsverfahren. Seine zweite Doktorarbeit verfasste er im Fach Sozialwissenschaften – sein Doktorvater war der Soziologe Niklas Luhmann.

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Di Fabio gilt als konservativ. Laut „Table.Briefings“ will Merz im Hinblick auf die – auch verfassungsrechtlich wahrscheinliche – Auseinandersetzung mit der AfD einen Juristen ins Amt bringen. Die SPD will aber weiter an einer Bundespräsidentin festhalten. Mit einem Jura-Abschluss kann immerhin Karin Prien dienen. Ihr Schwerpunkt lag jedoch nicht im Verfassungsrecht: Sie arbeitete zunächst als Rechtsanwältin im Wirtschafts- und Insolvenzrecht, später war sie Fachanwältin für Handels- und Gesellschaftsrecht. Nach den Landtagswahlen im September wollen sich CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder beraten – im Anschluss soll gemeinsam mit der SPD über die Nachfolge von Steinmeier gesprochen werden.