Endlich war ich an der Reihe. In diesem einen Monat und einigen Tagen Krieg breitet sich etwas aus wie eine Epidemie: Jeden Tag ist jemand an der Reihe, in Dunkelheit, Leere und Hoffnungslosigkeit zu fallen und für einen oder mehrere Tage völlig auszufallen – manchmal ohne jeden klaren Grund. Und heute war ich es.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der Druck der Nachrichten, das Gefühl, dass der Tod den benachbarten Gassen immer näher kommt, und die Last des Krieges haben mich eingeholt. Als es mir schlecht ging, brachten sie mich in eine Klinik. Die Ärztin, die mich untersuchte, war eine junge Frau. Sie fühlte meinen Puls, sah mir in die Augen, schrieb einige Medikamente auf und ließ alles über eine Infusion in meine Handvene laufen.

Aktuelle Nachrichten zum Krieg in Nahost

Krieg im Iran: Angst und Schmerz bestimmen den Alltag

Ich krümmte mich vor Magenschmerzen und hatte das Gefühl, mein Herz sei verkrampft – oder schlage vielleicht gar nicht mehr. Auf dem Bett neben mir lag ein junger Mann. Die Ärztin sagte, man habe ihn in einem sehr nervösen Zustand hergebracht, er habe ein Beruhigungsmittel bekommen, damit er nach Tagen endlich schlafen könne. Dann wandte sie sich wieder mir zu und sagte: Jeden Tag bringen sie mehrere Menschen, die plötzlich krank geworden sind. Es sind die Folgen des Krieges. Es ist normal geworden. Ich möchte nicht, dass es für mich normal wird.

Wir hatten gerade noch für Frauenrechte im Iran gekämpft, und jetzt müssen wir um die elementarsten Menschenrechte kämpfen. Es fühlt sich an wie eine Niederlage, wie ein Rückschritt. Und doch sind die Frauen in diesem Jahrzehnt, in dem ich im Iran gelebt habe, mutiger geworden, entschlossener. Es ist nicht mehr wie früher, als man nur Kampagnen zur Aufklärung starten musste. Schon dass eine Ärztin es wagt, mit locker über die Schultern gelegtem Schal zu arbeiten, in einem Land mit Pflichtverschleierung, ist eine Form des Widerstands. Aber jetzt… ist unser Schmerz ein anderer.

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Leben im Iran: Der Wunsch nach Alltag

Die kühle Flüssigkeit der Infusion fließt in meine Vene und zieht mich für einen Moment aus den hässlichen Geschichten der Politik hinaus. Ich denke an Tage, in denen ich wusste, was vor mir liegt: eine Reise im Kalender, einfache Verabredungen mit Freunden, mehrmals in der Woche, um über die immer wiederkehrenden Routinen des Alltags zu sprechen. Und jetzt hat sich alles auf einen Satz reduziert: „Mal sehen, was passiert.“

Viele sagen, sie hassen Routinen. Aber ich habe in diesem Krieg verstanden, dass allein die Aussicht auf diese sich wiederholende Routine lebenswichtig ist. Stell dir vor, du wüsstest, dass du ab morgen nicht mehr mit der Metro fahren darfst oder mit dem Auto zur Arbeit. Wenn Zwang ins Spiel kommt, wird selbst der langweilige Weg von zu Hause zur Arbeit zum Wunsch – sogar der Stau.

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Internet-Abschaltung im Iran: Hoffnung auf Tibet-Reise bleibt

Die Hälfte der Infusion über meinem Bett ist leer. Ich schaue auf den Kalender meines Handys. Nur noch ein Monat bis zu meiner Reise nach Tibet. Ich weiß nicht, ob die Flughäfen wieder öffnen werden, ob der Krieg endet oder nicht. Aber trotzdem muss ich die Hoffnung lebendig halten.

Ich sehe mir Fotos von Tibet an. Natürlich nur die, die man im national gefilterten Internet findet, nicht im offenen Netz. Eine Nachrichtenagentur schreibt, Iran halte inzwischen den Rekord für die längste Abschaltung des globalen Internets, und fügt hinzu, dass Nordkorea nie mit dem freien Internet verbunden gewesen sei.

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Iran-Krieg außer Kontrolle: USA, Israel, NATO – Analyse mit Carlo Masala
Im Krisenmodus
 

Hoda Rostami aus dem Iran: „Ich lebe. Ich lebe noch.“

Ich kann kaum glauben, dass ich zu denen gehöre, die plötzlich in solchen Schlagzeilen der Welt auftauchen. Ich kann kaum glauben, dass ich seit mehr als einem Monat nur mit Mühe und Kosten, über VPN, überhaupt Verbindung zur Welt bekomme.
Nur um zu schreiben: Ich lebe. Ich lebe noch. Denn hier stirbt man nicht nur durch direkten Einschlag einer Granate.

Der Mann einer Freundin, ein Mitarbeiter der Elektrizitätsbehörde, war gestern mit einem Kollegen auf einen Strommast gestiegen, um die Versorgung wiederherzustellen. Weiter entfernt gab es eine Explosion. Die Druckwelle schleuderte beide zu Boden. Und sie starben. So einfach.

Hoda Rostami berichtet aus dem Iran

Aktuell dringen kaum Informationen aus dem Iran, das Land ist abgeschottet. Uns ist es dennoch gelungen, Kontakt mit der Reise-Bloggerin Hoda Rostami aufzunehmen. In den kommenden Wochen wird sie in losen Abständen immer wieder für uns über das Leben in dem vom Krieg gezeichneten Land berichten.