Auf die Beitragszahler der staatlichen Rente kommt wohl eine Mehrbelastung zu. Am Montag berichteten mehrere Medien darüber, dass die Rentenbeiträge ab dem Jahr 2028 von derzeit 18,6 Prozent auf 19,9 Prozent steigen könnten. Die Deutsche Rentenversicherung Bund bestätigte die Zahlen und verwies auf ihre aktuelle Frühjahrsfinanzschätzung, die im Mai veröffentlicht worden war.  

Der Schätzung zufolge werden sich die Beiträge in den Jahren bis 2040 noch weiter erhöhen. Wie sicher ist das? Fragen und Antworten:

Wie hoch könnten die künftigen Beiträge sein?

Die Rentenversicherung teilte auf Anfrage mit, dass der für 2028 prognostizierte Anstieg des Beitragssatzes von 18,6 auf 19,9 Prozent nicht unerwartet komme. Bereits im November vergangenen Jahres habe Bundesvorstands-Chef Alexander Gunkel einen Anstieg auf 19,8 Prozent im Jahr 2028 angekündigt.

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Nun fällt die Mehrbelastung sogar noch etwas höher aus. Und der Trend wird sich in den kommenden Jahren wohl fortsetzen, wenn die Schätzungen zutreffen. Die Rentenversicherung prognostiziert für die Zeit ab 2029 einen Beitrag von 20 Prozent, ab 2035 werde er auf 20,9 Prozent weiter steigen und ab 2040 schon bei 21,1 Prozent liegen.

Warum sollen die Beiträge gerade jetzt steigen?

Das zuständige und von der SPD-Vorsitzenden Bärbel Bas geführte Bundesministerium für Arbeit und Soziales teilte auf Anfrage mit, dass der Grund für den Anstieg die demografische Entwicklung „und vor allem der Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge in den kommenden Jahren“ sei.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der für 2028 prognostizierte Wert sei einer „leicht ungünstigeren Beschäftigungsentwicklung“ in der Frühjahrsprojektion der Bundesregierung geschuldet, so das Ministerium.

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Den Angaben der Rentenversicherung zufolge ist der aktuelle Beitragssatz seit 2018 durchgehend stabil. In den Jahren zuvor sei er bereits deutlich höher als heute gewesen. „Bei dem für 2028 erwarteten Anstieg handelt es sich um die erste Erhöhung seit 2007“, hieß es.

Wie hoch sind Einnahmen und Ausgaben der Rente?

Die Rentenversicherung Bund nahm 2024 insgesamt 396,6 Milliarden Euro ein. Davon waren 272 Milliarden Euro Pflichtbeiträge aus Erwerbstätigkeit. Der Bund steuerte 87,8 Milliarden Euro dazu. Neben dem Pflichtbeitrag und dem Bundeszuschuss gibt es weitere, kleinere Einnahmequellen für die Rente – zum Beispiel von der Bundesagentur für Arbeit (5 Milliarden Euro). Die Ausgaben lagen bei 397,4 Milliarden Euro.

Im Jahr 2025 nahm die Rentenversicherung nach vorläufigen Zahlen 417,4 Milliarden Euro ein. Davon kamen 284,9 Milliarden Euro aus den Pflichtbeiträgen und 93,2 Milliarden Euro vom Bund. Die Ausgaben lagen bei 421,3 Milliarden Euro.

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Wüste Spekulation
Rambo Zambo – Der Merz-Podcast
 

Dazu verwaltet die Rentenversicherung eine Nachhaltigkeitsrücklage – ein Sicherheitspuffer, um mögliche Defizite zu decken. Dieser betrug 2024 am Ende des Jahres 44,4 Milliarden Euro. Nach vorläufigen Zahlen betrug er 2025 am Ende des Jahres 41,3 Milliarden Euro.

Was plant die Bundesregierung?

Die schwarz-rote Koalition will eine umfangreiche Rentenreform auf den Weg bringen. Bis Ende Juni soll die von der Regierung eingesetzte Rentenkommission Vorschläge präsentieren. Arbeits- und Sozialministerin Bas sagte nun in einem Gastbeitrag in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, sie wünsche sich, „dass die Rentenkommission eine einstimmige Empfehlung abgibt“. Das hatten Kanzler Friedrich Merz (CDU) und sie klar als Erwartung an die Vorsitzenden formuliert. „Dann werden wir das so umsetzen. Anderenfalls müssen wir in der Koalition darüber reden.“

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Was die 13‑köpfige Rentenkommission, bestehend aus Experten und drei Abgesandten der Regierungsparteien, derzeit diskutiert und welchen Stand die Gespräche haben, ist nicht klar. Die Runde hat strikte Vertraulichkeit vereinbart. Jede Anfrage an Mitglieder der Kommission wird abgewiesen.

Ob die Rentenbeiträge tatsächlich steigen, hängt stark von dem ab, was die Kommission präsentieren wird.

Welche Reaktionen gibt es?

Die Sozialverbände verwiesen auf Umfragen, deren zufolge die Menschen bereit sind, etwas höhere Rentenbeiträge zu zahlen, wenn sie dafür im Alter eine gute Rente bekommen. Sie haben aber zunächst noch andere Ideen.

Die Vorstandsvorsitzende des Sozialverbands Deutschland (SoVD), Michaela Engelmeier, sagte dieser Redaktion: „Klar ist, dass die Alterssicherung in Zukunft mehr Geld kosten wird.“ Die Debatte greife jedoch zu kurz, wenn sie sich zu stark auf die Höhe der Rentenbeiträge konzentriere. Deshalb brauche es einen Maßnahmen-Mix: Versicherungsfremde Leistungen müssten aus Steuermitteln finanziert werden, alle Erwerbstätigen müssten in die gesetzliche Rentenversicherung einbezogen werden „und erst danach kann geprüft werden, ob eine moderate Anhebung des Beitragssatzes erforderlich ist“, so Engelmeier.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK Deutschland (VdK), Verena Bentele, sagte dieser Redaktion: „Dass der Beitragssatz zur gesetzlichen Rente aufgrund der demografischen Entwicklung im Jahr 2028 steigen wird, ist seit Jahren bekannt.“ Bentele forderte zur Finanzierung der Rente höhere Bundeszuschüsse, die Einbeziehung von Beamten, höhere Beitragsbemessungsgrenzen, eine stärkere Beteiligung der Arbeitgeber sowie eine Stärkung der Erwerbstätigkeit von Frauen. Außerdem müssten Geflüchtete und ältere Beschäftigte besser in den Arbeitsmarkt integriert werden.