Noch ist ein dauerhaftes Ende des Iran-Krieges nicht in Sicht. Doch die Bundeswehr bereitet sich schon intensiv auf einen möglichen Einsatz vor der iranischen Küste vor, sobald die Waffen verlässlich schweigen. Das Bundesverteidigungsministerium kündigte am Samstag an, in Kürze werde das Minenjagdboot „Fulda“ ins Mittelmeer verlegt – damit das Schiff im Fall der Fälle schnell im Einsatzgebiet in der Straße von Hormus sein könne. Hinzu komme ein Führungs- und Versorgungsschiff. Mit der „Vorausstationierung“ soll die Zeit genutzt werden, bis der Bundestag dem Einsatz ein Mandat erteilt hat.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der mögliche Auftrag einer internationalen Mission: die Sicherung der strategisch wichtigen Straße von Hormus – jener Meerenge, durch die in Friedenszeiten ein Fünftel des globalen Öltransports abgewickelt wird. Jetzt ist sie weitgehend blockiert und stellenweise vermint. Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sagte, die Marine sei „richtig gut darin, Minen aufzuspüren und zu räumen“. Mit diesen Fähigkeiten könne die Marine in der Meerenge von Hormus zu einer freien und sicheren Schifffahrt und Navigation beitragen, wenn die Kampfhandlungen beendet seien, sagte Pistorius der „Rheinischen Post“.
„Die Marine wird bereit sein“, versicherte zuvor auch Marine-Inspekteur Jan Christian Kaack. Im Zentrum des Bundeswehreinsatzes stünde auch nach den Worten von Vizeadmiral Kaack die Minenräumung. Daneben ist die Entsendung von Spezialflugzeugen zur Seefernaufklärung in der Planung, vielleicht schon mit den neuen P-8-Poseidon-Maschinen. Voraussetzung auch hier: ein Mandat des Bundestages. Für die Soldaten gilt bereits eine Urlaubssperre. Wie würde ein solcher Bundeswehreinsatz aussehen?

Drei Optionen: So funktioniert die Minenräumung
Zehn Minenjagdboote der Frankenthal-Klasse sind Kern der deutschen Minenabwehr, die „Fulda“ gehört dazu. Die 54 Meter langen Schiffe mit einer Besatzung von 44 Soldatinnen und Soldaten sind mit speziellen Drohnen ausgestattet, zum Teil sind auch Taucher-Einheiten an Bord. „Wir sind das Auge der Marine unter Wasser“, sagt die Kommandeurin des Geschwaders, Fregattenkapitän Inka von Puttkamer.
Drei Optionen hat die Marine für die Minenräumung. Erstens können kabelgelenkte Drohnen vom Typ Seefuchs, die mit Sonar und Kamera oder mit einer kleinen Sprengladung ausgestattet sind, die Minen entdecken, greifen oder gleich zerstören. An Bord der Minenjäger gibt es besonders geschulte „Sonaristen“, die mit dem Sonar das Einsatzgebiet nach Auffälligkeiten absuchen. Minen schweben entweder knapp unter der Wasseroberfläche und detonieren bei Berührung mit dem Schiffsrumpf, oder sie liegen auf dem Meeresboden und zünden ihre Sprengladungen, wenn sich große vorbeifahrende Schiffe durch Geräusch oder Magnetfelder verraten. Die „Fulda“ hat 28 der Seefuchs-Drohnen (sogenannte Minenvernichtungsanlagen) an Bord.
Mehr rund um die Bundeswehr
Zweite Methode: Die Jagdboote schicken Überwasserdrohnen der Seehund-Klasse los: Sie täuschen mit Motorgeräusch oder einem künstlichen Magnetfeld eine Schiffspassage vor und lösen so gezielt die kontrollierte Detonation einer Mine aus. In komplizierten Lagen – in Häfen oder schwierigem Küstengelände – greift die Bundesmarine drittens auf ihre rund hundert Minentaucher zurück. Bis zu zwölf dieser Spezialkräfte können auf einem Minenjagdboot im Einsatz sein. Die Ausbildung zum Minentaucher ist eine der härtesten Spezialisierungen der Bundeswehr, sie gilt als physisch und psychisch extrem anspruchsvoll, die Ausfallquote liegt bei etwa 50 Prozent.
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Die Minenjagdboote mit nur 2,60 Meter Tiefgang bestehen aus nichtmagnetischem Stahl und haben eine Eigenschutzanlage zur Unterdrückung magnetischer Felder – dadurch können sie sich im Bedarfsfall langsam und kontrolliert durch ein Minenfeld bewegen, ohne eine Detonation auszulösen. Innerhalb der Nato werden die Fähigkeiten der deutschen Minenräumer hoch geschätzt; zwei Minenjagdboote der Bundesmarine sind immer im ständigen Nato-Einsatz. Ein Grund für die besondere Kompetenz der Bundeswehr sind die riesigen Minen-Altlasten in der Nord- und Ostsee aus den beiden Weltkriegen, die immer noch nicht vollständig geborgen sind.
Die Bundeswehr kann auch selbst Minen auslegen
Die Minenkriegsführung gilt für die Nato aber auch aktuell als Kernfähigkeit im Ostseeraum: Seeminen haben hohe strategische Bedeutung, die Technologie ist weit fortgeschritten. Die deutsche Ostseeküste wäre vom Minenkrieg besonders betroffen – wegen der vielen Marinestützpunkte und wegen der Zufahrt zum Nord-Ostsee-Kanal. Zu den Optionen der Bundeswehr gehört auch, selbst Minen auszulegen. Die Minenjagdboote haben dazu Vorrichtungen, um bis zu 20 Seeminen auszubringen.

