Die ukrainische Journalistin Wiktorija Roschtschyna reiste im Juli 2023 in die von Russland besetzten ukrainischen Gebiete, um über das Leben der dortigen Bevölkerung zu berichten – und kehrte nicht von dort zurück. Monatelang verschwanden ihre Spuren, schließlich erhielt ihre Familie im September vergangenen Jahres die Nachricht, dass Roschtschyna in russischer Haft gestorben ist. Ihre Leiche trug Spuren von Folter, mehrere Organe fehlten.

Nun hat eine der Personen, der Roschtschyna zuletzt lebend gesehen hat, mit dem britischen „Guardian“ über ihre letzten Tage gesprochen. Ein ukrainischer Soldat des Azow-Regiments, der im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freikam, berichtete, wie Roschtschyna mit dem Zug ins Gefängnis Sizo-3 in der Uralstadt Kizel transportiert wurde. Dort sollte sie wenig später sterben.

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Nach Hungerstreik soll Roschtschyna in schlechten gesundheitlichen Zustand gewesen sein

Demnach reiste er im selben Wagen wie die Journalistin und sah, wie sie den Gang entlang zur Toilette ging: „Ich habe sie gesehen. Sie ging an unserem Abteil vorbei“, sagte Semjonow. „Sie trug ein hellblaues Sommerkleid mit Blumenmuster. Dazu trug sie sportliche Sommersneaker mit weißen Sohlen. Und sie hatte einen kleinen Schminkspiegel dabei.“

Er berichtet, dass Roschtschyna die Arme auf dem Rücken verschränkt hatte und in einer angespannten Haltung ging. Nachdem die Journalistin in einem anderen Gefängnis im Hungerstreik war, befand sie sich in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. „Es sah so aus, als ob ihr alles schwerfiel: Gehen, Essen, Sprechen. Es schien, als ob ihr Kleid sie stützte“, berichtet der Soldat.

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Soldat berichtet über Roschtschynas Zustand: „Sie hatten sie in eine Mumie verwandelt“

Vor ihrer Verlegung war Roschtschyna in der Untersuchungshaftanstalt Sizo-2 in der russischen Stadt Taganrog untergebracht – aufgrund seiner entsetzlichen Zustände ist diese Haftanstalt auch als „russisches Guantánamo“ bekannt. Nach neun Monaten war ihr dort mitgeteilt worden, dass sie im Rahmen eines Gefangenenaustauschs freikommen sollte. Stattdessen wurde sie jedoch Hunderte Kilometer gen Osten in den Ural geschickt.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Der gefangene Soldat, der mit ihr transportiert wurde, berichtet: „Sie war sehr, sehr dünn. Sie konnte kaum stehen. Ich konnte sehen, dass sie einst ein wunderschönes Mädchen gewesen war, aber sie hatten sie in eine Mumie verwandelt: gelbe Haut, Haare, die leblos aussahen.“ Wie er berichtet, habe er sie identifizieren können, indem er ihre Gespräche mit den Wärtern mithören konnte, die während der Fahrt sehr betrunken waren. Demnach aß Roschtschyna klein Fleisch, weshalb er mit ihr Lebensmittel tauschte.

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Roschtschyna starb acht Tage nach ihrer Ankunft im Ural

Nach der Ankunft am Bahnhof Kizel wurden die Gefangenen mit Lkw ins Gefängnis transportiert, wo sie direkt nach der Ankunft als „Aufnahmeritual“ geschlagen wurden. „Als ich aus dem Lastwagen sprang, stülpten sie mir einen schwarzen Sack über. Sie zwangen uns auf die Knie. Wir bekamen kaum Luft. Sie fingen an zu schreien und fragten nach unserer Einheit, unserem Alter. Von allen Seiten waren Schreie und Stöhnen zu hören“, berichtet der Soldat.

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Ihm zufolge herrschten in der Haftanstalt in Kizel harte Bedingungen: Die Gefangenen mussten warten, bis sie trinken, die Toilette benutzen oder sich überhaupt hinsetzen durften. Sie waren gezwungen, die meiste Zeit zu stehen. Sprechen, Gesten und Hände in den Taschen waren verboten.

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Roschtschyna soll die harte Haft in Kizel nur acht Tage überlebt haben. Eine offizielle Sterbeurkunde erhielt ihre Familie nicht, doch die Autopsie ihres Leichnams deutet auf einen gewaltsamen Tod hin. Blutergüsse am Hals und ein Bruch des Zungenbeins legen einen Tod durch Strangulation nahe.

jst/FMG