Korruption scheint in Donald Trumps Washington inzwischen fast wie ein Franchise-Modell zu funktionieren. Wenn der Präsident selbst seit seinem Wiedereinzug ins Weiße Haus mit privaten Geschäften Milliarden hinzuverdient, wächst offenbar auch bei Mitarbeitern die Versuchung, aus der Nähe zur Macht Kapital zu schlagen. Nun hat ausgerechnet einer der Männer, die Trump im wahrsten Sinne des Wortes Satz für Satz den Weg weisen, die Grenze zwischen Staatsdienst und Eigennutz überschritten.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Gabriel Perez, seit 2016 Trumps Teleprompter-Operator und technischer Berater, soll nach Erkenntnissen der US-Aufsichtsbehörde CFTC mehr als 100 000 Dollar verdient haben, indem er auf der Wettplattform Kalshi auf den Inhalt von Reden des Präsidenten setzte. 

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Nach Angaben mehrerer mit den Ermittlungen vertrauter Personen, über die US-Medien berichten, platzierte Perez über Monate Wetten darauf, welche Begriffe oder Themen Trump in öffentlichen Auftritten verwenden würde – Informationen, die ihm durch seine Arbeit vorab zugänglich gewesen sein sollen. Kalshi meldete die auffälligen Geschäfte selbst den Behörden.

Der Fall betrifft mehr als ein Dutzend Reden, darunter die Rede zur Lage der Nation sowie Auftritte in Davos und bei weiteren offiziellen Veranstaltungen. Perez soll zu den letzten Mitarbeitern gehört haben, die Trumps Redemanuskripte vor den Auftritten sahen, und habe häufig sogar kurzfristige Änderungen des Präsidenten eingearbeitet.

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Am Rednerpult ist Donald Trump für Dritte echtes Geld wert.© IMAGO/Marek Ladzinski

Das Weiße Haus reagierte umgehend. Sprecherin Karoline Leavitt erklärte am Donnerstag, Trump halte den Vorgang für „eine Schande“ und habe persönlich entschieden, Perez bis auf Weiteres ohne Bezahlung zu beurlauben. Zugleich betonte sie: „Das Weiße Haus hat äußerst strenge Ethikregeln, an die sich alle Mitarbeiter und Regierungsvertreter halten müssen.“

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Interessenkonflikte gehören zum politischen Alltag – jetzt auch am Teleprompter

Kalshi teilte mit, das eigene Überwachungssystem habe die verdächtigen Geschäfte erkannt und unverzüglich an die Commodity Futures Trading Commission weitergeleitet. „Unser Überwachungsteam hat diese Transaktionen umgehend markiert und an die CFTC verwiesen“, erklärte Kalshis Leiter der Rechtsdurchsetzung, Bobby DeNault. Die Plattform verbietet ausdrücklich Wetten auf Grundlage nicht öffentlicher Informationen.

Der Vorgang wirft ein grelles Licht auf die Grauzonen einer Regierung, in der Fragen nach Interessenkonflikten seit Monaten zum politischen Alltag gehören – diesmal allerdings nicht an der Spitze, sondern am Teleprompter.