Fregattenkapitän von Puttkamer lobt die „erfahrenen Kampfgemeinschaften“ in ihrem Minensuchgeschwader: „Wir haben Soldaten, die immer in hoher Einsatzbereitschaft sind.“ Allerdings: Die Bedingungen in der Straße von Hormus seien ganz andere als in der Nord- und Ostsee. Boote und Sensoren sind eigentlich nicht für die hohen Temperaturen und den Salzgehalt des Wassers im Persischen Golf ausgelegt, das könnte die Sonarleistung schwächen. Und die Besatzungen sind auf das heimische Seegebiet trainiert, die Golfregion kennen sie nicht. Jetzt werde geprüft, was zusätzlich noch für die Ausrüstung getan werden könne, erklärt die Kommandeurin.
Die Minenjagdboote sind mit einer Höchstgeschwindigkeit von 18 Knoten, etwa 33 Stundenkilometer, unterwegs. Die Reise von Kiel in den Persischen Golf dauert vier bis fünf Wochen. Dadurch, dass die „Fulda“ jetzt zu einem Nato-Einsatz ins Mittelmeer verlegt wird, wird in der Einsatzvorbereitung viel Zeit gespart: „Wenn der Marschbefehl kommt, kann das Schiff gleich in den Suezkanal einfahren“, heißt es im Geschwader. Der Befehl wird allerdings auf sich warten lassen. Noch gibt es gar keine Verständigung auf eine solche internationale Mission und auch kein fertiges Konzept. Wenn die Regierung schließlich für den Bundeswehreinsatz einen entsprechenden Antrag an den Bundestag stellen sollte, dürften die Abgeordneten noch einmal mehrere Wochen brauchen, um die Mandatserteilung zu beraten und beschließen, heißt es unter Verteidigungsexperten des Parlaments.
Minenjäger benötigen zusätzlichen Schutz durch Fregatten und Korvetten
Die Minenjäger verfügen über eine Maschinenkanone sowie tragbare Stinger-Flugabwehrraketen. Das reicht aber nicht: „Um in einem Minenfeld arbeiten zu können, wenn also jeder Schritt tödlich sein kann, brauchen unsere Schiffe Schutz“, sagt von Puttkamer. Deshalb könnten die Minenabwehreinheiten nur zum Einsatz kommen, wenn alle Bedrohungen ferngehalten werden – durch Fregatten oder Korvetten, die in der Straße von Hormus wahrscheinlich von Streitkräften anderer Nationen gestellt werden.

Wie der Einsatz vor der iranischen Küste genau abläuft, ist offen. Voraussetzungen seien das Ende der Kampfhandlungen, ein internationales Mandat und ein Parlamentsbeschluss, betont Marine-Inspekteur Kaack. Unklar ist noch, wie viele Minen in der Meeresstraße verlegt sind. US-Präsident Donald Trump hatte schon mal behauptet, alle Minen seien beseitigt. Doch das US-Verteidigungsministerium rechnet damit, dass die Räumung sechs Monate dauern könnte. Nach Expertenschätzungen hat der Iran mindestens ein Dutzend, möglicherweise auch bis zu hundert Minen in der Meerenge verteilt.
- Teil 1: „Niemand stellt sich den echten Krieg vor – bis zur ersten Bombe“
- Teil 2: „Im Moment kann ich nur träumen von den Tagen ohne Angst“
- Teil 3: „Es wirkt, als sei die ganze Stadt in Schwarz gehüllt“
- Teil 4: „Ich denke an den Alltag und die kleinen Schönheiten“
- Teil 5: „Hier stirbt man nicht nur durch den Einschlag einer Granate“
Wie viele Minen braucht es, um eine Durchfahrt zu blockieren? „Keine einzige“, sagt von Puttkamer. In der Minenkriegsführung reiche eine richtig platzierte Schlagzeile, um Wirkung zu erzielen: „Manchmal weiß man gar nicht, ob überhaupt eine Nadel im Heuhaufen liegt, die man finden könnte.“ Aber dafür gebe es eben die Minensucher.








