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Donald Trump liebt Kriege, deren Schlachtfelder man nicht im Fernsehen sehen kann: Zölle, Sanktionen, eingefrorene Konten, schwarze Listen. Sie erlauben dem Präsidenten, maximale Härte anzukündigen, ohne neue Bomber loszuschicken.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gegen den Iran soll nun, nach fast sechs Monaten Krieg und zwei gescheiterten Waffenruhen, die ökonomische Superlativ-Folter kommen. Trump verspricht „Wirtschaftskrieg und Isolation in beispiellosem Ausmaß“, einen „Economic D-Day“, die „vernichtendste wirtschaftliche Operation, die jemals gegen ein Land unternommen wurde“. Und er droht nicht nur Teheran. „Jedes Land“, das Iran über Banken, Unternehmen, Flughäfen oder staatliche Stellen irgendeine „Lebensader“ offen halte, werde „gewaltige wirtschaftliche Konsequenzen“ zu spüren bekommen. Was das im Detail bedeutet, sagte Trump wie immer nicht.

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Iran-Krieg: Iran könnte Kosten erneut internationalisieren

Dass ein Wirtschaftskrieg nicht zwangsläufig wirtschaftlich bleiben würde, macht Teheran unterdessen unmissverständlich klar. Nach Informationen der „Financial Times“ haben iranische Militärs für den Fall einer neuen amerikanischen Eskalation bereits mögliche Angriffe auf US- und westliche Ziele in Südosteuropa geprüft. Zwei regimenahe Insider nannten der Zeitung ausdrücklich Bulgarien, wo die USA den Luftwaffenstützpunkt Besmer für Tankflugzeuge nutzen dürfen, sowie Zypern als mögliche Vergeltungsziele. Auch Attacken auf Unterwasser-Glasfaser-Kabel in der Straße von Hormus seien untersucht worden.

Damit ist klar: Je existenzieller Washington den wirtschaftlichen Druck gestaltet, desto größer wird damit auch das Risiko, dass Iran versucht, die Kosten wieder zu internationalisieren – militärisch, gegen Infrastruktur oder gegen amerikanische Präsenz außerhalb des Nahen Ostens.

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Aber tatsächlich besitzt Trump Instrumente, mit denen er Irans Wirtschaft noch härter treffen könnte. Nur dürfte er sie kaum so umfassend einsetzen, wie seine Rhetorik nahelegt. Denn die schärfsten Waffen führen ziemlich direkt nach China – und von dort zurück in die amerikanische Wirtschaft.

Der erste Hebel ist – natürlich – das Öl. China kauft nach Angaben des US-Finanzministeriums rund 90 Prozent der iranischen Ölexporte. Ein großer Teil landet bei unabhängigen Raffinerien. Im April sanktionierte Washington Hengli in Dalian wegen mutmaßlicher Käufe iranischen Öls für Milliarden Dollar; rund 40 Reedereien und Schiffe kamen ebenfalls auf schwarze Listen.

Iran-Krieg: Trump könnte Sanktionen ausweiten

Hier liegt die realistischste Eskalationsstufe. Washington kann weitere Raffinerien, Tanker, Versicherer, Händler, Wechselstuben und Scheinfirmen sanktionieren. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus hat die Sanktionsbehörde des US-Finanzministeriums (Ofac) bereits mehr als 1000 Personen, Schiffe und Flugzeuge mit Iran-Bezug erfasst. US-Medien zufolge wurden zudem Iran zugerechnete Kryptowerte von geschätzt 500 Milliarden Dollar eingefroren.

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Brett Erickson von Obsidian Risk Advisors nennt die Jagd auf Tarnfirmen ein „Whack-a-Mole“-Spiel: Kaum sei eine Firma ausgeschaltet, entstehe die nächste. Das Vorgehen habe Irans Verhalten bislang nicht grundlegend verändert.

Sanktionsexperten warnen vor chinesischer Gegenwehr

Die zweite Stufe wäre wesentlich gefährlicher: chinesische Banken. Das US-Finanzministerium hat zwei größere Institute bereits vor iranischen Geldströmen gewarnt, sie aber nicht sanktioniert. Eine Briefkastenfirma vom Dollar abzuschneiden, ist etwas anderes, als eine große chinesische Bank aus dem US-Finanzsystem zu schubsen. Das könnte Handelsfinanzierung und Lieferketten treffen – und Peking zu Gegenmaßnahmen bei Seltenen Erden und Kritischen Mineralien veranlassen. Genau vor dieser Reaktion warnen Sanktionsexperten. 2025 belief sich der US-chinesische Warenhandel auf rund 415 Milliarden Dollar; allein im ersten Halbjahr 2026 importierten die USA Waren für gut 129 Milliarden Dollar aus China.

