Nach fünf Jahren kontinuierlichen Anstiegs ist die Zahl der Abschiebungen aus Deutschland im ersten Quartal 2026 gesunken. In den ersten drei Monaten des Jahres wurden rund 21 Prozent weniger Menschen abgeschoben als im selben Zeitraum 2025.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Insgesamt wurden in den ersten drei Monaten 4807 Menschen zwangsweise außer Landes gebracht, 1344 weniger als im ersten Quartal 2025. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Linken-Abgeordneten Clara Bünger hervor.
Türkei bleibt Hauptzielland für Abschiebungen
Mit 601 abgeschobenen Personen war die Türkei in den ersten drei Monaten dieses Jahres das häufigste Zielland. Dahinter folgen Georgien mit 266 Rückführungen sowie Nordmazedonien, wohin 230 Menschen abgeschoben wurden.
Beim Vergleich der Zielstaaten zwischen dem ersten Quartal 2025 und dem aktuellen Zeitraum fällt auf, dass deutlich weniger Menschen nach Spanien und Frankreich überstellt wurden. Nach Spanien sank die Zahl von 325 auf 192 Abschiebungen. Bei den Abschiebungen nach Frankreich gab es einen Rückgang von 333 auf 174.
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Bamf arbeitet Altfälle auf und nutzt sinkende Asylantragszahlen
Einen direkten Zusammenhang zwischen den seit rund eineinhalb Jahren rückläufigen Zahlen unerlaubter Einreisen und Asylerstanträgen hat man bislang nicht eindeutig feststellen können. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) nutzte vielmehr frei gewordene Kapazitäten infolge sinkender Antragszahlen, um ältere Verfahren aufzuarbeiten. Diese können im Falle einer Ablehnung ebenfalls in eine Abschiebung münden.
Bei den sogenannten Dublin-Überstellungen in EU-Staaten wie Frankreich oder Spanien lässt sich hingegen ein Zusammenhang zwischen geringeren Einreisezahlen und weniger Rückführungen vermuten. Nach den Dublin-Regelungen ist eine Überstellung nur innerhalb bestimmter Fristen möglich. Wird diese Frist überschritten, geht die Zuständigkeit auf den Staat über, in dem der Asylantrag gestellt wurde. Das Bamf bemüht sich daher insbesondere bei kooperationsbereiten EU-Staaten um eine zügige Bearbeitung dieser Fälle.
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Iran-Krieg erschwert Abschiebungen und sorgt für Flugausfälle
Ein zusätzlicher Einflussfaktor dürfte der Konflikt zwischen Israel und den USA mit dem Iran sein, der Ende Februar begann. Dabei geht es weniger um die geringe Zahl von Abschiebungen in den Iran selbst – im ersten Quartal waren es drei Personen, im Vorjahreszeitraum fünf. Mehrere Bundesländer haben zudem Abschiebungen in den Iran ausgesetzt.
Allerdings haben die kriegsbedingten Entwicklungen dazu geführt, dass zahlreiche Flugverbindungen gestrichen wurden, was Abschiebungen per Linienflug erschwert. Auch die Organisation von Sammelcharterflügen gestaltet sich für bestimmte Regionen deutlich schwieriger. So wurden etwa im ersten Quartal des Vorjahres noch 157 Menschen in den Irak abgeschoben, während dieser im aktuellen Zeitraum nicht mehr unter den wichtigsten Zielländern auftauchte.
Die Linke-Abgeordnete Bünger kritisierte die Praxis und bezeichnete Abschiebungen in den Iran bereits vor dem aktuellen Krieg als unverantwortlich. Sie verwies dabei unter anderem auf die gewaltsame Niederschlagung von Massenprotesten im Land zu Beginn des Jahres.
mit dpa





