Die Waffenruhe zwischen dem Iran und den USA und Israel ist erst wenige Stunden alt, da veröffentlichen die iranischen Revolutionsgarden eine Karte. Sie zeigte die Straße von Hormus, die den Persischen Golf mit dem Indischen Ozean verbindet – es ist die Lebensader der globalen Petrokultur, die Wirtschaft und Gesellschaft mit Energie versorgt. 2023 transportierten Schiffe fast 30 Prozent des weltweit gehandelten Öls durch diese Passage.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Die Karte aber ist auch eine Warnung: Seeminen versperren weite Teile der Passage. Die Straße von Hormus bleibt eine Gefahrenzone – jedenfalls dann, so sagt es das Mullah-Regime, wenn sich Schiffe nicht an die Regeln des Irans halten. Deshalb raten die Revolutionsgarden zu einer Route weiter nördlich.
Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost
Die Regierung in Teheran hat sich zum Wächterhaus erhoben, betreibt eine Art Mautstellensystem für die Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Bis zu zwei Millionen Dollar sollen Reedereien zahlen, um passieren zu dürfen. Das Geld sollen Firmen per verschlüsselter Online-Währung Bitcoin bezahlen. Die Einnahmen will der Iran mit Oman teilen, der auf der anderen Seite der Meerenge liegt. Um durchfahren zu können, müssten Schiffe zudem Unterlagen vorlegen, Freigabecodes einholen und eine von den Revolutionsgarden begleitete Durchfahrt durch einen einzigen kontrollierten Korridor akzeptieren.
Die Drohungen des iranischen Regimes verstoßen gegen das Völkerrecht, denn zivile Schiffe dürfen gebührenfrei passieren. Der Iran besetzt internationales Gewässer. Und die Kontrolle will das Regime auch nach der Waffenruhe mit den USA behalten.
Die Besatzung hat Minen an Bord, manchmal nicht größer als eine Konservendose
An ihrer engsten Stelle ist die Straße von Hormus nur 33 Kilometer breit. Und genau aufgrund dieser Enge ist der Schiffsverkehr dort militärisch mit einfachen Aktionen angreifbar. Gerade zu Beginn des Krieges mit den USA und Israel attackieren die iranischen Milizen Öltanker und Frachtschiffe, teilweise mit Kamikazedrohnen und Marschflugkörpern. Bisher gelingt es dem mächtigen US-Militär nicht, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu gewinnen.

Deutsche Sicherheitskreise heben derweil die Bedeutung von „Speedbooten“ hervor, mit denen sich die iranischen Truppen die Hoheit über die Wasserstraße sichern. Es seien „kleine, schnelle und wendige Boote“, heißt es. Die Besatzung hat Minen an Bord, manchmal nicht größer als eine Konservendose. Mithilfe dieser kleinen Boote verteilen iranische Milizen Minen in dem umkämpften Gewässer.
Für das US-Militär vor Ort seien die Speedboote nur schwer aufzuspüren, so Fachleute. Der Schutz der Straße von Hormus ist enorm aufwendig, denn die kleinen Boote mit den Minenlegern können von überall am Ufer starten, es braucht keine große Infrastruktur wie einen Hafen.
Sicherheitskreise machten Anfang April eine „niedrige dreistellige Zahl“ dieser Speedboote im Bestand des Iran aus – und gerade weil die amerikanischen Bomber bereits knapp 100 Kriegsschiffe des Regimes in Teheran zerstört haben, werden die kleinen, wendigen Boote zu einer zentralen Säule der Verteidigungsstrategie. Immerhin konnten das amerikanische und das israelische Militär bis heute auch Lagerstätten von Minen ausschalten.

Was noch feststeckt, ist das Rohöl auf den Frachtern: Es sind Hunderte Millionen Barrel
Die Auswirkungen dieser militärischen Kämpfe um die Passage sind auch in den Stunden nach Verkündung der Waffenruhe enorm. Nach Informationen der Fachzeitschrift „Lloyd‘s List“ sitzen noch immer mehr als 800 Schiffe im Persischen Golf fest. Reederverbände berichten sogar von 2000 Schiffen, die nicht weiterfahren können, davon mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien. Was noch feststeckt, ist das Rohöl auf den Frachtern: Es sind Hunderte Millionen Barrel.
Nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Fars vom Mittwoch war die Durchfahrt von Öltankern zuletzt wieder „vollständig unterbrochen“. Als Grund nannte die Agentur den erneuten israelischen Angriff auf den Libanon. Dieser sei „ein Verstoß gegen die Waffenruhe“.
Krieg gegen den Iran – spannende Hintergründe
Als Frieden in der Region herrschte, passierten rund 72 bis 90 Schiffe pro Tag die Straße von Hormus
Andere Medien berichten, dass nur wenige Schiffe die Straße von Hormus passiert haben. AXSMarine, ein maritimer Informations- und Softwareanbieter, schreibt der Nachrichtenagentur dpa, dass elf Schiffe in den 24 Stunden nach Verkündung der Waffenruhe den Wasserweg durchquert hätten. Je vier Schiffe ordnete das Unternehmen iranischen und griechischen Eignern zu. Ein Schiff sei in chinesischem Besitz, eines in omanischem, und ein weiteres konnte nicht zugeordnet werden.
An Tagen, an denen noch Frieden in der Region herrschte, passierten rund 72 bis über 90 Schiffe pro Tag die Meerenge. Andere Quellen schreiben von mehr als 120 Schiffen täglich – im Normalbetrieb. Doch wann dieser Betrieb in der Straße von Hormus wieder normal läuft, ist in den ersten Stunden nach der Waffenruhe zwischen USA und Iran völlig offen.