Trump besitzt zudem Strafzölle als Waffe. Eine Präsidialanordnung vom Februar sieht beispielhaft 25 Prozent Aufschlag auf Waren aus Staaten vor, die iranische Güter oder Dienstleistungen kaufen. Allerdings hat der Oberste Gerichtshof die Rechtsgrundlage für einen Teil solcher Zölle beschnitten; belastbarer wäre ein Gesetz des Kongresses.

Iran: Graham-Entwurf könnte zur politischen Falle werden

Hier kommt der nach dem verstorbenen Senator benannte „Lindsey O. Graham Sanctioning Russia and Iran Act“ ins Spiel. Der vom Senat vorangetriebene Entwurf erlaubt Zölle von bis zu 100 Prozent gegen Länder, die russisches Öl oder Gas kaufen oder Sanktionsumgehung erleichtern, und verschärft zugleich Iran-Maßnahmen. Für Trump wäre das ein mächtiger Werkzeugkasten – und eine politische Falle.

Denn dann geraten China und Indien vollends ins Visier. Nicht wegen Iran. Neu-Delhi ist vielmehr einer der größten Käufer russischen Rohöls. Im August bezog Indien nach Daten der Agentur Kepler aus Moskau etwa 1,87 Millionen Barrel Öl pro Tag; China lag bei seinen seeseitigen Russland-Importen bei bis zu 1,25 Millionen Barrel.

Russland ist ein Sonderfall

Würde Washington die Graham-Logik konsequent anwenden und gleichzeitig jeden Iran-Handel bestrafen, träfe es zwei der größten Volkswirtschaften der Welt. Die USA importierten 2025 Waren für fast 104 Milliarden Dollar aus Indien. Ein Zoll von 100 Prozent wäre eine massive Handelsbarriere. Zugleich ist Indien für Washington ein strategischer Partner als Gegengewicht zu China.

Russland ist ein Sonderfall: kein entscheidender Käufer iranischen Öls, aber ein strategischer Partner Teherans und selbst Ziel eines dichten Sanktionsnetzes. Hier würden sich zwei Sanktionsregime überlagern.

Ölmarkt bleibt größtes Hindernis

Iran hat unterdessen gelernt, unter Sanktionen zu leben. Der Ökonom Esfandyar Batmanghelidj beschreibt das als Anpassung, nicht als Erfolg: Sanktionen haben Investitionen, Technologiezufluss und Wachstum beschädigt, Iran aber nicht aus der Weltwirtschaft entfernt. Der Ölanalyst Clay Seigle erinnert daran, wie wirksam eine konsequente Durchsetzung dennoch sein kann: Unter Trumps erster „Maximum Pressure“-Kampagne fielen Irans Rohölexporte von mehr als zwei Millionen Barrel täglich auf rund 330.000.

Der Ölmarkt bleibt darum das größte Hindernis. Vor dem Krieg passierten rund 18 Millionen Barrel täglich die Straße von Hormus, zuletzt zeitweise nur etwa zwei Millionen. Die Golf-Exporte lagen Mitte August mit 9,2 Millionen Barrel pro Tag ungefähr halb so hoch wie vor dem Krieg; Öl der Sorte Brent kostete am Montag 90,87 Dollar. Mehr als 20 Prozent der Raffineriekapazität im Nahen Osten sind zudem ausgefallen.

Damit erreicht Trumps Wirtschaftskrieg seine paradoxe Grenze. Je erfolgreicher Washington iranische Barrels vom Markt nimmt und zugleich Käufer russischen Öls bestraft, desto größer wird der Druck auf das globale Angebot. Höhere Energiepreise schlagen auf Fracht, Lebensmittel und Inflation durch – und schließlich auf US-Tankstellen. Wenige Wochen vor den „Midterms“ wäre das jener Preis, den Trump politisch am wenigsten gebrauchen kann. Dass der Präsident nicht nur die iranische Wirtschaft, sondern auch die eigene schwer leiden lässt, gilt darum als unwahrscheinlich.